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Glauben

Eine Pfarrei ist immer eine Baustelle

Die katholische Kirche und die Pfarrgemeinde Neutraubling bestehen seit 60 Jahren. Integration war und ist wichtige Aufgabe.
Von Michael Jaumann, MZ

  • Auf den Ruinen der Kommandantur des ehemaligen NS-Flugplatzes bauten die Neutraublinger Katholiken ihre Pfarrkirche auf. Foto: MZ-Archiv
  • Das großformatige Bild der Kirche neben Pfarrer Josef Weindl hat Pastoralreferent Manfred Hirschberger aus den Porträts aller Helfer der Pfarrei zusammengesetzt. Foto: Jaumann

Neutraubling.Baustellen spannen einen Bogen über 60 Jahre. Vor mehr als 60 Jahren war es die Kirche St. Michael selbst, an der eifrig gebaut wurde, heute ist es der Kirchenvorplatz, den die Stadt aktuell umgestaltet.

Bauherren waren und sind der erste Pfarrer von St. Michael und der jetzige gleichermaßen. Während Pfarrer Anton Böhm selbst kräftig Hand angelegt hat, um den Bau der Kirche voranzutreiben, hat Pfarrer Josef Weindl vor zwei Jahren eine große Sanierung abgeschlossen. 880 000 Euro wurden jetzt verbaut.

Und die Neutraublinger zeigten sich damals wie heute bereit, den Kirchenbau zu unterstützen. Geht es heute aber eher um Geld- und Sachspenden, so war früher sogar Muskelarbeit gefordert. Die Bilder von Pfarrer Böhm mit Vorschlaghammer auf den Bögen der alten Kommandantur gehören zum Mythos vom Aufbau der Stadt Neutraubling. Seine Aufbauleistung rühmte Jahrzehnte später sogar das manager-magazin.

Gottesdienste im Schlangenbau

Einen Raum für Gottesdienste hat es bereits in der Frühzeit der Gemeinde Neutraubling gegeben. Ab 1947 konnte im Schlangenbau die Messe gefeiert werden. Für die vielen, auf den ehemaligen Flugplatz Obertraubling ziehenden Menschen war die Kapelle aber bald zu klein. Der spätere Monsignore Anton Böhm handelte mit den Behörden aus, dass er im Gegenzug für den Abbruch der NS-Kommandantur den Platz für Kirche und Pfarrhaus erhalte. Damals rechnete man noch damit, dass sich Neutraubling nach Westen ausbreiten werde. Darum steht die Pfarrkirche heute nicht in der Mitte der Stadt, sondern am westlichen Stadtrand.

Die Abbrucharbeiten an der Vorderfront der auch Klosterbau genannten Kommandantur hat Böhm mit zwei Mitarbeitern selbst erledigt. Um den Bau finanzieren zu können, gründete Böhm eigens einen Steinfertigungsbetrieb. Aus Abbruchmaterial, das zum Teil sogar in Regensburg besorgt wurde, stellte der Betrieb Hohlblocksteine her. Steinarbeiten, Fenster, Fußböden und Treppen stellten die Neutraublinger für ihre Kirche selbst her. Im Oktober 1953 wurde der Grundstein gelegt und im Oktober 1955 weihte Erzbischof Michael Buchberger das Gotteshaus. Die Glocken folgten erst drei Jahre später.

Ein Festakt in der Stadthalle

An den Bauherren erinnert derzeit ein Porträt vor dem Altar. Bei einem Festakt in der Stadthalle, zu der rund 400 der 430 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Pfarrgemeinde kamen sowie die früheren Pfarrer Max Rabl und Ludwig Gradl und zudem manche, die beim Bau der Kirche oder der Erstellung der Mosaike im Gang mitgeholfen haben, betonte Pfarrer Weindl die Kontinuität über 60 Jahre hinweg. Die Pfarrei und auch die Stadt seien stets offen für Flüchtlinge aller Art gewesen. Integrationsleistung sei die Stärke Neutraublings, so Pfarrer Weindl im Gespräch mit der MZ.

Kirche und Pfarrei, so Weindl, seien nie etwas Fertiges, sondern immer eine Baustelle, an der Hunderte von Menschen zusammenhelfen. Versinnbildlicht wird dies derzeit durch ein großes Foto der Pfarrkirche, das Pastoralreferent Manfred Hirschberger aus den Porträts aller Helfer der Pfarrei zusammengefügt hat. Baustelle wird die Pfarrei übrigens bald auch wieder im Wortsinn. Sobald der St. Michael-Platz saniert ist, wird es beim Pfarrhaus und dem Gunther-Heim weitergehen.

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