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Asyl

Vorbildlichem Lehrling droht Abschiebung

Die Ausländerbehörde droht dem jungen Mann, das Land verlassen zu müssen. Seine Arbeitskollegen wollen das nicht hinnehmen.
von Walter Schiessl

Zabihullah Adib und Michael Achhammer können nicht fassen, dass die Ausländerbehörde dem jungen Mann mit der Abschiebung droht. Foto: Schiessl
Zabihullah Adib und Michael Achhammer können nicht fassen, dass die Ausländerbehörde dem jungen Mann mit der Abschiebung droht. Foto: Schiessl

Pettendorf. In der Auto-Werkstätte von Michael Achhammer hat das Zittern eingesetzt. Denn Zabihullah Adib, den der Chef als einen der besten Lehrlinge bezeichnet, die er je hatte, könnte bald abgeschoben werden. Der junge Mann, von dessen Leistungen und Charakter alle 25 Mann des Betriebes, geradezu schwärmen, gehört zu der Vielzahl von afghanischen Flüchtlingen, denen – nachdem das Regensburger Verwaltungsgericht seine Klage auf Erteilung des Asyls abgewiesen hat – schon bald ein Abschiebeflug ins Haus steht.

Zukunft in den Sternen

Der seit 25 Jahren in Pettendorf beheimatete Betrieb von Michael Achhammer will das nicht hinnehmen. „Wir werden alles daran setzten, um unser Sahnehäubchen zu behalten“, sagt Michael Achhammer. Er und seine beiden Meister Roman Bildl (30) und Alexander Muth (27) erzählen von der Geschichte des Afghanen, der schon bei einem Praktikum vor zwei Jahren durch sein Interesse und seine Wissbegierigkeit so starken Eindruck hinterlassen hatte, dass ihn das Unternehmen vor eineinhalb Jahren einstellte. „Wir wurden nicht enttäuscht“, sagt der Chef. „Im Gegenteil, was Zabihullah Adib binnen kurzer Zeit dann schon konnte, das wollten wir zunächst gar nicht glauben“, sagt Alexander Muth. Der junge Afghane, der im September 2015 in die Bundesrepublik gekommen war, war auch in der Berufsschule schnell ein Ass. „Er hat nur Einser und Zweier im Zeugnis“, lobt der Chef. Auch seitens der Berufsschule gab es nur überaus positive Beurteilungen über den jungen Afghanen.

Lesen Sie hier einen Kommentar von Walter Schiessl:

Kommentar

Menschlichkeit vermisst

Der Apparat der Zentralen Ausländerbehörde der Oberpfalz macht in Sachen Flüchtlinge ganze Arbeit. Da werden bei den einen Abschiebungen durchgeführt und...

Der 20-Jährige vertraute wie alle anderen auf Worte der Politiker, die den Flüchtligen versicherten, sie hätten allerbeste Chancen, wenn sie sich integrierten und gute Leistungen brächten.

Genau das hat Zabihullah Adib gemacht. Er fühlt sich pudelwohl in der Firma, versteht sich mit den Kollegen bestens und hat vor zwei Monaten sogar eine eigene Wohnung in Hainsacker gefunden, von der aus er jeden Tag mit dem Fahrrad zu seiner Arbeitsstätte kommt. „In der Firma fühle ich mich gut integriert“, sagt der 20-Jährige, der sowohl beim Lauftreff in Hainsacker, als auch bei Wettbewerben wie dem MZ-Landkreislauf oder dem Spindellauf für seine Firma am Start war.

„Wenn ich das höre, geht mir die Galle hoch!“

Michael Achhammer, Chef des Flüchtlings

Doch so gut der berufliche Erfolg auch geschätzt wird, über seiner Zukunft in der Bundesrepublik steht ein dickes Fragezeichen. Seinen Antrag, den für den damals noch Minderjährigen die Kolping-Jugendhilfe der Diözese gestellt hatte, beschied das Bundesamt für Migration negativ. Die dagegen von ihm beim Verwaltungsgericht eingereichte Klage wurde abgewiesen. Der negative Bescheid des Bundesamts sei rechtmäßig und verletze Zabihullah Adib nicht in seinen Rechten, er erfülle nicht die Voraussetzungen für die Anerkennung als Asylberechtigter, befand das Gericht, weshalb auch die Abschiebeandrohung und die Ausreiseaufforderung nicht zu beanstanden seien.

Asyl

Berufsschüler kämpfen gegen Abschiebung

Der junge Afghane Abdulsami Naderi soll abgeschoben werden. Das wollen die Schüler der FOSBOS Regensburg verhindern.

Michael Achhammer könnte die Galle hochgehen, so sagt er, wenn er das höre. „Da wird von der Garantie geredet, dass die Ausbildung auf alle Fälle absolviert werden kann und dann liest man auf Adibs Ausweis, dass dies von den Behörden zu jedem beliebigen Zeitpunkt beendet werden kann“, moniert der Kfz-Meister.

Die Beamten der Regierung oder des Landratsamts sollten sich mal überlegen, was sie bei dem Afghanen anrichten, sagt Michael Achhammer. Jeder Brief, den Adib erhalte, könne somit das Aus für ihn in der Bundesrepublik bedeuten. Erst unlängst bekam der 20-Jährige einen Brief, in dem er auf seine Ausreisepflicht hingewiesen wurde. „Gegen Sie besteht eine Ausreiseaufforderung und Abschiebeandrohung. Sie sind deshalb zur Ausreise aus der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet“, wurde ihm von der Behörde, die dem Regierungspräsidenten Axel Bartelts unterstellt ist, unmissverständlich mitgeteilt.

Stark machen für den Lehrling

Er wurde von einem Regierungsangestellten in die zentrale Ausländerbehörde (ZAB) einbestellt. Der Termin geht heute, 8 Uhr, in der Bajuwarenstraße über die Bühne. Von der Pressestelle hieß es auf Anfrage der MZ, in der Zentralen Ausländerbehörde fänden regelmäßig standardisierte Termine und Befragungen im Rahmen ausländerrechtlicher Verfahren statt.

Michael Achhammer und seiner ganzen Mannschaft will es nicht in den Sinn, dass die Oberpfälzer Regierung solchen Druck auf junge Leute mache, statt sie in Ruhe ihre Ausbildung zu Ende führen zu lassen. Nahezu alle Handwerks-, Industrie- und Gastrobetriebe hätten sich für die Ausbildung junger Flüchtlinge stark gemacht, doch die Politiker und vor allem die Behörden ließen sie im Regen stehen. „Da verliert man wirklich den Glauben an diese Leute“, sagt Michael Achhammer, der aber alle Hebel in Bewegung setzten will, um Abid Zabihullah das Bleiben zu ermöglichen.

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