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Natur

Rätsel um verschwundene Greifvögel

In einer Felsenhöhle bei Matting hatte ein Wanderfalkenpaar genistet. Die Jungtiere waren von einem auf den anderen Tag weg.
Von Josef Eder, MZ

Im Jagdflug erreicht ein Wanderfalke eine Geschwindigkeit bis zu 300 Kilometer pro Stunde.
Im Jagdflug erreicht ein Wanderfalke eine Geschwindigkeit bis zu 300 Kilometer pro Stunde. Foto: Archiv/Eder

Pentling.Die Vogelkenner sind sich nach wie vor nicht sicher, was geschehen ist. Vier Jungvögel hatte das Wanderfalkenpaar, das in den Felsen gegenüber des Winzer- und Fischerdorfs Matting nistet, in diesem Frühsommer ausgebrütet. Etwa drei Wochen nach dem Schlupf – zur Zeit der Federbildung – waren die vier Jungvögel über Nacht verschwunden, beschreibt Heinz Duschl aus Matting die Situation. In den Jahren zuvor seien meist Jungtiere ausgeflogen.

Es ist in der Zeit geschehen, als sie am Tag das Nest, das sich im hinteren Höhlenabschnitt befindet, verlassen haben, um sich nach vorne zu wagen. Nachts nimmt das Weibchen die Jungen meist wieder mit nach hinten.

Wer die Jungfalken auf dem Gewissen hat, das könne man auch im Nachhinein nicht sagen, so Duschl. Uhu, Eule, Marder oder andere Nesträuber, die die Jungen stehlen, alles sei möglich. Bemerkenswert ist aber, dass der komplette Wanderfalkennachwuchs gleichzeitig verschwand. „Natürliche Feinde holen sich meist nicht alle Jungtiere sofort, sondern nach und nach. Aber es gibt auch die Fälle, wenn sie eine größere Brut haben, dass sie Depots anlegen und alle holen“, sagt Duschl. Auch früher, als man die Tiere noch bewacht hatte, habe es Ausfälle gegeben.

„Im Umkreis von zehn Kilometern sind mindestens zwei Uhu-Reviere bekannt, die regelmäßig besetzt sind“, berichtet Dipl.-Ing. Christiane Geidel (FH) von Naturschutz & Landschaftsplanung vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) aus der Landesgeschäftsstelle Hilpoltstein.

Das Falkenpärchen ist seit drei Jahre dasselbe. Seit zwei Jahren hat es einen anderen Brutplatz. Die jungen Wanderfalken hatten im Juni ihren Horst am Mattinger Dohlenfelsen verlassen. Danach drehten nur die beiden Altvögel, der Terzel und sein Weibchen, ihre Runden.

Die Wanderfalken brüten fast jedes Jahr im Gebiet des Dohlenfelsens (ältestes bayerisches Naturschutzgebiet). Die erste Brut wurde 1992 beobachtet. Bis 2002 sind 29 Jungfalken ausgeflogen. Anfangs hatte der Landesbund für Vogelschutz (LBV), Kreisgruppe Regensburg, die Bewachung übernommen. Später war im Horst sogar eine Videoüberwachung installiert. Die Population hat seither zugenommen, die Bewachung wurde daraufhin eingestellt.

Ein weiterer künstlich angelegter Nistplatz befindet sich unter der Sinzinger Autobahnbrücke. Hier sind in den vergangenen Jahren immer alle Jungvögel ausgeflogen, war von Egbert Schelbert zu erfahren.

Der LBV hat in seiner Datenbank für Matting folgende Statistik gespeichert: 2003: 3 geschlüpft/3 ausgeflogen; 2004: 1/1; 2005: 4/4; 2006: 3/1;2007: 3/3 (ein unbefruchtetes Ei); 2008: Zahl unbekannt; 2009: 0/0; 2010 und 2011: keine Daten; 2012: 0/0; 2013: 2/2; 2014: 2/2; 2015: 4/0.

Der Wanderfalke

  • Aussehen

    Der Wanderfalke (Falco Peregrinus) ist der größte heimische Falke, fast bussardgroß. Seine Flügelspannweite beträgt bis 110 Zentimeter und das Gewicht bis 900 Gramm. Er hat breite, aber spitze Flügel und einen massigen Körper. Die Zeichnung bei den Altvögeln ist oberseits schiefergrau mit einer unserseits feinen Querbänderung.

  • Geschwindigkeit

    Im Jagdflug ist er der schnellste Vogel der Welt. Der Luftjäger erreicht bis zu 300 km/h.

  • Nahrung

    Seine Nahrung sind Vögel von Drossel- oder Taubengröße. Schnelle Brieftauben erbeutet er sehr selten.

  • Nachwuchs

    Ab Mitte März legt das Weibchen vorwiegend an Felsen zwei bis vier Eier. Die Brutdauer beträgt ca. 30 Tage und die Nestlingszeit ca. 40.

  • Bestand

    1982 startete der LBV ein bayernweites Artenhilfsprogramm für den Wanderfalken. Der Bestand des Wanderfalken hat sich seit damals verzehnfacht. (lje)

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