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Kultur

Als „Landesvater“ vor falschem Publikum

Kabarettist Wolfgang Krebs und die „Bayerischen Löwen“ mischen zum Finale beim Lappersdorfer Zeltfestival kräftig auf.
Von Claudia Kreissl, MZ

  • Wolfgang Krebs als Schorsch Scheberl Fotos: Kreissl
  • Die Bayerischen Löwen, dirigiert von Edmund Stoiber
  • Veranstalter Alex Bolland ist zufrieden.

Lappersdorf.Er war doch noch da. Zum Abschluss des mehr als zweiwöchigen Zeltfestivals ist auch der Landesvater des ehemaligen Bayern nicht mehr an LLappersdorf vorbeigekommen. Doch Kabarettist Wolfgang Krebs hat für seinen Auftritt im Zirkuszelt neben Stoiber noch einen seiner Nachfolger mit dabei – den Seegruber, dings, Seehofer.

Fehlen darf da natürlich auch der Scheberl Schorsch nicht, seines Zeichens 30-facher Vereinsvorstand aus diesem unaussprechlichen Dorf ganz weit weg in Bayern. Und schließlich sind da diese rotzfrechen Bläser, die sich die Bayerischen Löwen nennen.

Dabei wäre es an diesem regnerischen Pfingstmontagabend fast zu einem finalen Eklat gekommen im Rund des Lappersdorfer Zirkuszelts. Hatte doch der leicht verwirrte Ex-Landesvater eingangs tatsächlich zur Rede anlässlich des 65. Geburtstags der Augsburger Puppenkiste angesetzt, um sich dann telefonisch von seinem Referenten in Brüssel die Frage „Können Sie mir sagen, wo ich bin?“ beantworten zu lassen, bevor er politisch überzeugend feststellte: „Ich habe keinen Fehler gemacht! Sie sind das falsche Publikum!“

Enorme Spielfreude

Letzterem war das freilich wurscht. Denn die gut 300 Besucher, die dem nasskalten Wetter zum Finale des Zeltfestivals auf dem Freizeitgelände Pielmühle getrotzt hatten, kamen voll auf ihre Kosten. Dafür sorgten ein glänzend aufgelegter Wolfgang Krebs, der seine Rollen auf der Bühne so virtuos wie seine Anzugjacken wechselte und fünf bayerische Bläser mit ihren mal swingenden, mal rockigen Blechgesängen voller entwaffnender tief bayerischer Logik.

Eines wird schon bei den ersten Klängen klar. Die bayerischen Löwen verstehen ihr Handwerk. Dominik Glöbl und Christian Striegl an der Trompete, Franz Eisenschink an der Tuba, Michael Wallner an der Basstrompete sowie Florian Blöchl an der Posaune sind nicht nur hervorragende Musiker, sie schaffen es auch ihre enorme Spielfreude auf die Bühne zu bringen. Und sie gehen dabei erfrischend respektlos mit der Blasmusik um, mischen Marsch mit Swing, Polka mit Rock, während sie singend von den Vorzügen des Thermomix schwärmen (ohne ihn, da bist du nix) oder von den Rachegefühlen von der Uschi ihrem Luschi oder von dem Glückstag, an dem das Bayernland entstanden ist.

Die Rolle des ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber ist das Paradestück von Wolfgang Krebs. Mit atemberaubender Wortakrobatik persifliert er den früheren Landesvater, verspricht sich praktisch permanent „höchstens ein oder zweimal“ in einem Tempo und mit einem Tiefsinn, der dem Publikum kaum Zeit zum Lachen, geschweige denn zum Mitdenken lässt.

Zeltbesucher sind keine Augsburger

Im Lappersdorfer Zirkuszelt stellt sich schließlich doch heraus, dass die Lappersdorfer keine Augsburger sind und zudem auch keine Puppenspieler, sondern Zeltbesucher. Da verlegt sich die „echte Stimmungszitrone“ dann auf ein paar „Anek-Torten“ aus seinem bewegten Leben, liefert entwaffnende Vorschläge für das „G-murkse“ von Bildungsminister Ludwig Spaenle („Wer G9 will, bleibt einfach sitzen“) und ätzenden Spott für Alexander Dobrindts Teststreckenpläne für selbstfahrende Autos („Wofür soll das bitte gut ein, wenn das Auto ohne dich fährt“), um schließlich festzustellen: „Ich bin immer noch die Lady Gaga der bayerischen Politik“.

So anspruchsvoll ist die Krebs-Version des amtierenden Landesvaters Horst Seehofer nicht. „König Horst reicht!“, macht er dem Volk im Zirkuszelt klar und wundert sich manchmal selbst, „wie viele Meinungen ich hab“. Doch wenn es um Frauen geht, dann wird der König Horst deutlich, schließlich hat er mit Umweltministerin Ulrike Scharf „die schärfste Frau in der bayerischen Regierung“ und er weiß, dass seine Frau zwei Dinge gleichzeitig kann: „Rückwärts einparken und den Seitenspiegel abfahren!“

Auf die Oberpfalz gefreut

Der Landesvater des augenblicklichen Bayern hat sich aber ganz offensichtlich auch auf seinen Besuch in der Oberpfalz gut vorbereitet. Denn er weiß: „In Regensburg ist alles wunderbar – der Dom, der Hutmacher und der Jahn!“ Doch kennt er gerade in diesem Zusammenhang auch seine Schwächen: „Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage.“

Doch die Figuren von Krebs blicken nicht nur aus den höheren Sphären der Politik auf das Bayernland. Zwischendurch mogelt sich auch immer wieder der Scheberl Schorsch auf die Bühne, ein Mann aus dem Volk, Multifunktionär und Provinz-Lobbyist mit erheblichem Grundalkoholgehalt, der sich ganz genau auskennt und eines ganz genau weiß: „Ein Sch…dreck ist des Ehrenamt!“ Hat er doch beobachtet, dass besagtes Ehrenamt immer dieselben machen, „und nie die vom Neubaugebiet“. Dort stehen nur die Passivhäuser mit der „Schnackselhaxelheizung“ und dem „Esjuwie“ davor.

Dann hat einer SPD gewählt

Dass dem so ist, weiß der Scheberl Schorsch aus seiner langjährigen kommunalpolitischen Erfahrung, zu deren Grundausbildung es eben gehört, die Schnüre mit den Kugelschreibern in der Wahlkabine so kurz zu machen, dass sie nur bis zum Wahlvorschlag 1 reichen: „Wenn de Kabine umklappt is – dann hat einer SPD gewählt“.

Doch der Schorsch ist nicht nur von den Kämpfen in der Politik, sondern auch von zahllosen letzten Worten am offenen Grab gestählt. Und da hat so mancher eine große Lücke hinterlassen, „die jetzt gleich von ihm selbst aufgefüllt wird“.

Bilanz zum Zeltfestival 2015

  • Viele Besucher:

    Deutlich mehr als 9000 Besucher sind in den gut zwei Wochen in die Veranstaltungen beim Lappersdorfer Zeltfestival gekommen. „Vielleicht waren es heuer sogar 10 000“, erklärte Veranstalter Alex Bolland in einer ersten Bilanz gegenüber der MZ. Das diesjährige Festival liegt damit bei der Zuschauerresonanz möglicherweise sogar knapp über dem Vorjahr. Sehr viele Gäste kommen nach den Beobachtungen von Bolland aus Lappersdorf, rund zwei Drittel aus dem Landkreis oder sogar darüber hinaus.

  • Keine Beschwerden:

    Alex Bolland ist damit rundum zufrieden, zumal auch das Wetter beinahe optimal mitgespielt gespielt hat. „Ich habe das Gefühl, Besucher, Künstler und Festival haben sich hier in Lappersdorf gefunden“, betonte der Veranstalter, der das an den vielen „Wiederholungstätern“ festmacht, die Jahr für Jahr zum Festival kommen. Beschwerden, so Bolland, sind keine bei ihm angekommen.

  • Persönliche Höhepunkte:

    Die persönlichen Höhepunkte waren heuer für Alex Bolland der Auftritt von Rainhard Fendrich, der zum ersten Mal in Lappersdorf zu Gast war. „Für das Publikum gab es hier eine enorme Nähe zum Künstler“, schwärmt Bolland von dem österreichischen Liedermacher.

  • Ein Fan der Lachnacht:

    Im Bereich Kabarett ist der Veranstalter seit Jahren ein Fan der Lappersdorfer Lachnacht. Die Lachnacht sei immer für Entdeckungen gut, weil sie ganz verschiedene Künstler im Zelt vereine.

  • Beeindruckt von Lauerer:

    Und auch Toni Lauerer beeindruckte Bolland. Der Mundartdichter habe sich so ganz entspannt als guter Geschichtenerzähler präsentiert. (lck)

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