MyMz
Anzeige

Die Schiene spart 1750 Sattelzüge ein

Vom „Krones-Bahnhof“ fuhren binnen eines Jahres über 1000 Waggons ab. Das war auch eine Ehrung in Sachen Nachhaltigkeit wert.
Von Michael Jaumann, MZ

Je fünf Waggons rollen an fünf Tagen in der Woche in Richtung Hamburg. Die Zahl soll heuer noch gesteigert werden. Foto: Jaumann
Je fünf Waggons rollen an fünf Tagen in der Woche in Richtung Hamburg. Die Zahl soll heuer noch gesteigert werden. Foto: Jaumann

Neutraubling.Mit seinen Innovationen ist Krones als Weltmarktführer für Abfüllanlagen im Sektor Getränketechnik äußerst erfolgreich. Für heuer erwartet der Konzern einen Umsatzanstieg von vier Prozent und einen Gewinn vor Steuern von sieben Prozent. Und vor der Aktionärs-Hauptversammlung unternimmt der Aktienkurs aktuell wieder einen Anlauf in Richtung Allzeithoch.

Innovativ zeigt sich der Maschinenbaukonzern auch auf dem Sektor Transportlogistik. Während viele Unternehmen ihre Ware zunehmend auf die Straße verlagern und den überlasteten Verkehrswegen noch mehr Fracht aufbürden, ging Krones im vergangenem Jahr mit der Einweihung seines „Güterbahnhofs“ einen anderen Weg. Und kann wiederum stolze Zahlen vorlegen: Im Lauf des Zwölf-Monats-Zeitraums seit der Inbetriebnahme des Gleisanschlusses im März verließen 1035 Güterwaggons das Werksgelände. Dies entspricht nach Angaben von Firmensprecherin Danuta Kessler-Zieroth etwa 1750 Sattelzügen. Diese Lastwagen wären ansonsten von Neutraubling aus auf der Straße unterwegs gewesen.

Das Ziel ist Norddeutschland

Zwei Drittel aller von Krones exportierten Neumaschinen gehen normalerweise über den Seeweg in alle Welt. Von diesen zwei Dritteln an Überseefracht passen von ihren Ausmaßen her wiederum zwei Drittel in die 3,5 Meter breiten Bahnwaggons. Das ist das Potenzial, das sich ab Neutraubling für eine Bahnfracht eignet.

Für die Verlagerung auf die Schiene hat Krones am Hamburger Roßhafen eine eigene Umschlagbasis geschaffen, die ebenfalls über einen Gleisanschluss verfügt. Dort werden die Produkte gesammelt, nach den Wünschen der Kunden zusammengestellt und für den Schiffstransport in Containern verpackt. Seefest verpackt werden die Maschinen bisher noch in Neutraubling selbst, ehe sie vom Gleisanschluss über Obertraubling zum Regensburger Güterbahnhof rollen.

Mit seinem Anschluss an das Schienennetz stemmt sich Krones seit dem vergangenen Jahr gegen einen Trend. In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Gleisanschlüsse in Deutschland von 10 000 auf 2400 gesunken. Der Güteranteil der Schiene beträgt inzwischen etwa 18 Prozent und jener der Straße 74 Prozent. 2016 ist der Güterverkehr auf der Schiene bundesweit weiter gesunken.

Gerade im Bereich Neutraubling, in dem sich zahlreiche Automobilzulieferer und Logistiker angesiedelt haben, ist die Verkehrsituation dramatisch geworden. „Die Verkehrsinfrastruktur im Raum Neutraubling und Regensburg ist an ihre Grenzen gestoßen“, hatte Christoph Klenk, Vorstandsvorsitzender der Krones AG vergangenes Jahr bei der Einweihung des werkseigenen Güterbahnhofs betont. Möglicherweise ist der Konzern bereits Vorreiter einer Trendwende. Wo viele andere mit der Bahn Rohstoffe transportieren, setzt Krones Hightech-Anlagen auf die Schiene.

Boom am Industriegleis

Das war nun auch dem Verkehrsclub Deutschland, Kreisverband Regensburg, eine Auszeichnung Wert. Er verlieh dem Unternehmen das „Goldene Bruckmandl“. Der ökologisch engagierte Verkehrsclub würdigte damit das nachhaltige Handeln des Maschinenbauers, der mit der Verlagerung des Güterverkehrs Mensch und Umwelt entlaste. Krones habe sich global das Ziel gesteckt, die CO-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 zu reduzieren, lobte der VCD. In den Dank für das umweltbewusste Handeln schloss VCD-Kreisvorsitzender Wolfgang Bogie auch die Stadt Neutraubling mit ein. Diese habe stets an ihrem Industriegleis festgehalten.

Bürgermeister Heinz Kiechle dufte zurecht das Bruckmandl halten. Denn die Stadt Neutraubling steht zu ihrem Gleisanschluss. Foto: Krones
Bürgermeister Heinz Kiechle dufte zurecht das Bruckmandl halten. Denn die Stadt Neutraubling steht zu ihrem Gleisanschluss. Foto: Krones

Die Zahlen für das Neutraublinger Industriegleis haben sich beeindruckend entwickelt. Rollten nach den Angaben der Stadt vor 15 Jahren nur noch 118 Waggons jährlich auf dem Gleis, so waren das im vergangenen Jahr bereits über 3500.

Und es dürften noch mehr werden. Krones hat nach Informationen von Stefan Eigenstetter, dem zuständigen Logistik-Projektleiter, im April in Bremerhaven einen weiteren Terminal angemietet, um die Lagerkapazitäten ausbauen zu können. Ziel sei ein weiterer Ausbau des Schienentransports bis zum Ende des zweiten Betriebsjahrs auf der Schiene (im März 2018) um 25 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, soll die DB Cargo als Logistikpartner die Bedienung vom Hauptgleis her von fünf Waggons zwischen Montag und Freitag auf zweimal fünf Waggons an den fünf Tagen verdoppeln. Bis zum Ende des dritten Quartals soll dieser Schritt geschafft sein.

Weitere Nachrichten aus Neutraubling finden Sie hier

Die Bruckmandl-Auszeichnung des VCD

  • Ehrung:

    Mit dieser Auszeichnung möchte der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisverband Regensburg, Personen, Unternehmen oder Organisationen würdigen, die sich aktiv für die Verbesserung der Verkehrssicherheit und die Stärkung der „umweltverträglichen“ Verkehrsmittel einsetzen.

  • Preisträger:

    Der Preis wurde heuer zum vierten Mal vergeben. Gewürdigt wurden bisher die Initiatoren der Plakataktion „Augenblick bitte! Beim Abbiegen auf Radfahrer achten“, die Maschinenfabrik Reinhausen für eine Fahrradabstellanlage, der Regensburger OB Joachim Wolbergs für sein Engagement um den Fahrradverkehr in Regensburg sowie nun die Krones AG für den Gleisanschluss.

  • Ziele:

    Die Zielsetzung dieser Auszeichnung entspricht den Vereinszielen des VCD als „klimafreundlichem Verkehrsclub“.

  • Bruckmandl:

    Der VCD wählte die Bruckmandl-Figur von der Steinernen Brücke als Symbolfigur, weil die Brücke 1997 wurde durch einen Bürgerentscheid vom motorisierten Individualverkehr befreit wurde. Der VCD war aktives Mitglied und finanzieller Unterstützer der Bürgerinitiative „Autofreie Steinerne Brücke“. Das „goldene Bruckmandl“ stammt aus der bekannten Regensburger Metallbildhauer und Kunsthandwerker Familie Weichmann.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht