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Historie

An der Weichselmühle stand eine Burg

Das Anwesen an der Donau hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Begonnen hat alles im Mittelalter.
von Josef Eder, Mz

  • Das Wohnhaus der Weichselmühle hat Herbert Zimmermann mustergültig saniert. Fotos: Eder
  • Die Pferdestallung biete noch ein interessantes Bild.

Pentling. Das Landschaftsbild des Landkreises Regensburg war über Jahrhunderte von über 100 Burgen und Schlössern unterschiedlicher Bedeutung geprägt. Eine Zusammenstellung der Zeitzeugen von Historiker Dr. Peter Morsbach/Regenstauf aus dem Jahr 2004 gibt Aufschluss darüber. Hier ist die Weichselmühle als abgegangene Burg definiert. Vor 840 Jahren, im Jahre 1147, wurde sie mit Hartwic de Ounterpe(nt)lingen erstmals erwähnt.

Heute ist wenig zusehen von der ehemaligen Burg. Romantisch eingewachsen und versteckt durch Bäume und Sträucher liegt das Anwesen an der Donautalstraße. Hier kann man in Richtung Pentling abbiegen. Früher war bei der Weichselmühle eine von zwei zwischenzeitlich aufgelassenen Quellen für die Pentlinger Wasserversorgung.

Pferdezucht wurde betrieben

Das Haus und die angrenzenden Stallungen wurden vom derzeitigen Besitzer Herbert Zimmermann saniert. Gefundene Mühlsteine hat er an die Scheune gelehnt. Zu seiner Verwunderung hat man ihm, als er das Anwesen 1990 kaufte, mitgeteilt, dass keine Denkmalschutzauflagen bestehen. Er hat das Gebäude in einen Zustand wie vor einhundert Jahren versetzt. Ein kleines Tonnengewölbe aus dem 11./12. Jahrhundert ist noch vorhanden. Der Rest wurde im Laufe der Geschichte immer wieder verändert.

Die Welzelmühle, wie sie in den Gesichtsbüchern und Urkunden genannt wird, war eine frühmittelalterliche Befestigung, sie soll auch als Feuer- und Signalturm gedient haben. Sie war die einzige entlang der Donau. Ab und an ist auch von Unterpentling zu lesen.

Oberhalb dieser Befestigung auf dem Plateau wird die ebenfalls verschwundene Pentlinger Burg vermutet. Dort war gegenüber der Kirche St. Johannes des Täufers (Papstkirche der Diözese), das Schulhaus, später Rathaus. Jetzt steht dort, wo einst der Burgfried stand, der neue Kindergarten.

Ab wann und warum die Einöde nahe der Donau plötzlich den heutigen Namen trägt, ist nicht mehr nachvollziehbar. Zimmermann vermutet, dass er aufgrund eines Hör- oder Schreibfehlers des Protokollanten gewesen sein könnte. Plötzlich wurde aus der Welzelmühle die Weichselmühle. Die Bezeichnung Welzelmühle hat aufgrund des Mühlbetriebes einen Sinn ergeben.

Die neuere Geschichte ist ebenso spannend wie die vergangene. 1885 und 1896 entstanden die Scheune und dann die dem Haus gegenüberliegende Pferdestallung. 1910 kaufte Edgar von Rom das Anwesen. 1772-1833 ist ein Johann Georg Mundigl als Müller von der Welzelmühle vermerkt.

Im jetzigen Wohngebäude war links der Mühlbetrieb, angetrieben durch Wasserkraft. Rechts war die Wohnung. 1790 ist ein Hechenberger als Besitzer geführt. Was von Rom mit einem Turbineneinbau vorhatte, ist Zimmermann unbekannt. 1912 wurde der Antrag gestellt und 1919 kam die Erlaubnis. Die Vorrichtungen sind noch im Haus installiert. Die Turbine ist eingelagert.

Die Familie von Rom war Regensburger Großgrundbesitzer. Das heutige Prüfeninger Kloster Emmeram sowie der Minoritenhof gehörten ihr, später auch das Gut Königswiesen. Eine versteckt liegende Kapelle nahe der Dr.-Gessler-Straße erinnert an ihre Regensburger Zeit. Unweit der Weichselmühle wurde der Fohlenhof in Fachwerkbauweise errichtet. Besitzer war die Familie Lanz. Hier wurde ab 1927 Pferdezucht für das Gut Königswiesen betrieben.

Um 1846 berichtet J. R. Schuegraf von einem Thurme bei der Weichselmühle. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts soll dort eine Turmruine gestanden haben, so Schuegraf weiter: „Längere Zeit brauchte es, bis ich mich mit den Landsleuten wegen des Thurmes verständigen konnte. Nicht einmal der Müller wusste davon, dass in seiner Mühle ein Turm eingebaut worden sey. Und doch steht ein solcher wirklich auf einem Felsen, ist ein Quadrat und mit massiven Steinen an den vier Ecken und mit steinernen Thür- und Fenstergesimsen gebaut, es musste wegen Baufälligkeit dessen oberer Theil abgetragen werden. Zugleich erfuhr ich, dass in früherer Zeit mit ihm noch ein anderer Thurm mittels eines Ganges, dessen Spuren man noch wahrnimmt, verbunden war.“

Schuegraf verwirft die frühere Aussage (J. Hefner), dass der Turm (niedrige Position) eine römische Signalanlage gewesen sei. Zweifellos charakterisiert der ehemalige Ortsname Unterpentling den Platz, der vom Ort auf der Anhöhe durch ein kleines Tal zur Donau führt. Ein Geschlecht der Unterpentlinger erscheint in den Traditionen von St Emmeram 1126-29. Hartwic de Ounterpe(nt)lingen1177 wurde einem Regensburger Bürger vom Abt des Klosters mit einem Grundstück belehnt, das einer seiner Vorfahren dem Kloster übereignet hat.

Herren von St. Emmeram

Die Herren von Unterpentling waren eindeutig Ministeriale des Reichsstifts St. Emmeram, die daneben über allodialen und feudalen Besitz verfügten. Urkundliche Nachrichten über die Befestigung fehlen offenbar völlig, schreibt Andreas Boos (Burgen im Süden der Oberpfalz/Universitätsverlag Regensburg). Weiter stellt er fest, dass der Standort des Turmes nicht mehr näher zu bestimmen sei. Beim von Schuegraf beschriebenen ruinösen Zustand handelt es sich um eine Rekonstruktion. Die Herren von Unterpentling (Askerich 1147/48) erfahren nur im 12. Jahrhundert Erwähnung. Eine Datierung des Turmes bzw. der mutmaßlichen Kleinburg in jenem Jahrhundert liegt auf der Hand.

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