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Infrastruktur

Gefährliche Löcher im Handynetz

Im Kreis Regensburg gibt es Ortschaften, in denen beim Mobilfunk (fast) nichts geht. Der Freistaat will Abhilfe schaffen.
Von Christof Seidl, MZ

Im Landkreis Regensburg gibt es bei der Mobilfunkversorgung noch einiges zu verbessern.
Im Landkreis Regensburg gibt es bei der Mobilfunkversorgung noch einiges zu verbessern. Foto: dpa

Regensburg.Wer mit dem Zug von Regensburg nach Landshut fährt, oder auf der Staatsstraße von Donaustauf nach Falkenstein durch Unterlichtenwald, kennt das Problem. Zeitweise ist die Mobilfunkverbindung extrem schwach oder ganz weg – je nach Anbieter ist dieses Phänomen mehr oder weniger stark ausgeprägt. Das ist meistens nur lästig, es kann aber auch gefährlich werden. Denn nach wie vor gibt es im Raum Regensburg Ortschaften, in denen zwar vielleicht die Breitbandversorgung zuhause funktioniert, nicht aber die mobile Telefonie.

Auch im südlichen Landkreis gibt es noch einige Ecken mit extrem schwachen Empfang. Laut der Mobilfunkabdeckungskarte der Telekom müsste dort zwar überall Empfang möglich sein, allerdings mitunter nur außerhalb von Gebäuden. Im Mötzinger Gemeindeteil Schönach führte das vor einem Jahr zu einem ernsten Zwischenfall. Ein Arzt machte dort einen Hausbesuch, als er anderenorts in einem Notfall gebraucht worden wäre. Sein Handy hatte im Haus keinen Empfang.

Die Gemeinde drängt die Mobilfunkanbieter seit zehn Jahren, etwas zu unternehmen – ohne Ergebnis. Bürgermeister Reinhard Knott (FW) startete deshalb erneut einen Versuch, die Mobilfunkversorgung im Gemeindebereich zu verbessern. Er ist selbst von der Misere betroffen. Empfang hat der Gemeindechef zuhause nur draußen – je nachdem, wo er auf seinem Grundstück steht. Das bestätigt auch der Blick auf die Telekom-Karte. „Voraussichtlich nur außerhalb von Gebäuden“ heißt es dort, wenn man die Adresse des Bürgermeisters eingibt. Knotts Anfrage bei der Telekom – er hatte sich direkt an den Vorstandsvorsitzenden Timotheus Höttges gewandt – blieb erfolglos. Im Antwortschreiben teilte das Mobilfunkunternehmen lapidar mit, „dass es für uns nicht wirtschaftlich ist, Sendemasten in Ihrer Region aufzustellen“.

Regierung kündigt Programm an

Anfang Juni wandte sich Knott auch an die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), schilderte die Situation vor Ort und bat um Mithilfe des Freistaats, ähnlich wie bei der Breitbandversorgung. Diesmal waren seine Bemühungen zumindest indirekt von Erfolg gekrönt. Anfang August kündigte Aigner an, dass „Bayern das Land lückenloser mobiler Kommunikation“ wird. Ihre Zukunftsinitiative Mobilfunk sieht unter anderem fünf Millionen Euro für ein Sofortprogramm vor, das den Neubau beziehungsweise die Nachrüstung von alten Funkanlagen bis 2020 zum Ziel hat. Zudem sollen Mobilfunkanbieter bei der Neuvergabe von Lizenzen verpflichtet werden, die „weißen Flecken“ in der Funkversorgung zu beseitigen. Aigner: „Mit unserer Mobilfunkinitiative machen wir Bayern zum Vorzeigeland der mobilen Funkversorgung.“

Zukunftsinitiative Mobilfunk

  • Ziel:

    Mit dem Sofortprogramm des bayerischen Wirtschaftsministeriums sollen bestehende Masten des Behördenfunknetzes BOS für privaten Mobilfunk genutzt werden. Das soll beim Ausbau Zeit und Geld sparen. Der BOS-Funk umfasst auch schwach- und unbesiedelte Regionen.

  • Baurecht:

    An BOS-Standorten besteht bereits geprüftes Baurecht. Emissionsschutzrechtliche Auflagen etc. sind bekannt.

  • Roaming:

    Die Mobilfunk-Initiative soll auch ein nationalen Roamings prüfen.

  • Zusätze:

    Die Initiative sieht auch die Förderung neuer Technologien und die Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Standorten für Mobilfunkmasten vor, an denen die Bevölkerung Bedenken gegen derartige Vorhaben hat.

  • Betreiber:

    Bei der Neuvergabe von Mobilfunklizenzen sollen nötigenfalls die Auflagen hinsichtlich der Netzabdeckung verschärft werden

Offen ist bislang, wie dieses Sofortprogramm in der Praxis umgesetzt werden soll. Das Wirtschaftsministerium nannte auf die Anfrage unserer Zeitung zwar Einzelheiten des Programms. Auskünfte darüber, ob sich einzelne Gemeinden wie Mötzing für dieses Programm bewerben können, gibt es aber bislang noch nicht. Die Details des Programms würden erst in den nächsten Wochen ausgearbeitet, erklärte das Wirtschaftsministerium. Eine Anfrage bei der Telekom, ob das Programm die Chancen für Mötzing verbessert, blieb bis Donnerstagabend unbeantwortet.

Die Voraussetzungen im Raum Regensburg wären dank des Breitband-Ausbauprogramms des Landkreises grundsätzlich gut. Wie das Landratsamt auf unsere Anfrage erklärte, würden über die bereits vergebenen Aufträge, die zum Teil auch schon in der Ausführung seien, mehrere hundert Kilometer Glasfaserleitungen im gesamten Landkreis verlegt.

Behördenfunk-Standorte nutzen

Diese Glasfaserleitungen dienen neben der Bereitstellung von VDSL und Fiber-to-the-Home-Anschlüssen für die einzelne Bürger auch zur Versorgung von Mobilfunkstandorten. Insbesondere die zukunftsfähigen Mobilfunkstandorte der vierten Generation (LTE) sollen im Rahmen des Netzausbaus über diese Glasfaserleitungen versorgt werden. Auch die Standorte des digitalen Behördenfunks BOS können an das Glasfasernetz angebunden werden, meint das Landratsamt. Diese Standorte spielen in den Überlegungen des Freistaats ebenfalls eine zentrale Rolle. Über Glasfaser können nahezu unbegrenzte Bandbreiten an die Sendestandorte der einzelnen Mobilfunkanbieter herangeführt werden, die dann von dort aus weiter verteilt werden.

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