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Protest

Seedorfer sorgen sich um Landschaft

Der Gemeinderat plant nahe dem Dorf ein Gewerbegebiet für Handwerksbetriebe. Dagegen macht eine Interessengemeinschaft Front.
Von Sebastian Schmid und Thomas Kreissl, MZ

Auf diesem Feld soll das neue Gewerbegebiet entstehen. Im Hintergrund sind Fahrzeuge auf der Kreisstraße R4 zu erkennen, am rechten Bildrand einige Häuser von Seedorf.
Auf diesem Feld soll das neue Gewerbegebiet entstehen. Im Hintergrund sind Fahrzeuge auf der Kreisstraße R4 zu erkennen, am rechten Bildrand einige Häuser von Seedorf. Foto: Eder

Pentling.Seedorf ist ein kleiner Ort ganz im Süden der Gemeinde Pentling. Das gute Dutzend Häuser liegt umgeben von Feldern direkt an der Autobahn A 93. Genau diese günstige Lage nicht weit von der Anschlussstelle Bad Abbach entfernt will die Gemeinde nutzen und spielt mit dem Gedanken, südlich von Seedorf ein Gewerbegebiet auszuweisen. Doch dagegen laufen jetzt die Dorfbewohner Sturm. „Es muss auch im wirtschaftlich erfolgreichen Regensburg noch möglich sein, eine grüne Ecke zu haben“, sagt Christine Huber von der Interessengemeinschaft Seedorf, die sich mittlerweile gebildet hat.

Viele Seedorfer sehen die intakte Landschaft mit ihrem ländlichen Charakter in Gefahr. Aus Sicht der Gegner würde das Gewerbegebiet den zusammenhängenden Grüngürtel im Süden der Gemeinde zerschneiden. Dadurch würde Pentling riskieren, seinen Status als beliebte Wohngemeinde zu verlieren, argumentiert Huber. „Wanderer, Mountainbiker und Familien, die sich erholen wollen, werden durch das Gewerbegebiet gestört“, kritisiert sie.

Projekt steht noch ganz am Anfang

Doch auch Pentlings Bürgermeisterin Barbara Wilhelm hat gute Argumente. „Es geht um unsere Betriebe“ sagt sie mit Blick auf die Entwürfe für das Projekt, an denen derzeit ein Architekturbüro arbeitet. Doch sie weist auch darauf hin, dass das Vorhaben noch ganz am Anfang steht. Bisher habe der Gemeinderat nur beschlossen, ein Änderungsverfahren für den Flächennutzungsplan in diesem Bereich in die Wege zu leiten. „Wir machen nichts anderes, als prüfen zu lassen, ob ein Gewerbegebiet an dieser Stelle möglich ist“, betont die Bürgermeisterin.

Freilich hat die Mehrheit im Pentlinger Gemeinderat ihren Worten zufolge schon den festen Willen, auf dem 3,4 Hektar großen Gelände südlich von Seedorf eine Entwicklungsmöglichkeit für die örtlichen Betriebe zu schaffen. Dabei ist vor allem an Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen gedacht. „Viele von ihnen sind in den Orten eingequetscht und haben keine Chancen, sich in der Gemeinde weiter zu entwickeln“, erklärt Wilhelm.

Die Interessensgemeinschaft befürchtet ihrerseits negative Auswirkungen für die Landwirtschaft, die noch auf sechs Anwesen betrieben wird. „Die Landwirte streben eher danach, noch weitere Anbauflächen zu bekommen, damit sie weiterhin effektiv wirtschaften können“, erklärt Hubert Knott, der zweite Kopf der Initiative. Er sieht die zukünftigen Entwicklungschancen dieser Betriebe stark eingeschränkt, sollte das Gewerbegebiet entstehen. So würden Höfe, die seit Generationen im Familienbesitz sind, in ihrer Existenz gefährdet.

Schreiben an das Landratsamt

  • Eingabe

    Ende Juli hat sich die Interessengemeinschaft Seedorf in einem mehrseitigen Schreiben an das Regensburger Landratsamt gewandt und darin ihre Argumente gegen das Gewerbegebiet ins Feld geführt.

  • Antwort

    Vor wenigen Wochen hat das Landratsamt den Bürgern geantwortet. Wie Pressesprecher Hans Fichtl auf Anfrage der MZ dazu mitteilte, konnte die Behörde substanziell zu dem Vorhaben noch nicht viel sagen. Auch das Landratsamt weiß bislang nur von dem Beschluss des Gemeinderats, den Flächennutzungsplan in diesem Bereich ändern zu wollen.

  • Beteiligung

    Fichtl weißt darauf hin, dass im Änderungsverfahren eine Beteiligung der Bürger und der Fachstellen vorgeschrieben sei und noch erfolgen müsse. Das bestätigt der Pentlinger Geschäftsleiter Robert Griesbeck: „Anregungen und Einwände werden auf jeden Fall in das Verfahren einfließen.“ Er betont, dass die Entscheidung des Gemeinderats lediglich den Auftakt des formellen Verfahrens darstelle.

  • Bürgerversammlung

    Als nächster Schritt ist am Mittwoch um 20 Uhr im Gasthaus Weigert in Seedorf eine Bürgerversammlung angesetzt. Dabei soll das Thema Gewerbegebiet im Mittelpunkt stehen. Unter anderem werden die Planungen für das Gewerbegebiet vorgestellt. Zudem sollen die Bürger die Gelegenheit haben, ihre Befürchtungen vorzubringen. (lid)

Sollte es trotz aller Bedenken zur Ausweisung der Gewerbefläche kommen, wäre eine Erweiterung nur schwer möglich, argumentiert Knott. Die anliegenden Grundstücksbesitzer haben seinen Worten zufolge jetzt schon Stellungnahmen abgegeben und ausgeschlossen, dass sie ihre Grundstücke verkaufen würden. „Dann wäre es eine Gewerbe-Insel, die mitten in der grünen Landschaft liegt“, meint Hubert Knott.

Ihn stört auch, wie die Gemeinde ihr Vorhaben gegenüber den Betroffenen kommuniziert: „Wir haben durch Gerüchte davon erfahren und mussten erst das Gespräch mit der Bürgermeisterin suchen, um Klarheit zu erhalten“, echauffiert er sich. Daraufhin habe man beschlossen, die Interessengemeinschaft ins Leben zu rufen, um sich gegen die Planungen zu wehren.

Ein weiterer Grund, der aus seiner Sicht gegen ein Gewerbegebiet spricht, ist der Flächenverbrauch. Es sei nicht nachvollziehbar, ein neues Gewerbegebiet auszuweisen, obwohl in Pentling noch freie Flächen verfügbar sind, beispielsweise im Ammerholz oder in der Nähe der Filialen von Aldi, real und Lidl. Tatsächlich finden sich im Internet Angebote für mehrere Tausend Quadratmeter Gewerbeflächen.

Die Bürgermeisterin bestreitet nicht, dass es in Pentling tatsächlich private Angebote für Gewerbeflächen gibt. Die seien aber gerade für kleinere Handwerksbetriebe oft zu teuer oder nicht geeignet. „Fakt ist, dass die Gemeinde momentan keine einzige Gewerbefläche anbieten kann“, betont sie. Andererseits weiß sie von mittlerweile acht oder neun Anfragen von Handwerkern und Unternehmen aus der Gemeinde, die Grundstücke suchen, um ihre Betriebe erweitern zu können.

Gemeinde will Betrieb halten

Allein auf die Wünsche dieser mittelständischen Unternehmen aus Pentling zielen die Planungen des Gemeinderats ab, betont die Bürgermeisterin: „Wir wollen diese Betriebe in der Gemeinde halten und keine großen neuen Unternehmen ansiedeln“, sagt sie. Gerade deshalb will die Gemeinde selbst potenzielle Gewerbeflächen ankaufen und vermarkten.

„Nur so haben wir unmittelbaren Einfluss darauf, wer sich hier ansiedelt“, erklärt Barbara Wilhelm. Sie geht davon aus, dass auf dem Gelände bei Seedorf zehn bis zwölf Betriebe unterzubringen sind, die im Schnitt rund 3000 Quadratmeter Grund benötigen.

Das Gebiet liegt ihrer Meinung nach ideal, um Gewerbe anzusiedeln. Die Fläche grenzt unmittelbar an die Kreisstraße R 4 und die Staatsstraße 2143 an. Die Autobahnanschlussstelle Bad Abbach ist nur wenige hundert Meter entfernt. Vor allem aber ist der Eigentümer des Geländes bereit, sein Grundstück an die Gemeinde zu verkaufen. „Und ohne Abgabebereitschaft kann ich kein Gewerbegebiet ausweisen“, stellt Wilhelm klar. Im Moment gibt es ihren Worten zufolge in der Gemeinde keine machbare und bezahlbare Alternative.

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