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Berufe

Talentsuche schon im Kindergarten

Handwerker weckten bei Vorschulkindern Interesse. „Harry Hammer“ und „Nicki Nagel“ von der Bauwirtschaft in Obertraubling.
Von Petra Schmid, MZ

  • Sägen ist gar nicht so einfach, aber mit den richtigen Tricks geht es wunderbar. Fotos: Petra Schmid
  • Zwischendurch gab es immer wieder Tipps von Harry Hammer.

Obertraubling.Eifrig wurde gesägt, gehämmert, gefeilt oder geschliffen. Fast hätte man meinen können, man befinde sich in einer Zimmerei oder Schreinerei. Mit den Werkzeugen waren allerdings keine Facharbeiter beschäftigt, sondern Kinder standen an den Werkbänken: die Vorschulkinder des Kindergartens St. Konrad in Obertraubling. Wie Profis sahen sie jedoch auf alle Fälle aus, denn die Kinder trugen leuchtend gelbe Schutzhelme, so wie man ihn von jeder Baustelle und eben auch vom wohl bekanntesten Bauarbeiter „Bob der Baumeister“ kennt.

„Baumeister gesucht“ heißt auch das Projekt, das im Kindergarten Station machte. Bei der Initiative der Bayerischen Bauwirtschaft soll bereits bei den Kindergartenkindern das Interesse am Bauhandwerk geweckt werden. „Harry Hammer“ und „Nicki Nagel“, die zwei „Baumeister“, die den Obertraublinger Kindergarten besuchten, schlossen mit den Kindern rasch Freundschaft.

Alle Hände voll zu tun

„Harry Hammer“, der im richtigen Leben Lukas Wolpert heißt, ist Schreinermeister. Er und sein Kollege hatten alle Hände voll zu tun. Die Sicherheit der Kinder ständig im Blick, wurde zunächst einmal mit Mini-Ziegelsteinen das Mauern geübt. Innerhalb kurzer Zeit schafften es die Nachwuchs-Baumeister, kleine Mauern zu errichten. Freilich war die „Zimmerecke“ immer etwas kniffelig, denn so ein Ziegelstein biegt sich ja schließlich nicht. Mit dem richtigen Kniff und Trick allerdings war das bald kein Problem mehr.

Weil heutzutage der Umgang mit Baumaterial oder Werkzeugen nicht mehr zum Alltagsleben gehöre, sei es wichtig, bereits bei den Kleinsten das Interesse für eine Handwerkerberufsgruppe zu wecken, machte Wolpert deutlich. Hier könne der Grundstock gelegt werden, später vielleicht einmal einen Beruf als Mauerer oder Zimmerer zu ergreifen, erklärte der Schreinermeister. Für längere Gespräche und Erklärungen blieb allerdings keine Zeit, die Kinder waren nämlich eifrig bei der Sache und wollten weiterarbeiten.

Eine ganze Stadt bauen

Den Experten standen Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen des Kindergartens zur Seite. Die kleinen Baumeister hatten eine große Aufgabe: Eine ganze Stadt sollte gebaut werden. Jedes Kind konnte nach seinem eigenen Gusto ein Häuschen gestalten.

Erzieherin Sonja Schmidbauer machte das Projekt riesen Spaß. „Für die Kinder ist es sehr schön und mir gefällt es auch“, fasste sie zusammen. An dem Eifer der Kinder könne man erkennen, wie begeistert sie seien. Sie selbst habe als Kind schon mit Hammer und Nägeln gewerkelt. Heute traue man den Kindern oft zu wenig zu und wolle sie zu sehr schützen.

Kinderpflegerin Rebecca Liegl war ebenfalls begeistert bei der Sache. Die Initiative sei für sie auch eine tolle Erfahrung. Vieles habe sie zwar gewusst, aber gerade in Punkto Sicherheit habe sie viel dazugelernt. Mit Kindern müsse man anders arbeiten, als man dies als Erwachsener tun würde. „Es ist für die Kinder von Vorteil, wenn sie später im Alltag kleine Handwerksarbeiten selbst ausführen können.“

Einen eigenen Bauwagen

Gebastelt und gewerkelt sei im Kindergarten schon immer viel geworden. Der Kindergarten habe sogar einen eigenen Bauwagen, der zurzeit leider wieder hergerichtet werden müsse, erzählte Leiterin Monika Fraunhofer. In Zukunft wolle sie mit ihrem Team auch Werkzeuge wie Säge, Feile oder Hammer einsetzen. Man habe nun die nötige Ausstattung und Hinweise. Etwa, wie man Schraubzwingen ansetzen müsse, damit Kinder alleine und sicher eine Holzleiste durchsägen können.

Kinderpflegerin Silvia Nietzel konnte sich dem nur anschließen. Sie habe als Kind beste Erfahrungen in dieser Hinsicht gesammelt. „Meine Eltern hatten ein Wochenendhaus und da war immer was zu tun, wir Kinder durften da auch mal ran“, schwärmte sie. Man müsse Kindern auch wieder einmal etwas zutrauen und selber ein Auge auf die Sicherheit legen, hob sie hervor.

Das Projekt der Bauwirtschaft

  • Das Projekt

    Mit der Initiative „Baumeister gesucht“ bringt die Bayerische Bauwirtschaft das Bauhandwerk in Kindergärten. Mit Werkbank und Werkzeug ausgerüstet sollen Kinder erleben und lernen, etwas mit eigenen Händen zu bauen.

  • Nachhaltigkeit

    Zugleich erfährt das Betreuerteam, wie das „Bauhandwerken“, wie etwa Sägen oder Hämmern, in den Kindergarten-Alltag integriert werden kann. Schirmherrin des Projekts ist Familienministerin Emilia Müller.

  • Ablauf

    An einem Nachmittag werden im Kindergarten Erzieherinnen, Eltern und freiwillige Helfer im Umgang mit der Werkbank und den Werkzeugen geschult. In der zweiten Stufe können Vorschulkinder zusammen mit „Harry Hammer“ und „Nicki Nagel“ dann handwerkern.

  • Ausstattung

    Der Kindergarten erhält eine Kinder-Werkbank mit Schraubstöcken und Bankhaken und außerdem kindergerechtes Werkzeug und ein Baumeister-Nachschlagewerk. (lps)

Sägen und Hämmern begeistert die Kinder

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