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Engagement

Ein Elektrorollstuhl für Lukas Zilch

Der Besuch eines Menschen mit Behinderung hat Obertraublinger Realschüler beeindruckt. Sie starten nun eine Hilfsaktion.
Von Michael Jaumann, MZ

Schüler aus der Klasse 10d der Realschule Obertraubling setzen sich für Rollstuhlfahrer Lukas Zilch ein.
Schüler aus der Klasse 10d der Realschule Obertraubling setzen sich für Rollstuhlfahrer Lukas Zilch ein. Foto: Schule

Obertraubling.Die 10d der Realschule hat sich viel vorgenommen. Fast 7000 Euro wollen die Schüler mit einer Spendenaktion zusammenbringen, um dem Schwandorfer Lukas Zilch zu einem Elektrorollstuhl zu verhelfen – und zwar möglichst bald. So sehr hat die Schüler beeindruckt, wie der schwer körperbehinderte Zilch seinen Alltag meistert, dass auch ihnen plötzlich kein Ziel mehr für zu hoch erscheint.

Durch Sauerstoffmangel bei der Geburt erlitt Lukas Zilch eine Hirnschädigung, die sich bei ihm seither als Bewegungsstörung auswirkt. Der 27-Jährige braucht Hilfe bei der Morgentoilette, beim Anziehen, beim Essen und Trinken.

Ein Beispiel für junge Leute

Sprechen kann er dank jahrelanger Logopädie verständlich, auch wenn seine Zuhörer genau hinhören müssen. Er sitzt im Rollstuhl, kann aber mit einem Gehwagen oder Unterstützung auch gehen.

Seine unwillkürlichen, übertriebenen Bewegungen und seine fehlende Kontrolle über die Mimik lassen Mitmenschen mitunter an eine geistige Behinderung denken. Dabei ist Zilch geistig topfit. Er arbeitet Teilzeit im Büro, gibt eine kleine Zeitung heraus, schwimmt, fotografiert und komponiert Musik am Computer.

Die Zielstrebigkeit und positive Einstellung, mit der Lukas Zilch mit seinem Leben umgeht, hat Konrektor Bernd Namislo, der den jungen Mann privat kennt, so beeindruckt, dass er ihn vor zwei Jahren eingeladen hat, vor den Abschlussklassen zu sprechen. Zilch könne den Schülern, die mit dem Abschluss der Realschule zu neuen Horizonten aufbrechen, ein Beispiel sein, wie sie kraftvoll ihr Leben meistern können, war der pädagogische Hintergedanke.

Er freue sich, Schülern etwas weitergeben zu können, nennt Zilch als Grund, warum er sich damals bereiterklärte, in der Schule zu sprechen. Es sei ihm zudem ein Anliegen, auf das Menschenrecht Inklusion aufmerksam zu machen. Für seine Vorträge hat Zilch eine Power-Point-Präsentation erstellt, mit der er über seine Krankheit berichtet, über Ängste und Vorurteile und, dass schon der unbedachte Satz, er „leide“ an einer Behinderung eine Kränkung bedeute. Schließlich habe auch ein Mensch mit Handicap Freude und sei kein leidendes Opfer.

Der Vortrag in Obertraubling kam so gut an, dass sich Zilch seit dem vergangenen Schuljahr dort mit allen 10. Klassen trifft. Auch in der Konrad-Max-Kunz-Realschule in Schwandorf hat Zilch schon gesprochen. „Noch nie“ habe er jedoch eine solche Reaktion erfahren wie jetzt jene der Obertraublinger 10d.

Die hat nämlich eine Projektgruppe gegründet, um ihm Ersatz für seinen Rollstuhl zu verschaffen, in dem er seit 15 Jahren sitzt. Ein Elektroantrieb soll ihm mehr Unabhängigkeit verleihen.

Ermuntert vom Konrektor hat sich eine Gruppe von einem knappen Dutzend Schülern gebildet, die exakt 6747,96 Euro für den Elektrorollstuhl auftreiben will. Natürlich haben die Schüler mit Lukas Zilch vorab gesprochen, ob er mit dem Hilfsangebot und der damit verbundenen Öffentlichkeit einverstanden sei, erzählt Schülerin Julia Potufalski. Nach kurzer Bedenkzeit hat Zilch auch eingewilligt.

Spendenkonto bei den Johannitern

Seit den Weihnachtsferien schmieden die Schüler Pläne, wie sie zu Geld kommen können – mit einen Verkaufsstand am Faschingskonzert etwa. Sie nahmen Kontakt zu Schulen und Lehrern auf und sprachen Eltern auf Spenden an. Ihre Anliegen wollen sie auch über soziale Netzwerke verbreiten. Kontakt zueinander halten sie über Whatsapp, und Julia Potufalski hält Lukas Zilch auf dem Laufenden, wie die Aktion anläuft. „Das Projekt ist völlig selbstständig von den Schülern erdacht und gestartet“, freut sich Konrektor Namislo.

Auch die größte Hürde haben sie eigenständig gemeistert – nämlich die Suche nach einer Organisation, die Spendenquittungen ausstellen kann. Damit hoffen die Schüler auf größere Beträge. Diese Unterstützung haben sie zu Anfang der Woche bei den Johannitern gefunden. Jetzt kann die Hilfsaktion beginnen. Sollte der Betrag nicht bis zu den Abschlussprüfungen der Zehntklässler beisammen sein, so wollen sie auch später als Projektgruppe beisammen bleiben.

Das Spendenkonto lautet: Sparkasse Regensburg, IBAN DE 04 750 500 00 01 01 452 035, Kontoinhaber: Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., Verwendungszweck: „Spendenaktion Lukas“

Schüler schildern, was sie an Lukas Zilch so besonders finden:

Leon Raith: Ich bewundere an Lukas Zilch seine Kraft und seinen Willen. Dass er das Leben so nimmt, wie es ist und sich durchkämpft.

Leon Raith
Leon Raith Foto: Jaumann

Verena Schiller: Mich erstaunt, wie gut Lukas Zilch sein Leben meistert. Und dass er trotz Behinderung will, dass man ganz normal mit ihm umgeht.

Verena Schiller
Verena Schiller Foto: Jaumann

Julia Podufalski: Mich beeindruckt, dass er so viele Ziele hat und viel erleben will. Dass er sich von der Behinderung nicht unterkriegen lässt.

Julia Podufalski
Julia Podufalski Foto: Jaumann

Johannes Zierl: Für mich ist erstaunlich, welche Ziele er sich setzt. Es ist erstaunlich, dass er sich nicht unterkriegen lässt und etwas aus sich macht.

Johannes Zierl
Johannes Zierl Foto: Jaumann

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