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Notfall

Ursache des Kellerbrands ist noch unklar

Mittwochabend brach in einer Asylunterkunft in Neutraubling Feuer aus. Brandfahnder waren den ganzen Donnerstag im Einsatz.
Von Christof Seidl, Micha Matthes und Martin Kellermeier, MZ

  • Am Mittwochabend brannte es in einem Mehrfamilienhaus in der Schlesischen Straße in Neutraubling. Foto: Ratisbona Media
  • Einige Anwohner musste die Feuerwehr mit Fluchthauben aus dem Haus bringen. Foto: Ratisbona Media
  • Die Brandfahnder machen sich an die Arbeit. Foto: cs

Neutraubling.Am Mittwochabend hat es in der Schlesischen Straße in Neutraubling in einem dreistöckigen Mehrfamilienhaus gebrannt, das als Unterkunft für Asylsuchende genutzt wird. Die Brandursache ist noch unklar. Das Feuer war gegen 19.30 Uhr im Keller des Gebäudes ausgebrochen, laut Polizei in einem unversperrten Kellerraum, in dem alte Möbel gelagert waren. Ein Verkehrsteilnehmer und einige Hausbewohner waren durch die starke Rauchentwicklung auf das Feuer aufmerksam geworden und hatten Feuerwehr und Rettungsdienst verständigt. Die Rettungskräfte hatte den Brand unter Kontrolle gebracht, bevor sich das Feuer auf die oberen Stockwerke ausbreiten konnte. Neun Personen erlitten durch den Brand leichte Rauchgasvergiftungen, darunter eine schwangere Frau und zwei Kleinkinder im Alter von sechs Monaten beziehungsweise zwei Jahren. Sieben Verletzte wurden in umliegende Krankenhäuser eingeliefert.

Am Donnerstag nehmen Brandfahnder des Haus in der Schlesischen Straße unter die Lupe. Sie sprechen auch mit Anwohnern und Zeugen.
Am Donnerstag nehmen Brandfahnder des Haus in der Schlesischen Straße unter die Lupe. Sie sprechen auch mit Anwohnern und Zeugen. Foto: cs

In dem Gebäude sind 21 asylsuchende Personen untergebracht – zum Brandzeitpunkt befanden sich 15 Menschen aus Syrien, Libyen und dem Irak im Haus. Viele konnten sich selbst retten, andere wurden von der Feuerwehr ins Freie gebracht. Die unverletzten Bewohner konnten die Nacht nicht mehr in der Unterkunft verbringen und wurden vorerst in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landkreises in der Pommernstraße untergebracht.

Kein Hinweis auf einen fremdenfeindlichen Anschlag

In diesem Haus ist das Feuer ausgebrochen.
In diesem Haus ist das Feuer ausgebrochen. Foto: cs

An dem Mehrfamilienhaus entstanden starke Rauchschäden. Den Schaden schätzt die Polizei auf rund 50 000 Euro. Der Bürgermeister und der Hauseigentümer waren am Abend vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Beamte der Kriminalpolizei haben noch in der Nacht vor Ort die Arbeit aufgenommen. Am Donnerstagvormittag wurden mehrere Anwohner befragt. Zur Klärung der Brandursache haben die Brandfahnder auch Unterstützung vom Landeskriminalamt in München angefordert. Die Spezialisten sind gegen Mittag eintroffen. Bisher hat die Polizei noch kein Ergebnis bekanntgegeben.

Die Brandfahnder konnten auch vor Ort keine Details zu der Ursache des Feuers bekanntgeben. Von außen sind die Folgen des Brands kaum zu erkennen. Auffällig ist nur ein verrußter Bereich oberhalb eines Kellerschachts neben der Eingangstüre. Das vergitterte Fenster in diesem Schacht ist am Donnerstagvormittag verschlossen und sieht auf den ersten Blick unversehrt aus. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberpfalz liegen nach bisherigen Erkenntnissen keine Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund vor. Trotzdem sei vorsorglich auch das Kommissariat Staatsschutz der Kriminalpolizei Regensburg in die Ermittlungen eingebunden worden. Im März war in einer Asylbewerberunterkunft in Wenzenbach ebenfalls ein Brand ausgebrochen. Damals lag keine Brandstiftung vor

Bewohner befinden sich in anderen Unterkünften

Einer der Brandfahnder betritt das Haus. Der weiße Schutzanzug und der Atemschutz gehören zur vorgeschriebenen Sicherheitsausrüstung.
Einer der Brandfahnder betritt das Haus. Der weiße Schutzanzug und der Atemschutz gehören zur vorgeschriebenen Sicherheitsausrüstung. Foto: cs

Die neun verletzten Personen sind laut Polizei mittlerweile allesamt wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Ob das Haus nach Abschluss der kriminalpolizeilichen Tatortarbeit wieder für die Bewohner freigegeben werden kann, steht derzeit noch nicht fest. Das Landratsamt Regensburg ist dabei, die betroffenen Bewohner auf andere Asylbewerberunterkünfte im Landkreis Regensburg zu verteilen. Ein Zettel in arabischer Schrift an der Haustüre weist derzeit noch darauf hin, dass die Bewohner in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landkreises in der Neutraublinger Pommernstraße zu finden sind. Das Haus in der Schlesischen Straße ist nach Angaben des Landratsamts für bis zu 21 Personen ausgelegt. Dies sei auch im Mietvertrag so festgehalten. Zuletzt sei das Haus mit drei Familien und mehreren Einzelpersonen aus Syrien, dem Irak und Libyen belegt gewesen.

Stark verrußt ist dieser Kellerschacht. Das vergitterte Kellerfenster ist scheinbar unversehrt.
Stark verrußt ist dieser Kellerschacht. Das vergitterte Kellerfenster ist scheinbar unversehrt. Foto: cs

Anwohner machten unsere Zeitung darauf aufmerksam, dass bereits am Mittwochmorgen die Polizei mit drei Fahrzeugen und auch Mitarbeiter des Landratsamts das Anwesen in der Schlesischen Straße aufgesucht hätten. Das Landratsamt bestätigte diese Beobachtung. Es habe sich um eine reine Routineangelegenheit gehandelt. Auch die Polizei sei nur aus diesem Grund vor Ort gewesen. Nach Angaben der PI Neutraubling wurde am Mittwochvormittag kein Vorfall in der Unterkunft verzeichnet.

„In dem Haus hat einmal eine Familie mit zwei Kindern gewohnt. Jetzt leben da 17 Menschen, ohne dass ein Betreuer vor Ort ist.“

Uwe Pichl, Nachbar

Anwohner kritisieren, dass es in dieser Unterkunft immer wieder zu Zwischenfällen komme. Eine ältere Frau sagte unserer Zeitung, dass dort oft Polizeifahrzeuge stehen würden. Das bestätigt auch Uwe Pichl vom benachbarten Friseurladen. Ihn wundern die häufigen Besuche von Polizei und Behörden nicht. „In dem Haus hat einmal eine Familie mit zwei Kindern gewohnt. Dann sei das Haus verkauft und anschließend sofort als Asylbewerberunterkunft hergerichtet worden. „Jetzt leben da 17 Menschen, ohne dass ein Betreuer vor Ort ist.“ Bei einer solchen Art der Unterbringung seien Konflikte geradezu vorprogrammiert. Auch mit herumliegenden Müll gebe es immer wieder Probleme. Nach Beschwerden komme dann der Werkhof und räume auf.

Das Zusammenleben verschiedenster Nationen sei in Neutraubling bisher nie ein Problem gewesen, sagt Pichl. Aber jetzt habe sich die Situation geändert, das erfahre er von vielen Seiten. Pichl: „Als Friseur hörst du alles und siehst du alles.“ Der alteingesessene Neutraublinger betont, dass er nichts gegen Ausländer habe, auch nicht gegen Flüchtlinge. Anfangs habe in dem Nebenhaus eine Familie aus dem Balkan gewohnt. Das seien sehr angenehme Nachbarn gewesen. Pichl würde sehr gerne einen Flüchtling als Auszubildenden einstellen, weil es in seinem Gewerbe extrem schwierig sei, Nachwuchs zu finden. „Aber da meldet sich niemand.“

Bereits vor zwei Wochen gab es in der Unterkunft in der Schlesischen Straße einen Zwischenfall. Bei einer Messerstecherei wurden zwei Asylbewerber schwer verletzt. Die Polizei konnte noch am selben Tag zwei Tatverdächtige festnehmen.

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