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Investitionen

Bier reift in neuen Bottichen

Die Schlossbrauerei Eichhofen investiert in die Zukunft. Damit soll der Familienbetrieb wettbewerbsfähig bleiben.
von Paul Neuhoff

Spezialtransporter lieferten große Bottiche aus Edelstahl, die Raumkapseln ähneln, in Eichhofen an. Darin soll künftig Bier gären. Foto: Neuhoff
Spezialtransporter lieferten große Bottiche aus Edelstahl, die Raumkapseln ähneln, in Eichhofen an. Darin soll künftig Bier gären. Foto: Neuhoff

Nittendorf.Raumkapseln in Eichhofen? Wer Mitte dieser Woche in dem kleinen Ort an der Schwarzen Laber unterwegs war, konnte fast den Eindruck gewinnen, dass solche auf dem Gelände der dortigen Brauerei gelandet sind. Jedenfalls waren vier etwa sechs Meter lange, runde, an einer Seite spitz zulaufende Behälter mit einem Durchmesser von etwa dreieinhalb Meter auf Spezialtiefladern und auf dem Boden zu sehen.

Des Rätsels Lösung: die Schlossbrauerei hatte neue Gärbottiche aus Edelstahl bei der Bamberger Firma Kaspar Schulz geordert, die auf den Einbau in einem eigens dazu umgebauten Gebäude warteten.

Zwei schwere Autokräne mit langen Auslegern standen bereit, die riesigen Behälter, die nachts auf Spezialtiefladern antransportiert worden waren, durch das noch offene Dach in das Bauwerk einzuhieven.

Investition für eine Generation

Die neuen Gärbottiche „fliegen“ an.  Foto: Neuhoff
Die neuen Gärbottiche „fliegen“ an. Foto: Neuhoff

Ein aufmerksamer Beobachter der Szene war Brauereibesitzer Michel Schönharting, der die Arbeiten beauftragt hatte. Wie der Unternehmer unserer Zeitung erläuterte, wird das Bier für den Gärvorgang derzeit noch im Keller des Brauereigebäudes in großen Wannen aus Aluminium gelagert. Diese Bottiche sind in die Jahre gekommen und die Reinigung per Hand ist aufwendig. Daher habe er sich dazu entschlossen, einen radikalen Schritt zu machen und neue Behälter an einem neuen Standort aufzustellen.

Sehen Sie hier ein Video vom „Anflug“ der Gärbottiche:

Video: Paul Neuhoff

Auch die bestehende Kühlanlage musste dringend den aktuellen Anforderungen angepasst werden. Wichtig sei es ihm dabei gewesen, in der beengten Situation im Ort nicht weitere Flächen zu versiegeln.

Raumkapsel, äh – Gärbottich im Anflug!  Foto: Neuhoff
Raumkapsel, äh – Gärbottich im Anflug! Foto: Neuhoff

So habe man sich dazu durchgerungen, ein bestehendes Haus, das schon 1820 errichtet worden war, für die modernen Anlagen umzubauen. Dazu musste einiges verändert werden. Im Keller schuf man Platz für liegende Lagerbehälter, die schon seit 2018 eingebaut sind.

In den letzten Monaten wurde Mauerwerk abgebrochen, das alte Dach entfernt und das Bauwerk auf seine ursprüngliche Höhe von etwa 15 Meter aufgestockt. Größten Wert legte Schönharting dabei auf eine Einbindung des künftigen Gärhauses in das bestehende Gesamtensemble mit Schloss, Brauerei und alter Mühle.

Große Kräne warten vor dem neuen Gärhaus auf den Einsatz.  Foto: Neuhoff
Große Kräne warten vor dem neuen Gärhaus auf den Einsatz. Foto: Neuhoff

So prägen jetzt schon bis zu sechs Meter hohe, relativ schmale Rundbogenfester die Fassaden des Rohbaus. In der massiven Betondecke zwischen Ober- und Dachgeschoss hatten die Mauerer vier kreisrunde Löcher ausgespart, die exakt dem Durchmesser der neuen Gärbehälter entsprechen. In eben diese Öffnungen hoben die Kräne dann die vier „Raumkapseln“ ein. Für alle Arbeiten am Gebäude wurden bewusst an Firmen aus der Region vergeben. Künftige Besucher können bei Führungen über einen eigens angelegten Steg die neuen Anlagen besichtigen.

Handwerkliche Brautradition

So sehen die Behälter im Raum aus.  Foto: Neuhoff
So sehen die Behälter im Raum aus. Foto: Neuhoff

Die neuen Bottiche sind nach oben offen. Wie Michel Schönharting betonte, hätten er und „sein“ Braumeister Michael Trübswetter sich bewusst für die offene Art entschieden. Dadurch kann man, wie bisher schon, unedle Hopfenharze, die an der Oberfläche aufschwimmen und den Geschmack des fertigen Bieres beeinträchtigen können, abschöpfen. „Große Brauereien mit Industrieanlagen machen das nicht mehr, wir wollen aber an der alten handwerklichen Brautradition festhalten“, so der Brauereibesitzer. Als weitere Teilschritte der „Investition für eine Generation“ wurden eine moderne Tankreinigungsanlage installiert, die die Anlagen vollautomatisch säubert. Die entsprechenden Behälter für die unbedenklichen Reinigungsmittel wurden schon vor den großen Tanks „eingeflogen.“

Ein moderne Tankreinigungsanlage säubert die Anlagen vollautomatisch.  Foto: Neuhoff
Ein moderne Tankreinigungsanlage säubert die Anlagen vollautomatisch. Foto: Neuhoff

Stolz ist Schönharting auch auf die „Reinhefezuchtanlage.“ „Wir sind damit in der Lage, aus wenigen Hefezellen, große Mengen an eigener, immer frischer Brauereihefe für den Gärprozess selbst herzustellen, was sich auch positiv auf die Qualität des Bieres auswirkt.“ In Zukunft stehen Gärbehälter mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 1200 Hektoliter und Lagerbehälter mit 800 Hektoliter für die Reifung zur Verfügung. Damit habe man genügend Speicher für eine optimale Ausbildung der verschiedenen Biere, die nur mit Rohstoffen aus der Region und mit Wasser aus dem eigenen Brunnen gebraut werden, so Schönhartimg abschließend.

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Die Brauerei

  • Geschichte:

    Die Schlossbrauerei Eichhofen besteht schon sein Jahrhunderten. Im Jahre 1692 wurde der Umbau einer vorhandenen Braustätte durch Franz Feiherr von Rosenbusch fertiggestellt. Diese Jahreszahl wird als Gründungsdatum angesehen.

  • Wappen :

    Das Familienwappen der Rosenbuschs ziert die jetzige Brauereifassade. Um 1840 erneuerte Wilhelm von Neuffer die Braustätte und baute zwei Getreidemühlen.

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