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Leben am Dorf: eine komische Sache

Martina Schwarzmann plaudert über haushaltsunfähige Männer und Zickendasein. Das Publikum beim Zeltfestival wiehert.
Von Michael Scheiner, MZ

Martina Schwarzmann: Beim Zeltfestival Lappersdorf begeisterte sie an zwei Abenden in Folge. Das soll ihr erst mal jemand nachmachen.
Martina Schwarzmann: Beim Zeltfestival Lappersdorf begeisterte sie an zwei Abenden in Folge. Das soll ihr erst mal jemand nachmachen. Foto: Scheiner

Lappersdorf.„Gscheid gfreit“ haben sich im heimeligen Lappersdorfer Zelt über weit mehr als 800 begeisterte Besucher. Mittig sichtlich gerundet, stellte sich die schwangere Martina Schwarzmann ohne Scheu ins unbarmherzige Licht der Bühne: „…gwampert eben. Aber koa Angst, es is no ned so weit – sie können hierbleiben!“

Die 36-jährige Alltagsbeobachterin mit der steilen Frisur und dem schrägen Blick aufs Gewöhnliche präsentierte beim Zeltfestival ihr aktuelles Programm an zwei Abenden, beide Male vor ausverkauften Tribünen. Das soll ihr erst mal einer nachmachen. Die bekennende Faulenzerin – „i vasteck’ mi vor da Arbeit“ – ist inzwischen, wie es Veranstalter Alex Bolland in seiner charmanter Begrüßung formulierte „ganz oben in Bayern und Deutschland angekommen“.

Wenn Schwarzmann im Lauf des vergnüglichen Abends von Auftritten in Frankfurt, Berlin und Hamburg erzählt, kratzt sich mancher verwundert am Kopf. Die nächsten fünf Pointen hindurch ist man mit der Frage beschäftigt: Wie macht sie das? Steht dann Ina Müller neben ihr auf der Bühne und übersetzt ihre Dialektgeschichten und -lieder ins Platt?

Das glucksende und kichernde Publikum erfährt immerhin, warum Schwarzmann zu den Hanseaten reist und Lieder wie „Wenns mia amoi fad wär“ und „Da Bigaudara“ singt: „Damit die ned oissam zu mia nach Haus kemmen!“ Ins Zuhause der „bald dreifachen“ Mutter bekommt man im Lauf des Abends tiefe Einblicke. Manches Klischee über haushaltsunfähige Männer, Bildung und dörfliches Zickenleben wird ausgebreitet. Dabei bleibt die pragmatische Musikkabarettistin immer ganz nahe an den Menschen, ihren Launen und Abgründen, ihren Aufgesetztheiten und liebenswerten Fehlern.

Im Krapfen: ein Zahn – der eigene

Schwarzmann macht das Leben mit Kindern und Mann in Altomünster im Dachauer Land zum stetigen Thema. Lakonisch und verschmitzt nimmt sie sich selbst in jedem zweiten Satz aufs Korn. Eigene vermeintliche Schwächen stellt sie geradezu aus: „Wenn i nackert vorm Spiegel steh’, schau’ i unten aus wia a Achter“, lästert sie über ihre dünnen O-Beine. Schwarzmann ist übrigens „gegen die Diskriminierung von Dicken und Dünnen“.

Mit Lust und gewitzter Bodenständigkeit spottet Schwarzmann über „Die Verwandtschaft“, den Fluch des „Riesen-Scheißdreck Multitasking“, „Sex am Lagerfeuer“ und den eigenen „Zahn im Krapfen“. Die immer ein wenig gouvernantenhaft auftretende Künstlerin kultiviert den Blick fürs leicht Absurde, verdreht Komische und komisch Verdrehte.

Mit Kalauern, wunderbar pointierten Spitzen und Geschichten, die das Leben schreibt, bestückt sie ein vergnügliches, amüsantes Programm. Viele Gags dürften sich aus persönlicher Erfahrung speisen – wie der Traum, in dem sie nackert zum Einkaufen geht und die Episode freimütig dem Journalisten erzählt.

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