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Polizei

Abzocke mit gefälschten Überweisungen

Betrügern reicht ein Formular, um an Geld zu kommen. In jüngster Zeit häufen sich im Landkreis Regensburg die Fälle.
Von Dietmar Krenz, MZ

Die gute alte Papier-überweisung ist nicht immer der sicherste Weg.
Die gute alte Papier-überweisung ist nicht immer der sicherste Weg. Fotos: dpa

Nittendorf.Wer aus Angst vor Hackern aufs Internet-Banking verzichtet und die guten alten Papier-Überweisungen verwendet, ist nicht immer auf der sicheren Seite. Zuletzt haben die Fälle von Überweisungsbetrug auch im Dienstbereich der Polizeiinspektion Nittendorf wieder zugenommen. Betrüger fälschen Überweisungsträger, schicken sie per Post an Banken oder füttern die Briefkästen der Kreditinstitute. Die Beträge liegen zwischen ein paar Hundert und mehreren Tausend Euro. Die Banken sind alarmiert.

Martin Meier (Name von der Redaktion geändert) aus der Großgemeinde Nittendorf wäre um ein Haar einige Tausend Euro losgeworden. Schon seit langem nutzt er den Briefkasten einer Bank zur Erledigung seiner Finanzgeschäfte. Das ging vor einiger Zeit schon mal gründlich schief.

Ein Betrüger hatte auf einem Überweisungsauftrag Meiers Kontoverbindung eingetragen und die Unterschrift gefälscht. Doch einem Mitarbeiter der Bank fiel dies auf und er fragte nach, ob Maier diese Überweisung tatsächlich in Auftrag gegeben hat. Der fiel aus allen Wolken und der Bankangestellte verhinderte die Abbuchung.

Nur die Spitze des Eisbergs

In einigen Fällen von gefälschten Überweisungsträgern ermittelt jetzt die Nittendorfer Polizei. Wie Erster Polizeihauptkommissar Jakob Schels unserer Zeitung mitteilt, haben sich in den vergangenen Wochen eine Handvoll derartiger Betrugsfälle ereignet. Dies sei aber nur die Spitze des Eisbergs. Die unberechtigte Abbuchung von Geld, egal mit welcher Masche, sei schon fast ein Massendelikt.

In den vorliegenden Fällen seien die klassischen Überweisungsträger gefälscht und in den Postkasten der Banken eingeworfen worden. Meist sollten Geldbeträge im Wert zwischen 500 und 11 000 Euro ins Ausland transferiert werden. „Ein finanzieller Schaden ist aber in sämtlichen Fällen nicht entstanden“, führt der PI-Leiter aus. Entweder haben die jeweiligen Bankangestellten bzw. die Geschädigten selbst den Braten gerochen, und so die Abbuchung verhindert, oder noch rechtzeitig rückgängig gemacht.

Bei der Raiffeisenbank Viehhausen gab es zwei dieser Fälle, bestätigt Johann Ettlinger, Mitglied des Vorstands. Es waren jeweils große Beträge über knapp 10 000 Euro, die per Auslandsüberweisung nach Ungarn transferiert werden sollten. Die Zahlscheine waren teils per PC ausgefüllt, das Datum mit einem Stempel eingefügt und nur das beauftragte Kreditinstitut sowie die Unterschrift waren handschriftlich eingetragen worden.

Bankmitarbeiter sind sensibilisiert

„Unsere Mitarbeiter haben bestimmte Überprüfungspflichten“, erklärt Ettlinger. In beiden Fällen flog dadurch der Betrug schnell auf. „Die Angestellten in den Geschäftsstellen sind sensibilisiert“, erzählt er, zumal die Masche in der Branche ja nicht neu sei. Die Mitarbeiter wurden stutzig und riefen bei den betroffenen Kunden nach. „Lieber einmal mehr telefonieren, als einmal zu wenig, lautet die Devise. Wir sind ein relativ kleines Haus und dadurch noch eine große Kundennähe“, sagt Ettlinger. Dies sei in derartigen Fällen ein großes Plus. So könnten Unregelmäßigkeiten oder Dinge außerhalb der Norm schnell und unbürokratisch aufgedeckt und aus der Welt geschafft werden. Bislang sei noch kein Betrüger mit dieser Masche bei der Raiffeisenbank Viehhausen durchgekommen. „Wir haben bisher Glück gehabt“, teilt Ettlinger mit.

Albert Brück, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, bestätigt auf Nachfrage, dass allein im Jahr 2014 (die 2015er-Statistik wird erst in wenigen Wochen veröffentlicht) 28 derartige Fälle von Überweisungsbetrug im Landkreis Regensburg registriert wurden. Die Dunkelziffer liege aber weitaus höher, da bei der Polizei das Tatort-Prinzip gelte und viele der Täter aus dem Ausland agieren. Die Spur führe häufig nach Spanien, Polen oder Belgien. Von den 28 Fällen wurden 18 rechtzeitig entdeckt, so dass kein Schaden entstanden ist. Lediglich in zehn Fällen haben die Betrüger rund 60 000 Euro kassiert. Albert Brück lobte in diesem Zusammenhang die Bankmitarbeiter, die sensibel mit der Thematik umgehen würden. Der Pressesprecher rät allen Kontoinhabern, die Auszüge in kurzen Abständen zu prüfen, damit die Bank unberechtigte Abbuchungen schnell rückgängig machen kann.

Großer Fisch ins Netz gegangen

Ein ganz großer Fisch ist der Kriminalpolizei Regensburg ins Netz gegangen. Ein 40-jähriger Mann sitzt in Untersuchungshaft und ist dringend tatverdächtig, im Münchener und Regensburger Raum derartige Überweisungsbetrügereien gemacht zu haben. Mehr als 70 Fälle legt die Kriminalpolizei dem Mann aus Tschechien zur Last. Wenn sich weitere Geschädigte melden, könnten es noch mehr werden. Der Mann operierte mit mehreren Identitäten und zahlreichen Konten, auf denen seit Februar 2015 nachweislich 30 000 Euro eingegangen sind. Abgehoben wurden aber nur 18 000 – der Differenzbetrag wurde von den Banken rechtzeitig zurückgebucht.

Der einzige Rat, den Eva Traupe vom Verbraucherschutz Regensburg allen Kontoinhabern anraten kann, ist, sämtliche Auszüge sorgfältig auf Auffälligkeiten hin zu untersuchen. Sollten dort Abbuchungen auftauchen, an die man sich nicht erinnert, sollte man seine Unterlagen und Akten noch einmal genau durchschauen. Dies gilt umso mehr bei einer Überweisung ins Ausland.

Ist man sich sicher, von der Transaktion nicht zu wissen, einfach sofort seine Bank informieren – am besten innerhalb von sechs Wochen, so lange sind die Kreditinstitute nämlich haftungspflichtig, so Traupe.

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Auch viele Firmen betroffen

  • Kontodaten:

    Die Täter kommen auf verschiedenen Wegen an Kontoverbindungsdaten. Manchmal fischen sie sogar Original-Überweisungen aus den Sammelbriefkästen der Banken und fotografieren die ausgefüllten Überweisungsträger, bevor sie wieder eingeworfen werden, teilt die Polizei mit. Schon haben sie die Bankverbindung des Auftraggebers und eine Vorlage für die Unterschrift. Andere greifen einfach in die Papierkörbe neben dem Kontoauszugsdrucker, weil viele Bankkunden die Ausdrucke nicht mitnehmen, sondern nach dem Anschauen wegwerfen.

  • Bankverbindung:

    Auch bei (betrügerischen) Gewinnspielen werden Adressaten aufgefordert, ihre Bankverbindung anzugeben — ohne dass sie ahnen, was mit dieser am Ende geschieht. Betrüger versuchen aber nicht nur Privatpersonen übers Ohr zu hauen, sondern gehen auch Unternehmen oder Behörden an, die in der Regel mit viel höheren Beträgen hantieren. An deren Bankverbindungen kommen sie besonders leicht: Bankleitzahl und Kontonummer, beziehungsweise BIC und IBAN, stehen oft auf den Briefköpfen offizieller Schreiben und Rechnungen.

  • Restrisiko:

    Wenn auch die Bankmitarbeiter bestimmte Überprüfungen bei derartigen Überweisungen vornehmen müssen, die Gepflogenheiten ihrer Stammkunden kennen und eine Vielzahl derartiger Abbuchungen aus dem Verkehr ziehen – ein gewisses Restrisiko bleibt immer bestehen. Wenn Fälschungen gut gemacht, die Beträge nicht besonders hoch, Kontoverbindungen korrekt sind, das Konto des Adressaten bei einer bislang unauffälligen Bank ist und die Unterschrift täuschend echt aussieht, dann wird es schwierig, den Betrug zu erkennen. (wd)

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