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Freiwilligendienst

Neutraublingerin unterrichtete in Kenia

Die 26-jährige Katharina Raith ging nach Afrika, um in einer Schule zu arbeiten. Dort traf sie auf kulturelle Unterschiede.
Von Laura Knupper

Katharina Raith und ihre Schüler aus Kenia sind Freunde geworden. Foto: Raith/Sindiso
Katharina Raith und ihre Schüler aus Kenia sind Freunde geworden. Foto: Raith/Sindiso

Neutraubling.Vor wenigen Monaten unterrichtete Katharina Raith noch in Rabuor, Kenia, eine Klasse afrikanischer Grundschüler. Diese Woche fing die 26-jährige Neutraublingerin als Referendarin an einer Berufsschule an. Dazwischen liegen 5.880 Kilometer – und Welten.

In Kenia war alles anders als in Deutschland. Bälle und Seile waren dort alles, was Raith brauchte, um den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Sie arbeitete ehrenamtlich beim Freiwilligenprogramm des Vereins Sindiso in der St. Luke Rabuor Academy. Die Schule ist mehr als nur eine Bildungsstätte. Einmal füllten die Kinder und Raith gemeinsam Socken mit Blättern, um Bälle herzustellen. Die Kleinen waren begeistert davon.

Die Kinder, die die Neutraublingerin in Rabuor traf, hatten „die gleichen Träume wie deutsche Kinder“. Nur müssen sie viel härter für ihre Bildung und ein Leben ohne Armut kämpfen.

In Kenia treffen Hoffnung und Leichtigkeit auf Armut und Unsicherheit. Raith realisierte, dass sie „wahnsinniges Glück in Deutschland geboren zu sein“ hatte und die Chancen im Leben, die damit verbunden sind, nicht jedem zugänglich sind.

Der Verein Sindiso kommt wie Katharina Raith aus Neutraubling. Dadurch entstand der Kontakt. Christian Kraus hatte ihn 2005 gegründet und ist seitdem auf Helfer angewiesen, um Projekte in Entwicklungsländern in Zusammenarbeit mit Einheimischen zu organisieren. „Wenn nicht jetzt, dann nie“, dachte sich auch Katharina Raith vor etwa einem Jahr und begann mit der Vorbereitung für ihre Reise. Dabei halfen ihr vor allem die vielen Gesprächen mit Vereinsleiter Christian Kraus und Petra Kroll, der Beauftragten für das Freiwilligenprogramm.

Auch die Mütter bekommen Hilfe

Seit vielen Jahren unterstützt Sindiso das Projekt „Umbrella Widows and Orphans“. Die Kenianerin Mary Oloo hatte das Projekt 1999 gestartet, um Kindern armer Familien eine Schulausbildung ermöglichen. Mittlerweile bekommen die Grundschüler an der Academy neben dem Unterricht regelmäßige Mahlzeiten und eine medizinische Versorgung. Auch Frauen, deren Ehemänner verstorben sind, erhalten hier Unterstützung. Sie helfen im Schulalltag und haben die Möglichkeit, in der hausinternen Nähwerkstatt und der Bäckerei ein wenig Geld zu verdienen.

Wo sindiso hilft

  • Land und Leute:

    Kenia liegt in Ostafrika, direkt zwischen dem Victoriasee und dem Indischen Ozean. Fast 50 Millionen Einwohner leben in Kenia, 3,1 Millionen davon in der Hauptstadt Nairobi.

  • Tourismus:

    Vor allem die weißen Strände und die Nationalparks ziehen jedes Jahr mehr als eine Millionen Touristen an. Die Landschaften sind geprägt von Wüsten, Gebirgen und Regenwäldern.

Ende August vergangenen Jahres war es dann so weit und Katharina Raith flog nach Kenia. Der Kulturschock am Anfang war groß. Viele Kleinigkeiten im Alltag laufen dort anders ab. „Egal was, alles ist anders“, sagt sie und erzählt von einer Situation, die ihr im Gedächtnis blieb: Einmal wollte sie wissen, wo denn die Mülleimer sind. Eine Frage, die die Kenianer verwirrte. Denn sie verbrennen ihren Müll einfach vor der Haustür und erwarteten das nun auch von der Neutraublingerin. Außerdem lernte Raith geduldig zu sein, da die deutsche Pünktlichkeit nicht mit der eher entspannten kenianischen Lebensweise funktionierte.

Die einzige weiße Europäerin zu sein war nicht immer leicht. Sie fiel auf, und das Leben außerhalb der Arbeit war anders als sie es aus Deutschland gewohnt war. Die Kenianer sprachen sie oft an, fassten sie an – „weil sie denken, weiße Haut fühlt sich anders an“. Abends in ihrer Unterkunft hatte sie manchmal „das Gefühl, eingesperrt zu sein“, erzählt sie. Aus Sicherheitsgründen sollte sie das Haus nicht mehr verlassen, sobald es dunkel war.

Unterricht war Teamwork

Tagsüber hingegen war Katharina Raith fast die ganze Zeit draußen an der frischen Luft. Morgens war sie ab 7.40 Uhr in der Schule, um vor allem Sportunterricht, aber auch Mathe zu geben. Die Verständigung verlief meistens auf Englisch. Nicht jedes Kind war der Sprache mächtig, weil vor allem viele Jüngere nur Kiswahili oder Luo sprachen, die Sprachen zweier Stämme aus dem Westen Kenias. Gab es Probleme, hat entweder ein anderes Kind übersetzt oder sie benutzten Hände und Füße.

Zurück in Deutschland plant Katharina Raith schon wieder eine Reise zurück nach Rabuor, aber dann als Touristin. Auf Safari war sie während ihrer Zeit als Freiwillige des Vereins Sindiso nicht. Dafür hat sie aber viel mehr erlebt.

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