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Pflege

Hospiz ist Gemeinschaftsaufgabe

Im ersten Jahr haben 100 Menschen die letzten Tage, Wochen oder Monate ihres Lebens im Pentlinger Johannes-Hospiz verbracht.
Von Gabi Hueber-Lutz, MZ

  • Stellvertretender Landrat Johann Dechant, AOK-Direktor Richard Deml, Hospizleiterin Sabine Sudler, Hospizvereinsvorsitzende Petra Seitzer, Bürgermeisterin Barbara Wilhelm und Johanniter-Regionalvorstand Martin Steinkirchner (von links) trafen sich im Johannes-Hospiz. Foto: Hueber-Lutz
  • Sabine Sudler zeigte die Gästezimmer des Hospizes, in denen auch Angehörige der Erkrankten übernachten können.

Pentling.Ein Jahr ist seit der Eröffnung des Johannes-Hospizes in Pentling vergangen. Ein Jahr, in dem genau 100 Menschen in diesem Haus die letzten Tage, Wochen oder Monate ihres Lebens verbracht haben und jenen Abschied in Würde nehmen konnten, den sich sämtliche Betreuer des Hospizes auf die Fahnen geschrieben haben. Auch wenn es der Tod ist, um den sich alles im Hospiz dreht, so ist dieser Tod doch eingebettet in das Leben bis zum Schluss.

Die Stimmung am ersten Geburtstag der Einrichtung ist deshalb auch nicht bedrückt, sondern eher geprägt von verhaltenem Stolz auf das Erreichte. Das Engagement der Beschäftigten, die Unterstützung durch die Bevölkerung, die Wertschätzung durch die Politik, all dies wird als sehr positiv beschrieben. So ein Haus sei eine große Gemeinschaftsaufgabe“, fasst Hospizleiterin Sabine Sudler die Erfahrungen des letzten Jahres zusammen.

Offensichtlich gelingt diese Aufgabe gut. „Wenn man dieses Haus betritt, nimmt man die Harmonie wahr, die hier herrscht“, beschreibt Pentlings Bürgermeisterin Barbara Wilhelm ihre Eindrücke. Ihr Regensburger Kollege, Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, stimmt ihr zu und unterstreicht, dass die Bevölkerung und die Beteiligten hier gezeigt haben, wozu die Region fähig ist, wenn es um Mitmenschlichkeit geht. Auch stellvertretender Landrat Johann Dechant hebt sehr positiv hervor, dass die Menschen mit ihren Ängsten, Hoffnungen und ihrer Trauer hier nicht allein seien.

Das Johannes-Hospiz

  • Bedürfnisse:

    Angehörige können bei ihren Kranken übernachten und die letzte Zeit mit ihnen verbringen. Manche Gäste möchten ihr Haustier um sich haben. Das ist möglich, wenn sich ein Angehöriger um das Tier kümmert.

  • Reichweite:

    60 Prozent der Gäste im Johannes-Hospiz kamen im ersten Jahr aus der Stadt und dem Landkreis Regensburg, der Rest aus Straubing, Kelheim, Neumarkt, Cham, Schwandorf und Amberg.

  • Fakten:

    60 Frauen und 40 Männer wurden im ersten Jahr aufgenommen. Durchschnittlich war das Hospiz zu 70 Prozent ausgelastet.

  • Gesucht:

    Mitglieder im Freundeskreis Johannes-Hospiz, die das Hospiz als Dauerspender unterstützen, um damit den gesetzlich vorgeschriebenen Anteil von zehn Prozent an den Betriebskosten decken zu können. Infos unter (09 41) 46 46 71 30 (lhl)

Rund ein Viertel der Gäste wurden vom Hospiz-Verein begleitet, der als ambulanter Verein ebenfalls in dem Haus angesiedelt ist. Der Verein spielt eine wichtige Rolle, denn ohne diesen Verein hätte man den Bau des Hauses gar nicht erst in Angriff genommen, ist Martin Steinkirchner, der Regionalvorstand der Johanniter, überzeugt. Seine Organisation betreibt das Hospiz. Und als Betreiber steuert Steinkirchner an diesem Tag das einzige Thema bei, das dem Hospiz auch in Zukunft laufend unter den Nägeln brennen wird: das leidige Geld.

Zehn Prozent der Betriebskosten müssen die Johanniter aus eigener Tasche bezahlen. So verlangt es der Gesetzgeber. 308 000 Euro waren das im letzten Jahr, beziffert Steinkirchner die Größenordnung. Eine andere Tatsache, die er nennt, beleuchtet das Klima im Hospiz: Trotz der hohen körperlichen und mentalen Belastung sei der Krankenstand der mit Abstand den niedrigste unter den Einrichtungen in seinem Gebiet gewesen.

Vielleicht liegt das daran, dass sich sehr viele der Mitarbeiter sehr bewusst für diese Arbeit entscheiden, vermutet die stellvertretende Leiterin Beate Hochmuth. Außerdem erhalten sie regelmäßig Supervision und unterstützen sich gegenseitig. Und es gibt Zeiten, da sei das sehr nötig. Dann zum Beispiel, wenn an einem Tag zwei oder drei der begleiteten Menschen sterben.

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