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Natur

Sicherheit wichtiger als Bäume

Am Schwetzendorfer Weiher müssen Holzgewächse weichen. Die UwB/ödp fordert, dass Eingriffe vorab diskutiert werden.
Von Claudia Kreissl

Eine ganze Reihe von Bäumen rund um den Schwetzendorfer Weiher wurden bei einem Ortstermin im November letzten Jahres markiert und sollen jetzt gefällt werden. Foto: Kreissl
Eine ganze Reihe von Bäumen rund um den Schwetzendorfer Weiher wurden bei einem Ortstermin im November letzten Jahres markiert und sollen jetzt gefällt werden. Foto: Kreissl

Pettendorf.Kaum ein Thema erhitzte die Gemüter in den vergangenen Jahren mehr, als die regelmäßige Gehölzpflege im Gemeindegebiet und im Besonderen am Schwetzendorfer Weiher.

Auf Antrag der UwB/ödp-Fraktion beschäftigte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung gleich mehrfach mit diesem Thema. Schriftlich forderte die Fraktion die Einholung einer unabhängigen Zweitmeinung zu den geplanten Baumfällungen am Schwetzendorfer Weiher. Zum anderen sprach sie sich für ein langfristiges Pflegekonzept zugunsten des beliebten Badesees aus und beantragte eine künftige Beteiligung des Straßen- und Umweltausschusses vor dem Abholzen von ortsbildprägenden Bäumen.

Zur Vorgeschichte: Vor fast genau zwei Jahren hagelte es schroffe Kritik an Bürgermeister Eduard Obermeier. Grund war das massive Abholzen von Bäumen, Hecken und Büschen, vor allem im Uferbereich des Schwetzendorfer Weihers. Besonders der Anglerclub Pettendorf kritisierte damals die, seiner Ansicht nach durch die Rodung, entstandenen Nachteile für Badegäste, Naturschutz und nicht zuletzt für die Angler selbst.

Auf die Sicherheit berufen

Unter anderem sorgte sich der Verein um die verloren gegangenen Ruhe- und Rückzugsbereiche für den Fischbestand und die geringeren Chancen für Angler, einen Angelplatz zu finden, ohne mit den Badegästen in Kontakt zu kommen. Außerdem monierte der Verein, dass den Sägen auch eine Vielzahl von gesunden Bäumen und Sträuchern zum Opfer gefallen sei. Bürgermeister Obermeier und die Untere Naturschutzbehörde beriefen sich auf die Sicherheit der Badegäste. Außerdem bewertete das Landratsamt damals den Umfang der eingeschlagenen Flächen im Verhältnis zur Gesamtfläche der Gehölze als relativ gering. Wenige Monate nach den Pflegemaßnahmen am Schwetzendorfer Weiher reichte die UwB/ödp-Fraktion erstmals einen Antrag ein, künftig größere Pflegemaßnahmen vorab mit dem Straßen- und Umweltausschuss zu beraten und die Öffentlichkeit besser zu informieren.

Auch diese drei Erlen sollen beseitigt werden. Foto: Kreissl
Auch diese drei Erlen sollen beseitigt werden. Foto: Kreissl

Nach Ansicht von Gemeinderätin Muehlenberg sei die Informationspolitik vonseiten der Gemeinde allerdings auch heuer nicht ausreichend gewesen. „Während wir uns als Mitglieder des Straßen- und Umweltausschusses jeden wackeligen Kanaldeckel ansehen, werden wir bei umfangreichen Pflegemaßnahmen, wie am Schwetzendorfer Weiher, nicht beteiligt“, ärgerte sie sich und forderte, Umweltbelange auf eine Stufe mit dem Straßenbau zu setzen.

Im aktuellen Antragschreiben der UwB/ödp-Fraktion hieß es außerdem, dass einige der geplanten Baumfällungen nicht nachvollziehbar seien. Da der Schwetzendorfer Weiher nicht nur ein beliebtes Naherholungsgebiet sei, sondern auch ein seltener Lebensraum für wassergebundene Tier- und Pflanzenarten, ist nach Ansicht der UwB/ödp ein Pflegekonzept erforderlich. Im Einklang mit der Unteren Naturschutzbehörden könnten darin ökologische Aspekte und die Freizeitnutzung des Geländes aufeinander abgestimmt und angepasst werden. Bis dieses Pflegekonzept auf den Weg gebracht werden kann, baten die UwB/ödp-Räte darum, vor den angekündigten Baumfällmaßnahmen eine kompetente Zweitmeinung einzuholen.

Der Schwetzendorfer Weiher

  • Eigentum:

    Im Mai 1971 beschloss der Gemeinderat den Kauf des Schwetzendorfer Weihers, einschließlich der umliegenden Flächen, um das Gelände zu einem Naherholungszentrum auszubauen.

  • Freibad:

    Laut einem Gutachten bietet das Gelände Platz für rund 500 Badegäste. Anfang 1972 beginnen die Planungen für das Freibad.

  • Naherholungsverein:

    Der Naherholungsverein erklärt sich bereit, zehn Prozent der Grunderwerbskosten zu übernehmen. Im selben Jahr stellt die Gemeinde den Bauantrag und sichert zu, dass das Grundstück als Bade- und Erholungsgelände erhalten bleibt. 1977 wird eine Fläche von 3000 Quadratmeter als Wiese angelegt. Darüber werden 3054 Sträuchern und 75 Bäumen gepflanzt. (lck)

Nach Ansicht von Bürgermeister Obermeier ergibt sich das Pflegekonzept bereits aus den rechtlichen Vorgaben. „Der Weiher dient in erster Linie zur Naherholung als Freibad für die Menschen aus der Gemeinde und dem Raum Regensburg“, machte er deutlich. Eine Ausweitung von geschützten Biotopen sei dort unerwünscht, wo der Badebetrieb vorrangig ist, dies betreffe insbesondere den Bereich um das Kinderbecken, wo die Sichtbeziehung der Eltern zu ihrem Nachwuchs Vorrang habe. Auch im Bereich der Flöße sei ein Rückschnitt unabdingbar, da hier die Rutschfestigkeit gewährleistet werden müsse. Deutlich wurde Obermeier auch, was die geforderte unabhängige Zweitmeinung betrifft. In punkto Verkehrssicherungspflicht gebe es keinerlei Spielraum, stellte er fest, denn: „Wenn was passiert, dann ist die Gemeinde und im Besonderen der Bürgermeister in der Haftung. Da brauche ich keine Zweitmeinung, die mir rechtlich nix bringt.“

Nur die offizielle Markierungen

Die geplanten Pflegemaßnahmen wurden Mitte November festgelegt, führte Obermeier weiter aus. Entsprechend des UwB/ödp-Antrags vom Juli 2017 sei sowohl der Gemeinderat als auch der Anglerclub über die vorgesehenen und mit dem Landschaftspflegeverband abgestimmten Maßnahmen informiert worden. Obermeier betonte außerdem, dass lediglich die vom Landschaftspflegeverband markierten Bäume und Sträucher entfernt werden. Die von Unbekannten nachträglich angebrachten Markierungen würden bei den Pflegemaßnahmen selbstredend nicht berücksichtigt.

Richard Bosl (FW) kritisierte einige Formulierungen des UwB/ödp-Antrags, die seiner Ansicht nach darauf abzielen, die Gemeinde in ihrer Handlungsfähigkeit einzuschränken und darüber hinaus die Fachkompetenz der Unteren Naturschutzbehörde infrage stellen. Dieser Eindruck sei nicht gewollt, stellte Muehlenberg klar.

Der Wunsch auf Erstellung eines langfristigen Pflegekonzepts für den Schwetzendorfer Weiher wurde mit 4:9 Stimmen abgelehnt. Mit 11:2 Stimmen sprach sich das Gremium aber aus, dass der Straßen- und Umweltausschuss künftig vor dem Abholzen größerer Bäume oder ortsbildprägender Einzelbäume in Alleen oder Grünanlagen beteiligt wird. Keine Abstimmung erfolgte über das Einholen einer Zweitmeinung.

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