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Einsatz

Gräberpflege gegen das Vergessen

Die KRK Pettendorf feiert heuer 100-jähriges Bestehen. Seit Jahren kümmern sich die Reservisten um Kriegsgräber im Ausland.
Von Claudia Kreissl

Ein Arbeitseinsatz führte die Helfer ins italienische Quero. Foto: Alois Vetter
Ein Arbeitseinsatz führte die Helfer ins italienische Quero. Foto: Alois Vetter

Pettendorf.Fast genau ein Jahr nachdem in einem Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne in Nordfrankreich das Ende des Ersten Weltkrieges besiegelt wurde, traf sich in Pettendorf eine Schar junger Männer und gründete einen Krieger- und Soldatenverein. Die Pettendorfer gehörten zu den Überlebenden eines grausamen Krieges, dem insgesamt rund neun Millionen Soldaten zum Opfer fielen.

Ziel der Gemeinschaft war es fortan, Kriegsheimkehrer zu betreuen und darüber hinaus die Gefallenen und Vermissten nicht zu vergessen. Auch 100 Jahre nach seiner Gründung setzt sich der Verein, der zwischenzeitlich in Krieger- und Reservistenkameradschaft (KRK) umbenannt wurde, gegen das Vergessen und für das Bewahren ein. Seit mittlerweile 17 Jahren sind die Pettendorfer um ihren Vorsitzenden Alois Vetter Teil einer Gruppe, die in regelmäßigen Abständen zu Pflegeeinsätzen auf Soldatenfriedhöfen in verschiedenen europäischen Ländern aufbricht. Rupert Faltermeier, Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Steinsberg, kam auf die Idee, sich dem Erhalt der Friedhöfe im Ausland zu widmen, und stieß damit bei Alois Vetter auf offene Ohren.

Erster Einsatz in Frankreich

 Ein Arbeitseinsatz führte die Helfer nach Andilly, das rund zwölf Kilometer nördlich der Stadt Toul im Département Meurthe-et-Moselle liegt. Die deutsche Kriegsgräberstätte ist die größte des 2. Weltkrieges in Frankreich.  Foto: Alois Vetter
Ein Arbeitseinsatz führte die Helfer nach Andilly, das rund zwölf Kilometer nördlich der Stadt Toul im Département Meurthe-et-Moselle liegt. Die deutsche Kriegsgräberstätte ist die größte des 2. Weltkrieges in Frankreich. Foto: Alois Vetter

Also wandten sie sich an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der für die Organisation der Arbeitseinsätze zuständig ist. Im Jahr 1954 übernahm der Volksbund die Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Insgesamt betreut der Verein 833 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit über 2,7 Millionen Kriegstoten. Der erste Arbeitseinsatz führte ein zehnköpfiges Team, zu dem nicht nur Pettendorfer, sondern Helfer aus dem ganzen Landkreis Regensburg gehörten, 2002 zur Kriegsgräberstätte nach Andilly in Frankreich. Zwei Wochen lang kümmerten sich die Helfer um das Gräberfeld, in dem fast 34 000 Gefallene ruhen.

2011 führte die Reise nach Böhönye in Ungarn. Seit Ende der 1980er Jahr befindet sich dort ein Sammel- und Zubettungsfriedhof. In den 1990er Jahren erfolgten weitere Zubettungen, sodass in Böhönye nunmehr 2080 deutsche Gefallene ruhen.  Foto: Alois Vetter
2011 führte die Reise nach Böhönye in Ungarn. Seit Ende der 1980er Jahr befindet sich dort ein Sammel- und Zubettungsfriedhof. In den 1990er Jahren erfolgten weitere Zubettungen, sodass in Böhönye nunmehr 2080 deutsche Gefallene ruhen. Foto: Alois Vetter

Die Aufgaben sind vielfältig und reichen von Rasen mähen und vertikutieren über Grabsteine und Denkmäler reinigen und befestigen bis hin zu Beetpflege und Strauchschnittarbeiten und Reparaturen aller Art, erzählt Vetter. Was zu erledigen ist, gibt in der Regel der zuständige Friedhofswärter vor. Das Team um Alois Vetter ging von Anfang an mit großem Engagement an die Arbeit. „In zwei Wochen kann man ordentlich was schaffen“, sagt Vetter und muss schmunzeln. Einmal, so erinnert er sich, musste die Truppe ihre Arbeit sogar vorzeitig abbrechen, weil die Verantwortlichen Sorge hatten, dass dem nachfolgenden Team keine Aufgaben mehr übrig blieben.

Die Ehrenstätte Quero hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in dreijähriger Bauzeit errichtet. Der Friedhof ist Ruhestätte von 3463 Gefallenen des Ersten Weltkrieges der deutschen und österreichisch-ungarischen Armee.  Foto: Alois Vetter
Die Ehrenstätte Quero hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in dreijähriger Bauzeit errichtet. Der Friedhof ist Ruhestätte von 3463 Gefallenen des Ersten Weltkrieges der deutschen und österreichisch-ungarischen Armee. Foto: Alois Vetter

Begeistert reagierten dagegen die Verantwortlichen des Soldatenfriedhofs im italienischen Quero auf den Arbeitseinsatz der Helfer aus dem Landkreis Regensburg. „Sie bedankten sich anschließend sogar schriftlich für unsere Hilfe und beteuerten, dass noch keine Mannschaft so fleißig war wie wir“, erzählt Alois Vetter lächelnd. Mittlerweile ist der Vorsitzende der KRK Pettendorf, so wie die meisten seiner Mitstreiter, bereits im Rentenalter. Doch zu Beginn der Aktion vor 17 Jahren standen fast alle noch im Beruf und mussten für den Kriegsgräbereinsatz ihren Urlaub opfern. Untergebracht sind die Helfer in der Regel in einer umliegenden Kaserne.

Gräberfeld mit 20 000 Kreuzen

Zeit, sich die Gegend anzuschauen, bleibt den freiwilligen Helfern während ihres zweiwöchigen Aufenthalts immer, denn: Ein Ausflugs- und Kulturprogramm gehört ebenfalls zu den Einsätzen, die der Volksbund finanziert. Doch manchmal sind es nicht die Sehenswürdigkeiten, sondern vielmehr kleine Episoden, die Vetter besonders in Erinnerung bleiben. Wie etwa die Gastfreundschaft, die ihnen 2011 bei ihrem Besuch in Böhönye im Südwesten von Ungarn entgegenschlug. Der Bürgermeister und die Bewohner des kleinen Ortes, südlich des Plattensees gelegen, luden die Helfer aus Deutschland ganz spontan zu Kesselgulasch und diversen Weinproben ein. Der Irrsinn des Krieges wurde Vetter bei seinem Einsatz im belgischen Lommel nachhaltig bewusst. „Die Dimension dieser Kriegsgräberstätte macht einen einfach nur sprachlos“, sagt er kopfschüttelnd. Auf dem 16 Hektar großen Gräberfeld stehen 20 000 Kreuze, fast 40 000 Tote sind dort begraben.

Zum Gedenken an die vielen Gefallenen der Kriege findet zum Abschluss eines Einsatzes im Ausland immer eine Totenehrung statt, zu der auch die Bevölkerung eingeladen ist. Diese Tradition, die fest mit den Krieger- und Reservistenkameradschaften verbunden ist, bildet heute Abend auch den Auftakt des Festaktes, mit dem die KRK Pettendorf ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Das Gedenken am Kriegerdenmal im Friedhof Pettendorf findet um 18.15 Uhr im Anschluss an den Gottesdienst in der Pfarrkirche statt. Danach feiert der Verein sein Jubiläum im kleinen Rahmen beim Mayerwirt.

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