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Stromtrasse: Die Bürger reden mit

In Neutraubling informierte das Unternehmen in Einzelgesprächen über Korridore und Bauweise der geplanten Erdkabelleitung.
Von Christof Seidl, MZ

Individuelle Betreuung anstelle von Vorträgen: Insgesamt 15 Tennet-Mitarbeiter beantworteten an Tischen und Stellwänden die Fragen der Besucher beim Informationsmarkt in Neutraubling.
Individuelle Betreuung anstelle von Vorträgen: Insgesamt 15 Tennet-Mitarbeiter beantworteten an Tischen und Stellwänden die Fragen der Besucher beim Informationsmarkt in Neutraubling. Foto: Seidl

Neutraubling.Der erste Eindruck ist ungewohnt. Wer eine klassische Aufklärungsveranstaltung über die geplante Gleichstromtrasse „SuedOstLink“ durch den Landkreis Regensburg erwartet hatte, wurde in der Neutraublinger Stadthalle enttäuscht. Anstelle eines Podiums und vieler Stühle gab es beim Informationsmarkt der Tennet TSO GmbH Stellwände zu verschiedenen Themen, Tische, auf denen Pläne lagen, und ein Modell der Trassenbauarbeiten. 15 Mitarbeiter des Unternehmens gaben am Montag zwischen 15 und 20 Uhr etwa 200 Besuchern über die Planung zu „SuedOstLink“ Auskunft.

In diesen Boxen warfen Bürger 40 Hinweise ein.
In diesen Boxen warfen Bürger 40 Hinweise ein.Foto: Seidl

„Wir können so auf persönliche Anliegen eingehen“, erklärte Pressesprecher Markus Lieberknecht das System der Informationsmärkte, auf das Tennet seit 2012 setzt. „Es profitieren beide Seiten davon.“ Die Menschen bekämen konkrete Auskünfte, Tennet viele Hinweise für die weitere Planung.

„Konkret sieht anders aus“

Bisher gibt es im Landkreis drei Planungskorridore und eine Vielzahl an Untervarianten, alle sind etwa einen Kilometer breit. „Konkret sieht anders aus“, kritisierte ein Besucher beim Blick auf eine der bunten Karten, die neben dem Korridorverlauf die sogenannten Raumwiderstände zeigen. Wohn- und Gewerbegebiete, Wasser- und Naturschutzgebiete oder Bodendenkmäler zählen zu diesen Widerständen. Je weniger sich davon innerhalb eines Korridors befinden, desto besser ist er geeignet.

Ausgangspunkt für die Trassenüberlegungen ist eine gerade Linie zwischen den beiden Netzverknüpfungspunkten Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) und Landshut (Niederbayern). Entlang dieser Linie haben die Planer von Tennet die Korridore entwickelt, „ähnlich wie bei einer Zwiebel“, erklärt der Pressesprecher.

Die Hinweise, die Tennet bei den insgesamt 14 Informationsmärkten sammelt, bezeichnet Lieberknecht als wichtige Optimierungsfaktoren. Wenn beispielsweise eine Gemeinde vorhabe, ein Gewerbegebiet im Korridorbereich auszuweisen, könne das berücksichtigt werden.

Ein Thema, das viele Bauern ansprachen, waren die Folgen des Erdkabels für die Landwirtschaft. Während die Tennet-Mitarbeiter versicherten, dass die Erwärmung des Bodens durch die rund zwei Meter tief in der Erde liegenden Gleichstromleitungen vernachlässigbar sei, blieben sie bei Aussagen zu Entschädigungen zurückhaltend. Tennet muss als Netzbetreiber Ausgleichszahlungen leisten. Wie viel, ob einmalig oder dauerhaft, sei offen, hieß es. Der Bauernverband verhandele darüber mit der Bundesnetzagentur.

„Das wird eher eine Zickzacklinie“

Ein Modell zeigte, wie sich Tennet den Trassenbau vorstellt.
Ein Modell zeigte, wie sich Tennet den Trassenbau vorstellt.Foto: Seidl

Grundsätzlich wird Tennet versuchen, eine möglichst kurze Trasse zu realisieren, weil die vorgegebene Bauweise der Gleichstromleitung als Erdkabel sehr viel teurer ist als eine Freileitung. Das Unternehmen geht von drei- bis achtfachen Kosten aus, je nach Beschaffenheit des Untergrunds. Es gibt aber auch viele andere Kostenfaktoren wie Flussquerungen, die Berücksichtigung von Drainagen, bereits freigelegte Freileitungstrassen etc. Lieberknecht: „In der Praxis wird das eher eine Zickzacklinie.“

Bis zum Frühjahr will Tennet einen Korridor mit einem Kilometer Breite erarbeiten, zu dem es einige Varianten geben wird. Diese Planung soll nochmals in der Region vorgestellt werden, bevor sie an die Bundesnetzagentur geht. Bis dann mit Hilfe eines Planfeststellungsverfahrens der exakte, 15 Meter breite Verlauf feststeht, werden drei weitere Jahre vergehen, so die Tennet-Planung, die danach von vier bis fünf Jahren Bauzeit ausgeht. Die Gleichstromleitung könnte dann 2025 in Betrieb gehen.

Das Unternehmen Tennet

  • Netz:

    Zum 1. Januar 2010 kaufte Tennet von E.ON deren deutsches Höchstspannungsnetz, das bis zum 5. Oktober 2010 als Transpower Stromübertragung firmierte. Damit kam E.ON einer Verpflichtung gegenüber der Europäischen Kommission nach, dieses bis zum 1. Dezember 2010 an einen Investor zu verkaufen, der bisher keine Interessen in der Stromerzeugung und/oder -versorgung hatte. Die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte dies aufgrund der marktbeherrschenden Stellung des E.ON-Konzerns in einem Kartellverfahren gefordert, das durch den Verkauf an den niederländischen Stromnetzbetreiber eingestellt werden konnte.

  • Betreiber:

    Tennet Holding B.V. (eigene Schreibweise TenneT) ist ein 1998 gegründeter niederländischer Stromnetzbetreiber mit Sitz in Arnheim. Tennet befindet sich vollständig im Besitz des niederländischen Finanzministeriums und betrieb 2008 in den Niederlanden ein Stromnetz von 3507 Kilometern Länge. Das Tochterunternehmen Tennet TSO GmbH betreibt in Deutschland ein Höchstspannungsnetz mit einer Gesamtlänge von rund 10 700 Kilometern. Sitz des Tennet TSO firmierenden Unternehmens ist Bayreuth. Das Unternehmen sollte zunächst die wirksame und zuverlässige Energieversorgung der Niederlande sicherstellen.

Worüber die Tennet-Mitarbeiter nicht sprachen, war die Frage, ob diese Gleichstromtrasse notwendig ist, oder ob sie vor allem dem Verkauf von Braunkohlestrom dient. Solche Fragen waren dafür zentrales Thema am Stand von BüfA (Bündnis für Automausstieg und erneuerbare Energien Regensburg).

Die Trassengegner verweisen unter anderem auf wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen würden, dass die Gleichstromleitungen gar nicht notwendig sind. BüfA-Sprecherin Petra Filbeck argumentiert mit zwei Zahlen: Bayern benötige eine Spitzenstromleistung von 40 Gigawatt, die geplanten Gleichstromleitungen für Bayern hätten insgesamt eine Kapazität von vier Gigawatt. Das sei für Bayern keine Lösung.

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