MyMz
Anzeige

„Gruaberin“ rockt das Zelt-Festival

Bayerns Aushängeschild in Sachen Kabarett verteilte in Lappersdorf verbale Rundumschläge in feinster Mundart.
Von Claudia Kreissl, MZ

  • Volles Haus beim Zelt-Festival in Lappersdorf: Über 800 Besucher jubelten Monika Gruber begeistert zu. Fotos: Claudia Kreissl
  • Schont weder sich noch andere: Monika Gruber in Aktion

Lappersdorf.Monika Gruber ist Kult. Wenn die blonde Kabarettistin hintersinnig und im feinsten Baierisch zu ihren verbalen Rundumschlägen ausholt, dann gibt es kein Halten mehr. So auch bei den gut 800 Besuchern des Lappersdorfer Zelt-Festivals, die der „Gruaberin“ bei ihrem Programm „Irgendwas is’ immer“ zwei Stunden lang begeistert zujubelten.

Monika Gruber ist eine glänzende Beobachterin. Sie schaut den Leuten gerne aufs Maul und bringt Geschichten aus dem alltäglichen Wahnsinn scharfsinnig, direkt und zum Schreien komisch aufs Tablett. Zwar sind ihre Verbalattacken manchmal auch derb und unter der Gürtellinie – aber das verzeiht man der sympathischen Kabarettistin mit dem verschmitzten Lächeln gerne.

Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit lästert Monika Gruber im Lappersdorfer Zirkusrund gut zwei Stunden lang über Gott und die Welt und macht dabei auch vor ihrer eigenen Person nicht Halt. „Wenn i am Flughafen ned regelmäßig abgetastet würde, dann hätt´’ i gar kein Sexualleben“, macht sie sich etwa über ihr Singledasein lustig.

„Der Mensch altert ja schubweise“

Häufig sind es Alltagsdinge, über die sich die 43-Jährige ärgern kann. Zum Beispiel über den um sich greifenden Gesundheitswahn. „Früher haben wir zum Frühstück Prosecco bestellt, heute kommt nur noch laktosefreier Latte macchiato auf den Tisch. Also Kaffee ohne Kaffee und Milch ohne Milch“, ätzt die Oberbayerin. Auch der Kampf gegen das Älterwerden ist für sie ein gefundenes Fressen. Aber wenn schon darüber jammern, dann wenigstens mit einer großen Portion Humor, findet Gruber. „Der Mensch altert ja schubweise. Man geht am Abend als Julia Roberts ins Bett und steht am nächsten Morgen als Erni Singerl wieder auf.“ Für einen handfesten Skandal hat ihrer Ansicht nach Papst Benedikt gesorgt, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger Johannes Paul II. freiwillig auf sein Amt verzichtete: „So ist es immer. Der Pole buckelt bis zum Umfallen, während der Deutsche in Frührente geht.“

„Political Correctness“ ist ebenfalls ein Reizthema für Monika Gruber, die darüber ins Grübeln kommt, ob Kinder künftig überhaupt noch Wörter wie Vater und Mutter kennenlernen oder ob es hinkünftig nur noch „das Elter“ heißen wird. Auch sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis Frauen als „Menschen mit Menstruationshintergrund“ bezeichnet werden und aus dem politisch völlig unkorrekten Zigeunerschnitzel ein „Rotationseuropäerschnitzel“ wird, echauffiert sich die Kabarettistin mit dem losen Mundwerk.

„Das sind Kinder, normale Kinder“

Monika Gruber gelingt es aber durchaus auch kritische Töne anzuschlagen und diese scharf und bissig unter das Volk zu bringen. Kinder sind ein Thema, bei dem sich die „Tante mit Leib und Seele“ so richtig in Rage reden kann. Und so zetert sie aus vollem Herzen über Eltern, für die nur hochbegabte Kinder zählen und solche Eltern, die ihrem Nachwuchs Tabletten gegen ADHS geben. Ständiges Geplapper, zappeln, nicht zuhören und Stifte verlieren sind heutzutage schon ein Krankheitsbild, regt sich Monika Gruber auf. „Das sind Kinder, normale Kinder“, schreit sie ins Publikum und geizt nicht mit Ratschlägen an die betroffenen Eltern: „Nehmen’s de Tabletten doch selber oder geben Sie sie Ihrem Hund. Vielleicht sch… er dann glei ins Tüterl nei.“

Zum Glücklichsein braucht es doch keinen Hochschulabschluss, zieht Monika Gruber Bilanz. Und überhaupt: Der Mensch muss auch nicht immer glücklich sein. „Mir langt’s a scho, wenn mir langweilig is“, sinniert die Kabarettistin nachdenklich und gibt ihrem Publikum einen durchaus ernst gemeinten Ratschlag mit auf den Nachhauseweg. „Wir müssen nicht immer perfekt sein und für alles eine Lösung finden. Wir dürfen auch über uns selber lachen und Fehler machen.“

Seit 13 Jahren im Geschäft

  • Karriere:

    Monika Gruber wurde 1971 in der Nähe von Erding geboren. Ihre ersten kabarettistischen Soli schrieb sie 2002 in ihrer Figur als „Kellnerin Monique“ für die BR-Sketch-Comedy-Reihe „Kanal Fatal“, wo sie an der Seite von Vroni von Quast, Günter Grünwald und Michael Altinger ihre erste TV-Erfahrung als Kabarettistin sammelte.

  • Auszeichnung:

    2012 erhielt Monika Gruber den Bayerischen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Comedian“.

  • „Irgendwas is´ immer“ heißt das aktuelle fünfte Soloprogramm, mit dem Monika Gruber seit 2014 unterwegs ist.

  • Autorin:

    2014 ist die Kabarettistin auch unter die Buchautoren gegangen. „Man muss das Kind im Dorf lassen – meine furchtbar schöne Jugend auf dem Land“ heißt Monika Grubers erstes Buch, das im Piper Verlag erschienen ist. (lck)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht