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Tradition

Bürgermeister zerlegt Zapfschlegel

Beim Starkbierfest in Pettendorf gab es freche Sprüche und einen starken Bock. Beim Anzapfen passierte ein Missgeschick.
Von Claudia Kreissl

Bürgermeister Eduard Obermeier zerlegte den Zapfschlegel unter den Augen von Heinrich Prößl (links) und Braumeister Willy Riedhammer (rechts). Foto: Kreissl
Bürgermeister Eduard Obermeier zerlegte den Zapfschlegel unter den Augen von Heinrich Prößl (links) und Braumeister Willy Riedhammer (rechts). Foto: Kreissl

Pettendorf.Er ist fast schwarz, außergewöhnlich stark und fließt jetzt offiziell in die Krüge: Die Palmator-Zeit hat begonnen. Der FC Pielenhofen-Adlersberg feierte den Starkbieranstich zusammen mit rund 220 Gästen beim Mayerwirt – und hatte dazu neben dem frisch gebrauten Bock auch noch den kleinen Bruder vom Barnabas aufgeboten. Fastenprediger Maxl Gerdes nahm vor allem die Kommunalpolitiker-Gilde ins Visier.

Der oberste Pettendorfer Vertreter dieser Zunft hatte zunächst die wohl wichtigste Aufgabe des Abends zu bewältigen. Mit zwei gekonnten Schlägen zapfte Bürgermeister Eduard Obermeier das erste Fass Palmator an – und zerlegte den Zapfschlegel dabei gleich mal in zwei Teile. Ein Missgeschick, das der Adlersberger Bräu Heiner Prößl mit dem Satz kommentierte: „Dieser Palmator braucht Kraft.“

Der Bock hat Kraft

Fastenprediger Maxl Gerdes schenkte den Politikern reichlich ein und hatte dabei einen Biber an seiner Seite. Foto: Kreissl
Fastenprediger Maxl Gerdes schenkte den Politikern reichlich ein und hatte dabei einen Biber an seiner Seite. Foto: Kreissl

Doch der diesjährige Bock braucht sie nicht nur – er hat vor allem Kraft und das nicht zu knapp. „Der Palmator 2019 ist etwas ganz Besonderes“, erklärte Braumeister Willy Riedhammer im brechend vollen Mayersaal. Um alle Gäste unterzubringen, hatte das junge Organisatoren-Team des FC eigens für eine Live-Übertragung des Geschehens auf einen Großbildschirm in der Wirtsstube gesorgt. Und tatsächlich verfolgte hier eine ganze Reihe von Besuchern das Geschehen auf der Bühne.

Sie und die Gäste im Saal erfuhren vom Braumeister, dass ein Bier nur so gut sein kann wie seine Rohstoffe. Die sind in einem sehr heißen und trockenen Sommer gereift. Das muss gar nicht schlecht sein für das Endprodukt, erfordert aber viel Fingerspitzengefühl und Aufwand während des Brauprozesses.

„Der stellvertretende Ministerpräsident unterschätzt ein wenig die politische Strahlkraft von dieser Veranstaltung.“

Maxl Gerdes, Fastenprediger

„Das kann eigentlich nur eine kleine Brauerei wie wir leisten“, erklärte der Braumeister und präsentierte das Ergebnis in nackten Zahlen: Auf 18,95 Prozent Stammwürze bringt es der diesjährige Palmator und das bei einem Alkoholgehalt von stolzen 8,3 Prozent. Der bisherige Spitzenwert lag bei 7,9 Prozent, erinnerte sich Riedhammer.

Kein Wunder, dass Moderator Constantin Leitner den dunkelbraunen Gerstensaft als „besten Palmator seit 58 Jahren“ bezeichnete. Freilich hatte Leitner, der bei den Heimspielen des Kreisliga-Teams des FC Pielenhofen-Adlersberg als wortgewaltiger Stadionsprecher fungiert, diese Erkenntnis nicht selbst gewonnen, sondern griff an dieser Stelle auf den Erfahrungsschatz seines Vaters zurück.

Ein Prosit  Foto: Kreissl
Ein Prosit Foto: Kreissl

Doch der junge Moderator, der launig durch den Abend führte, wendete sich schnell den bevorzugten Zielscheiben des Abends zu und ließ sich einen Hieb in Richtung Hubert Aiwanger nicht entgehen. Denn Landrätin Tanja Schweiger war ohne ihren Lebensgefährten und bayerischen Wirtschaftsminister gekommen. „Da Hubert hat si net traut und trinkt lieber Opfelsaft dahoam“, unkte Leitner, überließ das Frotzeln dann aber doch dem dafür engagierten Fastenprediger Maxl Gerdes.

Auch der beschäftigte sich mit dem nicht anwesenden stellvertretenden Ministerpräsidenten, der offenbar die politische Strahlkraft des Starkbieranstichs in Pettendorf völlig unterschätzt habe. Doch vor allem widmete sich der kleine Pettendorfer Bruder vom Barnabas fast eine Stunde lang dem lokalen Geschehen. Souverän meisterte er dabei den schwierigen Spagat seine Opfer aufs Korn zu nehmen, ohne die frechen Sprüche unter die Gürtellinie rutschen zu lassen.

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Mit dabei hatte er einen ausgestopften Biber, um dem Tierchen in der biberunfreundlichen Gemeinde noch einmal eine große Bühne zu geben. Denn im vergangenen Jahr war ein Biber am Schwetzendorfer Weiher abgeschossen worden, getreu dem Motto „Pettendof schießt“, das der Prediger aber dann doch als wenig nachhaltig bewertete.

Jetzt ist Pettendorf Papst

Den 2. Bürgermeister Bernhard Weigl bedauerte Gerdes als „unseren Prinz Charles“, der in ewiger Lauerstellung hinter King Edward verharren müsse. Dagegen werde von 3. Bürgermeister Ludwig Bink gemunkelt, dass er das Rathaus in seinen Heimatort Reifenthal verlegen wolle, wo er mithilfe eines Regierungstunnels jederzeit Zugang habe.

Eine „gewisse Schadenfreude“ galt Pielenhofens Bürgermeister Reinhold Ferstl, der vor sechs Jahren den Rat des kleinen Barnabas in den Wind geschlagen hatte, das damals leerstehende Kloster dem gerade zurückgetretenen Papst anzubieten. Nun sei nicht Pielenhofen Papst, sondern Pettendorf – „und sogar amtierend“, meinte er mit Blick auf den Pettendorfer Pfarrer Norbert Pabst.

Den Bauern bescheinigte der kleine Barnabas, den Ablasshandel in Zeiten größten Artensterbens zu revolutionieren. Sorgen sie doch für ein gutes Gewissen bei all denen, die sich jetzt dank einer Patenschaft für Blühflächen beruhigt ihren Vorgarten steril bekieseln lassen und mit dem SUV herumbrausen können.

Und nicht zuletzt hatte der höchst bodenständige Prediger für die funkloch-geplagten Reifenthaler und Aichahofer tröstende Worte. „Wer woaß, ob sich dieses mobile Internet durchsetzt?“, fragte er und machte darin nicht mehr als eine digitale Modeerscheinung aus.

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