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Hinterfotzig und hochmusikalisch

Die Well-Brüder bringen das Lappersdorfer Zelt zum Brodeln – mit ihrem genialen Mix aus Musik und Mentalitätserkundung.
Von Stephan Grotz, MZ

  • Hinterfotzig und hochmusikalisch: die Well-Brüder beim Zeltfestival in Lappersdorf Foto: altrofoto.de
  • Hinterfotzig und hochmusikalisch: die Well-Brüder beim Zeltfestival in Lappersdorf Foto: altrofoto.de
  • Hinterfotzig und hochmusikalisch: die Well-Brüder beim Zeltfestival in Lappersdorf Foto: altrofoto.de

Lappersdorf.Mittlerweile weiß man kaum mehr, was größer ist: die Zahl der Instrumente oder die Anzahl der Formationen, mit denen die Mitglieder der musikalischen Großfamilie Well aufgetreten sind. Da gibt es die legendäre Biermösl Blosn, die bereits Geschichte ist, die Wellküren als die weibliche Auskoppelung aus dem Clan und seit geraumer Zeit nun auch die Well Brüder aus’m Biermoos. Wer da den Überblick verliert, kann sich trösten. Viel Unterschied ist da nämlich nicht. Denn gleich in welcher Zusammensetzung – die Wells sind einfach unschlagbar in Sachen Musikalität und Hinterfotzigkeit.

Am Freitagabend waren die drei Brüder Christoph „Stofferl“, Karli und Michael Well zu Gast beim Lappersdorfer Zeltfestival. Bereits im November 2014 hatte das Trio den Regensburger Leeren Beutel bis zum letzten Platz gefüllt und das lachende Publikum den Saal bis in die Grundfesten erschüttert. Verglichen mit dem, was sich jetzt in Lappersdorf abspielte, war das damals höchstens eine Art Kammerspiel. Im voll besetzten, brodelnden Zelt ging das Publikum von Anfang an singend, klatschend, lachend und johlend mit.

Reinhard Söll als „Durchlauchterhitzer“

Wieder erzählen die drei von ihrem Heimatdorf Hausen und dem ökonomischen Glanzpunkt der Region: „Rupp Rohre Rohrbach“, die seit der erfolgreichen Verlegung einer Weihwasser-Pipeline zwischen Tuntenhausen und Altötting zu einem Global Player aufgestiegen sind. Doch Lappersdorf und Umgebung müssen sich nicht verstecken. Hier bekommt ein Bürgerstadl ein güldenes Dach, eine veritable Fürstin steht Modell für das amputierte Bruckmandl. Und einen „Durchlauchterhitzer“ in Gestalt des Schlossfestspiel-Impresarios Reinhard Söll gibt es auch.

Doch Eines kann man Hausen nicht nehmen. Es ist wohl das einzige Händel-Dorf der Welt. Das klingt zwar verdammt nach Hendl-Dorf, das unter Vertrag bei Wiesenhof steht. In Wahrheit geht es aber um den großen Barockkomponisten, der in Hausen eine unfreiwillige Pause auf dem Weg von Wien nach London einlegte. Ihm zu Ehren spielen die Wells die „Feuerwehrmusik“, einen schwungvollen Zwiefachen mit Akkordeon, Tenorhorn – und der Bachtrompete. Umgekehrt geht es aber auch: Auf einmal erklingen barocke Klänge aus der urbayerischen Quetschn.

„Seehofer-Walhall“ an der Donau

Natürlich kriegt auch die Obrigkeit ihr Fett ab. Etwa die Bayerische Polizei, die todesmutig 15 Euro für drei Minuten Falschparken kassiert – und „in Rengschburg an Student mit 16 Kugln derschiaßt, weils Angst hobn, dass er eana s’Messa einirennt“. Der Hauch der Welthistorie weht bald im Haus der Bayerischen Geschichte, dem „Seehofer-Walhall“. Da dürfen die zwei Trachtenanzüge vom Stoiber, zwei echte Seiten von Guttenbergs Doktor-Plagiat ebensowenig fehlen wie das „Blosrehrl“, in das Otto Wiesheu seiner Zeit pusten musste. Alles natürlich als Leihgabe der Firma Rupp Rohre Rohrbach.

So richtig gut sind die Well-Brüder immer dann, wenn hinter der ganzen Derbleckerei ihre unbändige Heimatliebe durchschimmert. Richtig aufregen kann sich der Stofferl über die Trachten-Androiden im Fernsehen, die nicht einmal schuhplattln können. Sagt es und legt einen Tanz hin, der sich gewaschen hat. Und der Karli führt einen Bauchtanz vor, den seine Frau neulich gelernt hat: unnachahmlich, wie der seine Bierkugel rhythmisch einziehen kann. Auch der Michl lässt sich nicht lumpen. Sein Highland-Dance, den die McWells, die schottischen Vorfahren des Musiker-Clans, in ihrem weiß-blau karierten Kilt getanzt haben, steigert sich zu einer Tarantella. Das Publikum tobt, und spätestens jetzt spürt jeder: Die Well-Brüder sind immer wieder einmalig. Selbst wenn sie täglich nach Regensburg kämen.

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