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Neutraubling
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Mit 87 Jahren voller Filmleidenschaft

Jährlich dreht Albert Schettl zwei bis drei Dokumentionen ab. Er hat im Alter die Gabe bewahrt, sich an Neuem zu begeistern.
Von Michael Jaumann, MZ

  • Albert Schettl beim Dreh im Atelier von Künstler Korbinian Huber in Duggendorf Foto: Schettl
  • Und so fegt Hubers „Wilde Jagd“ nun durch den Wald bei Eilsbrunn. Fotos: Jaumann

Neutraubling.Albert Schettl blickt unruhig zum Himmel in Richtung Donau. Es sieht nach Gewitter aus. Und das passt ihm gar nicht. Denn der passionierte Filmemacher hat eine bestimmte Szene vor Augen, die ein ganz eigenes Licht braucht. Schon beim letzten Anlauf hat das Wetter nicht gepasst. Die Einstellung fiel dem Regen zum Opfer.

Schettls Frau kennt diese Momente. Dann sei er unruhig wie eine Henne, die einen Platz zum Eierlegen sucht, lacht sie. Solche Momente gibt es viele. Denn Dokumentarfilmer Schettl ist für seine im Schnitt viertelstündigen Streifen das ganze Jahr über immer wieder unterwegs. Und seine Frau Rosemarie muss oft genug als Assistentin für die zweite Kamera mit ausrücken.

Wo die heutige Szene gedreht werden soll, verrät Schettl nicht. Denn der Film soll wie fast alle seine Streifen bei einem Wettbewerb eingereicht werden. Daher behält er die Idee für sich. Nicht mehr als fünf Kilometer sei der Drehort entfernt, gibt er verschmitzt preis.

Zwei, drei Filme jährlich

Zwei bis drei Filme dreht er jährlich nebeneinander. Mit Produktionskosten von jeweils etwa 1000 Euro. Acht Monate hat er für den Film „Im Reich des Zwergenkönigs“ aufgewendet, der beim Bundeswettbewerb der Filmautoren heuer einen dritten Preis einheimste. Dafür war der inzwischen 87-jährige Schettl viel unterwegs. Nach Pfreimd und Burglengenfeld, nach Dugggendorf und Beratzhausen führte ihn die Arbeit an diesem Film. Er ist dem Schönwerth-Märchenpfad gewidmet, der im vergangenen Jahr nahe des Walderlebniszentrums im Wald unterhalb von Eilsbrunn entstand.

Zu acht Waldmärchen haben Kunstschaffende der Region plastische Kunstwerke und Installationen geschaffen. Schettl begleitete den Entstehungsprozess der Kunstwerke von der Idee über den handwerklichen Schaffensprozess bis zur Aufstellung im Wald. In raschen Schnitten und Gegenschnitten wandert Schettl über die Zeitebenen und lässt so die Entstehungsprozesse nachvollziehen.

Dabei blickt er den Künstlern auf ganz unterschiedliche Weise über die Schulter. Mal lässt er einen Künstler das Modell erklären, mal steigt er ein, wenn ein Steinblock schon die ersten Konturen erkennen lässt. Der eine Künstler wird beim Arbeiten in der Totalen gefilmt, bei anderen ist die Hand zu sehen, die eine Schraubenmutter festdreht. So entsteht ein durchaus spannender Dokumentarfilm über die Entstehung dieses Märchenpfads, meinten die Preisrichter beim Bundeswettbewerb anerkennend.

Die Idee zum Film kam Schettl wie so oft bei der Lektüre der Mittelbayerischen Zeitung. Diese hatte über die Idee der Schönwerth-Gesellschaft berichtet, dem Märchensammler Franz Xaver von Schönwerth mit dem Pfad ein Denkmal zu setzen. Das Projektteam mit Erika und Dr. Adolf Eichenseer war von der Idee angetan, desgleichen die Künstler, in deren Schaffensprozess eine Filmdokumentation durchaus störend eingreifen kann. Schettl schafft aber den Spagat, den Künstlern nahe zu kommen, ohne dass die Kamera aufdringlich wird.

Im Betonkübel in die Luft

Leider, so urteilte die strenge Jury, habe Schettl der Macht seiner Bilder zu wenig vertraut. Der ständige Strom des Erzählens aus dem Off, wofür Schettl Erika Eichenseer gewinnen konnte, erzähle nichts neues über die Bilder und bevormunde den Betrachter. So landete der Film nicht, wie von Schettl insgeheim erhofft, auf einem zweiten Platz.

Ein dritter Platz im Bundeswettbewerb sprang auch für „Elfriede und Max“ heraus. Bei diesem Film lebte Schettl wieder seine Freude an Titeln aus, die in die Irre führen. Keinen Beziehungsfilm hat Schettl hier gedreht, sondern am alten Ludwig-Donau-Main-Kanal im Nürnberger Land eine Dokumentation über das Treidelschiff Elfriede und sein Zugpferd Max. Um diese Touristenattraktion auch entsprechend ablichten zu können, stand Schettl während der Fahrt am äußersten Ende des Schiffs auf dem Ruder.

Seine Lust an Entdeckungen von Land und Leuten in Bayern hat Schettl auch beim Abstecher ins Nürnberger Land angetrieben. In wahrlich jugendlicher Begeisterung, die man seinen ruhigen Einstellungen im Film gar nicht ansieht, kann er stets erzählen, was er erlebt hat.

Vielleicht findet sich ja mal ein Kollege, der einen Film über Schettl selbst macht. Wie er sich etwa im Betonkübel in die Höhe hieven lässt, um einen Blick von oben zu bekommen. Oder wie er mit Stoff und Folien verzweifelt Ton und Bild vor trommelndem Regen schützt. Und wie er beim Filmen so neugierig wie behutsam eine Beziehung zu den Menschen aufbaut.

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