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Neutraubling
Freitag, 17. August 2018 31° 1

Event

Große Oper in der Krones-Industriehalle

In der Logistik der Neutraublinger Firma begeisterte eine perfekt organisierte Gala mit einem bestens aufgelegten Quartett.
Von Andreas Meixner, MZ

Solist Stefan Sevenich entfaltete seine sängerische Klasse mit einer umwerfenden, intensiven Bühnenpräsenz. Foto: altrofoto.de
Solist Stefan Sevenich entfaltete seine sängerische Klasse mit einer umwerfenden, intensiven Bühnenpräsenz. Foto: altrofoto.de

Neutraubling. „Think big!“, oder „Klotzen, statt kleckern!“ – wer am Samstagabend das Gelände der Firma Krones in Neutraubling betrat, konnte nicht anders, als vor dem immensen Aufwand erstmal stumm zu erstarren. Die gigantische Halle 12 wurde von Ihrem viele Tausend Tonnen schweren Inhalt befreit, ja fast entkernt.

Hinein kam Veranstaltungs- und Bühnentechnik vom Feinsten: Lichttraversen spannen sich fast über die gesamte Länge. Projektionsflächen finden sich hinter der riesigen Bühne, auf halber Länge auch seitlich, um die Gäste im hinteren Bereich nicht zu vernachlässigen. Selbst die Bestuhlung war edel und gepolstert, weit weg von den üblichen Klappstühlen. Das alles ist deshalb so erzählenswert, weil der Neutraublinger Kulturbetrieb dies aus eigener Kraft wohl niemals stemmen könnte. Es brauchte dazu das Mäzenatentum und die Leidenschaft der Familie Kronseder, die zum fünften Mal seit 1993 einen solchen Event mitträgt und die Operngala unter dem Motto „Notation trifft Rotation“ mit großer Unterstützung der Belegschaft erst ermöglichte. Eine Operngala übrigens, die dann auch schnell musikalisch überzeugen konnte. Das lag am fast perfekten und homogenen Zusammenspiel von Dirigat, Orchester, Solisten und Chor. Hinzu kam auch, dass die Beschallungstechnik entgegen der Erwartung hervorragend gelang und der akustische Eindruck stets authentisch und angenehm blieb.

Stefan Sevenich rockt den Saal

Angelika Achter agierte von Anfang an souverän im Dirigat. Sie wusste genau, was sie wollte, nichts überließ sie dem Zufall. Im Vorspiel zum vierten Akt der Oper Carmen und in der Ouvertüre zu Rossinis Barbier von Sevilla dirigierte sie mit großer Selbstverständlichkeit das bestens aufgelegte Krones-Festival-Orchester, dynamisch fein und spannend interpretiert. Das ganze flankiert von einem 90-köpfigen Chor, der ohne Opernpathos einen gepflegten Gesamtklang entwickelte und stets exakt reagierte. Lediglich beim berühmten Jägerchor aus Webers Freischütz gingen den Tenören des Männerchores vor lauter Sangesfreude ein wenig die Gäule durch.

Aber geschenkt: Musik ist Leidenschaft und darf mitreißen. Das taten dann auch die vier Solisten, jeder auf seine eigene Art: Stefan Sevenich braucht dazu nicht mehr als einen Quadratmeter Bühnenboden, um seine sängerische Klasse mit einer umwerfenden, intensiven Bühnenpräsenz zu entfalten und die Industriehalle zum Theater zu machen. Mit seinem Escamillo aus Carmen und der Fünftausend-Taler-Arie des Schulmeisters Baculus aus Lortzings „Wildschütz“ rockt er den Saal.

Sehen Sie hier einen Videobeitrag von Krones zur Gala in der Logistikhalle:

Künstlerisch hochrangiges Event

Edda Sevenich steht ihm in ihrer perfekt gezeichneten Rolle als hochmütige und verführerisch-lässige Carmen mit der Habanera-Arie in nichts nach. Beide gefallen ebenso vorzüglich als Partner mit Doris Döllinger (Sopran) und Adam Sanchez (Tenor) in Duetten aus Bizets „Perlenfischer“ und Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“. Als Margarethe aus Gounouds „Faust“ und der Gilda-Arie aus „Rigoletto“ beweist Doris Döllinger ihre ganze Ausdruckskraft. Alles etwas zarter und leiser, aber technisch makellos und voller Anmut. Sanchez komplettiert das Quartett mit der Rolle des ungestümen, jugendhaften Tenors und verzaubert mit klarer Stimmführung ebenso mit der Romanze des Nemorino aus Donizettis „Liebestrank“ wie mit dem unverwüstlichen Opernschlager „la donna é mobile“ aus Verdis „Rigoletto“. Das alles wurde wohltuend unaufgeregt moderiert von Rolf Stemmle, der in die Szenen einführte. Das Programm endete launig mit dem Trinklied aus „La Traviata“. Die gut 1000 Besucher waren begeistert und erklatschten sich den Gefangenenchor aus „Nabucco“ und die Wiederholung der Escamillo-Arie. Ein sensationeller Abend auch deshalb, weil er nicht nur ein Event im besten Sinne war, sondern auch künstlerisch hochrangig und engagiert. Sänger und Instrumentalisten hatten sichtlich Spass. Und Angelika Achter? Sie hat sich mit ihrer herausragenden Leistung endgültig für die große Bühne empfohlen.

Sehen Sie mehr: Fotografin Birgitt Schlauderer hat Krones in die Fertigung geblickt. Sie zeigt den Neutraublinger Konzern in anderer Optik.

Der schöne Schein von Krones-Stahl

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