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Solarpark überwindet viele Hürden

Die Regensburger Bürgergenossenschaft errichtet bei Laaber eine Photovoltaikanlage. Das Projekt kostet zwei Million Euro.
Von Christof Seidl, MZ

Sie kostet zwei Millionen Euro und kann 350 Haushalte mit Strom versorgen: BERR errichtet bei Bergstetten eine große Photovoltaikanlage.
Sie kostet zwei Millionen Euro und kann 350 Haushalte mit Strom versorgen: BERR errichtet bei Bergstetten eine große Photovoltaikanlage. Foto: BERR

Laaber.Auf einem steinigen Acker bei Bergstetten entsteht das jüngste Vorzeigeprojekt in Sachen regenerative Energie im Landkreis. Die Bürgerenergie Region Regensburg (BERR) investiert dort 2,1 Millionen Euro in eine Freiflächen-Photovoltaikanlage (PV-Anlage) mit knapp einem Megawatt Leistung. Den Weg zu dieser ersten großen Freiflächenanlage bezeichnet der Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer der Genossenschaft, Jochen Scherrer, als „extrem steinig“. BERR verfolgt das Projekt seit der Gründung Anfang 2012 – und wurde immer wieder durch Kehrtwenden der Bundesregierung in der Energiepolitik ausgebremst. Bereits 2013 hatte der Aufsichtsrat der Genossenschaft das Projekt deshalb zunächst zurückgestellt.

Sinkende Preise für Photovoltaikanlagen waren für BERR dann Anlass, erneut den Stift zu spitzen. Trotzdem blieb das Ein-Megawatt-Projekt lange ein Wunschtraum: Zunächst verhinderte ein zu weit entfernt gelegener Übergabepunkt zum Stromnetz die Realisierung, dann hob die Kreditanstalt für Wiederaufbau das Zinsniveau an und schließlich kippte die Bundesregierung 2015 das bisherige Fördermodell und führte ein Ausschreibungsverfahren ein, bei dem die Bewerber zum Zug kommen, die mit der niedrigsten Strompreisförderung auskommen.

Scherrer und seine Genossen entschieden sich, bei diesem Verfahren mitzumachen. Sie kamen aber trotz eines bereits sehr niedrigen Angebots im ersten Durchgang nicht zum Zug. „Das Rennen machten ausschließlich große Gesellschaften, die sich zum Teil mit mehreren Projekten beworben hatten“, sagt Scherrer.

In Deutschland fast einmalig

Die Solarmodule sind fast vollständig montiert. Problem bereitete der steinige Untergrund bei der Positionierung der Träger.
Die Solarmodule sind fast vollständig montiert. Problem bereitete der steinige Untergrund bei der Positionierung der Träger. Foto: Seidl

Die Bürgergenossenschaft steckte nicht auf. Sie verhandelte nochmals mit allen Beteiligten, rechnete jeden Posten erneut durch und trat im Herbst 2015 schließlich mit 7,9 Cent Fördervorschlag in der nächsten Runde an. Und diesmal erhielt BERR den Zuschlag. Die Regensburger sind damit eine von bisher zwei Bürgerenergiegenossenschaften in ganz Deutschland, die bei dem neuen Verfahren Erfolg hatten.

„Das Rennen machten ausschließlich große Gesellschaften, die sich zum Teil mit mehreren Projekten beworben hatten“

BERR-Vorstandsvorsitzender Jochen Scherrer

Ein Grund für diesen Erfolg sieht Scherrer in der GT Systembau aus Weiden, die den Solarpark errichtet. Beide Seiten hätten stets gemeinsam nach einem Weg gesucht, das Projekt finanzierbar zu machen. Scherrer: „Wir können den Solarpark nur dank dieser Detailarbeit realisieren.“

Inzwischen sind die Arbeiten an der Anlage, die bei Bergstetten entlang der Autobahn A3 entsteht, weit fortgeschritten. Fast alle Module sind montiert, derzeit wird die Stromleitung zum Einspeisepunkt verlegt. Die 2012 gegründete Bürgergenossenschaft, die bereits 21 Photovoltaikanlagen auf Dächern realisiert hat, verdoppelt durch den Solarpark ihre Kapazität in Sachen Solarstrom.

Neben der Photovoltaikanlage hat die Bürgerenergiegenossenschaft bereits auf einer Ausgleichsfläche Obstbäume gepflanzt.
Neben der Photovoltaikanlage hat die Bürgerenergiegenossenschaft bereits auf einer Ausgleichsfläche Obstbäume gepflanzt. Foto: Seidl

Die Rendite des neuen Parks soll rund 2,5 Prozent betragen. Der Energiegenossenschaft geht es aber weniger darum, mit der reinen Stromerzeugung Gewinn zu machen. Sie verfolgt ein ganzheitliches Konzept, sie will regenerative Energie vor Ort erzeugen und möglichst direkt auf kurzen Wegen an die Verbraucher abgeben.

Seit knapp einem Jahr bietet BERR dazu einen Ökostromtarif an: Bavariastrom basiert auf der Kooperation der im Bürgerenergie Bayern e.V. organisierten Genossenschaften mit dem Grünstromwerk. Der Strom stammt derzeit zu einem Viertel aus Anlagen der Genossenschaften und zu drei Vierteln aus Wasserkraftwerken am Inn. Deshalb handle es sich um echten regionalen Ökostrom, betont der BERR-Vorsitzende. Die meisten anderen Stromanieter in Deutschland würden ihre Ökotarife durch Zertifikate absichern, hauptsächlich auf Wasserkraft aus Norwegen.

Eigener Ökostromtarif

Mit der PV-Anlage bei Bergstetten steige der Eigenanteil an Bavariastrom noch einmal deutlich, sagt Scherrer. Er hofft, dass das Interesse an dem Tarif dadurch weiter steigt. In der Stadt Regensburg kostet die Kilowattstunde derzeit 25 Cent, im Landkreis 26 Cent. Bisher haben sich gut 60 Bürger dafür entschieden.

Ob diese Preise ab 2017 haltbar sind, sei noch nicht klar, räumt Scherrer ein. So plane das Bayernwerk als Netzbetreiber in seinem Zuständigkeitsbereich eine deutliche Erhöhung des Netzentgelts, das Bestandteil des Strompreises ist. Trotzdem werde man versuchen, möglichst ohne Erhöhung auszukommen. Scherrer: „Wir müssen ja einigermaßen konkurrenzfähig bleiben.“

Die Vielzahl der Projekte, die BERR angeht, ist auch eine Folge der Struktur der Bürgergenossenschaft, für die Scherrer halbtags als hauptamtlicher Geschäftsführer tätig ist. Harald Hillebrand, Vorstandsvorsitzender der Kelheimer Bürgerenergiegenossenschaft „Bengel“, betont, dass die rein ehrenamtliche Struktur seiner Genossenschaft mit Projekten wie dem Solarpark Bergstetten überfordert wäre. Die Kelheimer, die bereits seit 2011 aktiv sind, sehen deshalb angesichts der politischen Vorgaben bei Windenergie und Photovoltaik derzeit keine Projekte, an denen sich eine finanzielle Beteiligung rentieren würde.

In einem Fall kann sich Hillebrand eine Kooperation mit den Regensburger Energiegenossen gut vorstellen: bei einer Beteiligung am geplanten Windpark Sinzing. Ob und wann die drei umstrittenen Windräder bei Viehhausen überhaupt realisiert werden, ist bislang offen. Derzeit läuft noch das Genehmigungsverfahren als privilegierter Altfall.

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