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Bildung

Abi-Manipulation: Ermittlungen dauern an

Ein Neutraublinger Schüler soll die Musterlösung zur Deutschprüfung gekannt haben. Gegen den Ausschluss vom Abitur klagt er.
Von Louisa Knobloch, MZ

Schüler schreiben ihr Deutsch-Abitur: Ein Schüler des Gymnasiums Neutraubling soll die Musterlösung gekannt haben – die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Schüler schreiben ihr Deutsch-Abitur: Ein Schüler des Gymnasiums Neutraubling soll die Musterlösung gekannt haben – die Staatsanwaltschaft ermittelt. Symbolbild: Armin Weigel/dpa

Regensburg.Während sich viele Abiturienten derzeit auf ihren Studienbeginn im Oktober vorbereiten, hat die Abiturprüfung für einen Schüler des Gymnasiums Neutraubling ein juristisches Nachspiel. Der Fall hatte Anfang Juli für Schlagzeilen gesorgt: Den Korrektoren war aufgefallen, dass die schriftliche Abiturprüfung des Schülers im Fach Deutsch auffällige Ähnlichkeit mit der Musterlösung hatte. Die Schulleitung informierte das Kultusministerium über den Fall, das daraufhin Anzeige erstattete.

„Die Ermittlungen laufen noch und sie richten sich nach wie vor gegen Unbekannt“, sagte Theo Ziegler, Oberstaatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, auf MZ-Nachfrage. Es bestehe der Verdacht auf Verletzung des Dienstgeheimnisses. Jemand könnte die Musterlösung an den Schüler weitergegeben haben. Ob auch gegen die Eltern des Schülers – beide Gymnasiallehrer – ermittelt wurde oder wird, will Ziegler nicht kommentieren. „Es gab und gibt keinen Beschuldigten in diesem Verfahren“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Es sei außerdem nicht klar, ob überhaupt eine Straftat vorliege, so Ziegler. Der Schüler könnte die Musterlösung rein theoretisch auch „zufällig gefunden“ haben. Dem jungen Mann drohen ohnehin keine strafrechtlichen Konsequenzen: Denn Unterschleif – also spicken oder abschreiben – sei nicht strafbar, erklärt Ziegler.

Schüler klagt gegen Ausschluss

Die Schule hatte den Schüler aufgrund des Vorfalls jedoch vom Abitur ausgeschlossen. Dagegen hatte dieser bereits Ende Juni Klage beim Verwaltungsgericht Regensburg eingereicht. Auf Wunsch des Klägers sei die Frist zur Klagebegründung verlängert worden, teilte Vizepräsident und Pressesprecher Dr. Martin Hermann mit. Inzwischen liege die Klagebegründung des Schülers jedoch vor. Die Regierung der Oberpfalz, die in diesem Verfahren den Freistaat Bayern vertritt, habe nun ihrerseits eine Fristverlängerung zur Klageerwiderung beantragt, was auch bewilligt worden sei. Bis zum 20. Oktober muss die Klageerwiderung vorliegen. Wie lange es dann noch dauert, bis eine Entscheidung fällt, konnte Hermann am Dienstag nicht beantworten.

Ministerium spricht von Sonderfall

Dass ein Schüler wegen Unterschleifs vom Abitur ausgeschlossen werde, stelle einen „absoluten Sonderfall“ dar, teilte ein Sprecher des bayerischen Kultusministeriums auf MZ-Nachfrage mit. Das Ministerium erhebe keine Daten zu solchen Fällen. Ihm sei aber nur ein weiterer Fall bekannt, der sich 2013 an einem städtischen Gymnasium in München ereignet habe, so der Sprecher. Damals habe die Schulaufsicht das Vorliegen von Unterschleif angenommen.

Folgen für den Abschluss

  • Unterschleif:

    Wegen des Verdachts auf Manipulation wurde ein Schüler des Gymnasiums Neutraubling vom Abitur ausgeschlossen. Ein Sprecher des bayerischen Kultusministeriums verweist auf Paragraph 57 der Schulordnung für die Gymnasien in Bayern (GSO). Demnach gilt in schweren Fällen des Unterschleifs die Abiturprüfung als nicht bestanden.

  • Wiederholung:

    Nach Paragraph 58, Absatz 2 der GSO steht es dem Schüler frei, eine nicht bestandene Abiturprüfung zu wiederholen. Dies könne jedoch nur einmal geschehen.

  • Mittlerer Abschluss:

    Laut Paragraph 39, Absatz 10 der GSO erhalten alle Schüler, die die Jahrgangsstufe 10 mit Erfolg besucht haben, im Jahreszeugnis den zusätzlichen Vermerk: „Der Schüler bzw. die Schülerin ist damit zum Eintritt in die Qualifikationsphase der Oberstufe des Gymnasiums berechtigt; dies schließt den Nachweis eines mittleren Schulabschlusses ein.“

Offen ist derzeit, ob sich bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft der Verdacht auf eine Straftat doch noch erhärtet. Denkbar wäre, dass das Verfahren vorläufig eingestellt wird, sagt Ziegler. „Dieser Punkt ist aber noch nicht erreicht.“ Und sollten sich neue Ansätze ergeben, könnten die Ermittlungen jederzeit wieder aufgenommen werden, so der Oberstaatsanwalt.

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