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Umwelt

Schutz für den bizarren Wasserdrachen

Wildschweine gefährden bei Oberhinkofen den seltenen Kammmolch. Menschen sorgen für den Erhalt seines Lebensraums.
Von Michael Jaumann

Mit seinem gezackten Rücken erinnert der Kammmolch an einen Drachen – im Miniformat. Foto: bennytrapp - stock.adobe.com
Mit seinem gezackten Rücken erinnert der Kammmolch an einen Drachen – im Miniformat. Foto: bennytrapp - stock.adobe.com

Obertraubling.Früher versteckte sich hier das Militär in der Landschaft. Jetzt verbergen sich am einstigen Standortübungsplatz der Bundeswehr in Oberhinkofen Lebensräume gefährdeter Amphibienarten. Für kommende Generationen wandeln die Naturerbe-Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Bundesforst das Gelände zu naturnahem Laubwald um, gestalten Waldsäume und schaffen Refugien für Kammmolch, Gelbbauchunke und andere Amphibienarten.

Wo einst Panzerfahrzeuge der Bundeswehr ungewollt Laichgewässer der Gelbbauchunke schufen, helfen nun die Förster im Frauenholz mit schweren Waldfahrzeugen nach. Archivfoto: Michael Jaumann
Wo einst Panzerfahrzeuge der Bundeswehr ungewollt Laichgewässer der Gelbbauchunke schufen, helfen nun die Förster im Frauenholz mit schweren Waldfahrzeugen nach. Archivfoto: Michael Jaumann

Im Frauenholz, wie das Gelände bei Oberhinkofen inzwischen wieder heißt, sollen nun drei Stillgewässer umgestaltet und ein Wildschutzzaun errichtet werden. Mit dem Zaun will das DBU-Naturerbe den dort vorkommenden Kammmolch vor Störungen durch Schwarzwild schützen.

Der Molch ist streng geschützt

Der Kammmolch erinnert wegen seines eindrucksvollen Rückenkamms zur Paarungszeit an einen Kleindrachen. Sehen wird ihn kaum jemand, seine Lebensräume verschwinden zunehmend: Offene Landschaften werden aufgeforstet, Kleingewässer trockengelegt und umliegende Flächen zunehmend intensiver landwirtschaftlich genutzt. „Um das bedeutsame Vorkommen in der Stadt und dem Landkreis Regensburg zu sichern, müssen neue Lebensräume geschaffen und alte erhalten bleiben“, begründet Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Fachlicher Leiter von DBU-Naturerbe, des gemeinnützigen Tochterunternehmens der DBU, die anstehenden Maßnahmen im Frauenholz. Die Stiftungstochter ist verantwortlich für bundesweit 71 Flächen mit rund 70 000 Hektar in zehn Bundesländern.

Der knapp 500 Hektar große ehemalige Standortübungsplatz habe eine überregionale Bedeutung für das Vorkommen der größten heimischen Molchart, die bundes- und europaweit einen besonderen Schutzstatus genieße, betont Jörg Tuchbreiter, DBU-Koordinator beim Bundesforstbetrieb. Doch das einzig verbliebene Kammmolchgewässer ist offenbar akut durch Schwarzwild bedroht. Die Wildschweine fühlen sich im Frauenholz sozusagen pudelwohl, suhlen sich im Gewässer und wühlen am Ufer nach Nahrung. Uferabbrüche verschlammen das Biotop und zerstören die Wohnungen der Molche. Im Gegensatz zu anderen Molcharten verbringt der bis zu 20 Zentimeter große Kammmolch einen großen Teil des Jahres im Wasser. Bei entsprechenden Wetterverhältnissen wandert er ab März zur Fortpflanzung ins Gewässer und bleibt dort bis August. „Besonders beliebt sind bei Kammmolchen fischfreie Gewässer mit reichem Unterwasserbewuchs, die er mit Abschluss der Maßnahme auf der Naturerbefläche finden wird“, erläutert Hartmut Schmid, Amphibienexperte und Gebietsbetreuer des Landschaftspflegeverbands. An Land benötige der Kammmolch hingegen passende Versteckmöglichkeiten unter Holz- und Steinhaufen, in denen er überwintern kann.

Lebensraum auch für Insekten

Zusammen mit dem Bundesforstbetrieb Hohenfels wird dem Molch nun das Leben erleichtert. Ein Bagger wird das bestehende Gewässer ausheben, um die offene Wasserfläche zu erhöhen. Zudem werden zwei neue Kleingewässer geschaffen, die den Molchen die Möglichkeit geben, zwischen Lebensräumen zu wechseln. Ein Zaun werde den Bereich zukünftig abgrenzen und vor Störungen durch Wildschweine schützen. So werde das Aussterberisiko minimiert.

„Da der Kammmolch eine sogenannte Schirmart ist, wird durch die Maßnahme ebenso Lebensraum für seltene Wasserinsekten wie Libellen und Schwimmkäfer entstehen”, erklärt Dr. Uwe Fuellhaas, Experte für Gewässer- und Feuchtgebietslebensräume im DBU-Naturerbe. Die speziellen Ansprüche des Kammmolchs an Gewässer würden das Überleben einer ganzen Lebensgemeinschaft garantieren. „Wir hoffen, dass sich der Kammmolch so weiter auf unserer Fläche ausbreiten kann“, so Fuellhaas.

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