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Umwelt

Grüner Schutz vor Überschwemmung

Das Projekt „boden:ständig“ soll verhindern, dass Starkregen Dörfer wie Rogging und Pfakofen überschwemmt. Es hat Erfolg.
Von Michael Jaumann, MZ

  • Bei Starkregen im Frühjahr schießt das Wasser über die Felder nach Pfakofen und Rogging. Erst die Häuser in den Dörfern bremsen die schlammigen Fluten und richten große Schäden an. Archivfoto: Weigl
  • Als Flutmulde kann dieser Acker bei Starkregen Erosion verhindern. Foto. Jaumann

Pfakofen.Wenn im Mai über Pfakofen Gewitterwolken aufziehen, dann verdüstert sich die Stimmung von Bürgermeister Reinhold Winter. Er weiß, wie es ist, wenn sich der Himmel auftut, das Regenwasser auf noch leeren Kartoffel- und Maisfeldern keinen Halt findet und sich schließlich als Schlammflut über die Hänge her nach Pfakofen und Rogging ergießt. 50 000 Euro Schaden richtete der Starkregen vor zwei Jahren in den Dörfern an.

Auch Nachbarbürgermeister Johann Jurgovsky kennt das Problem des Hochwassers, wo man eigentlich keines vermuten würde. Etwa in Hellkofen. 60 Menschen leben in dem kleinen Dorf in einer Talmulde. Nur ein Bächlein fließt durch das Dorf, das von intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen eingeschlossen ist. Auch hier schießen mitunter Wasser und Erde von den Hängen und verschlammen Höfe und Häuser.

Pufferstreifen schützen Dörfer

Inzwischen fürchtet Bürgermeister Winter Unwetter nicht mehr so wie früher. Grund ist unter anderem das „Erosionsschutzstreifen“-Programm, das die Gemeinde aufgelegt hat. Mit 15 Cent pro Quadratmeter honoriert es die Gemeinde, wenn Landwirte in bestimmten Randlagen vor der Ansaat von Mais, Zuckerrüben oder Kartoffeln einen Pufferstreifen anlegen. Rund 2500 Euro hat das die Gemeinde 2015 gekostet.

Gut angelegtes Geld, findet der Bürgermeister. Denn mit dem Klimawandel sei zu rechnen, dass immer mehr Niederschläge als heftige Regenereignisse auf den Boden treffen, wie Landrätin Tanja Schweiger jetzt bei einem Bilanztreffen der Initiative „boden:ständig“ am Ortsrand von Rogging ausführte.

Kommunen, Behörden und Landwirte ziehen beim Projekt „boden:ständig“ an einem Strang.
Kommunen, Behörden und Landwirte ziehen beim Projekt „boden:ständig“ an einem Strang. Foto: Jaumann

Das Allheilmittel bauliche Lösung als Schutz vor Hochwasser hat mit „boden:ständig“ Zuwachs bekommen. Das Projekt trägt dem Umstand Rechnung, dass jede Maßnahme einer Fachstelle oder Behörde in der Landschaft wieder Auswirkungen auf eine andere hat. Vor Hochwässern schütze daher nur unbürokratisches Miteinander von Bürgermeistern und Landwirten, Fachplanern und Behörden, ist Thomas Gollwitzer, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) der Oberpfalz, überzeugt.

Problematische Lagen entschärft

Die Entwicklungsämter haben die Federführung von inzwischen 37 Projekten zum Erosions-, Hochwasser- und Gewässerschutz in Bayern übernommen. Sechs davon sind in der Oberpfalz angesiedelt. Dazu zählt das „boden:ständig“-Projekt im Tal der Großen Laber zwischen Pfakofen und Schierling, wo im Auftrag des ALE der Landschaftspflegeverband seit Beginn vergangenen Jahres die fachübergreifenden Anstrengungen betreut. „Das Labertalprojekt hat seither bayernweit herausragende Ideen und Lösungsansätze hervorgebracht“, freut sich Baudirektor Gollwitzer.

„Das Labertalprojekt hat seither bayernweit herausragende Ideen und Lösungsansätze hervorgebracht.“

Thomas Gollwitzer

Neben dem Pfakofener Gemeinde-Programm zählt er dazu das Bodenmanagement, mit dem Gemeinden Flächen in ihrem Besitz gegen andere tauschen und so an strategisch günstige Areale für Rückhaltemaßnahmen kommen. Diese Flächen, weiß Schierlings Bürgermeister Christian Kiendl, können den Gemeinden zudem als ökologische Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen dienen. „Durch die Kombination von ökologischem Ausgleich mit Wasserrückhaltung kann auch der Verlust von landwirtschaftlichen Flächen reduziert werden“, betont Martina Prielmeier vom Landschaftspflegeverband.

„Besonders erfolgreich“, so Prielmeier, war man in Schierling und Pfakofen in der Agrarberatung. Erosionsmindernde Maßnahmen auf den Äckern, aber auch Gewässerschutzstreifen, könnten den Oberflächenabfluss enorm vermindern. Mit intensiver, gezielter Beratung von Landwirten konnten viele problematische Lagen dadurch „entschärft“ werden, dass auf inzwischen 37 Flurstücken Winterbegrünung und Mulchsaatverfahren zum Einsatz kommen.

Der Schutz vor Überschwemmungen muss keineswegs dazu führen, dass Äcker aus der Nutzung fallen – sofern die Landwirte mitspielen. So kann etwa durch Weghöherlegung mit Drosselauslauf das Wasser bei Starkregen kurzzeitig auf den Äckern aufgehalten werden. Der Boden wird nicht ins Tal geschwemmt, sondern auf dem Acker abgelagert. Im Frühjahr richte eine kurzeitige Überschwemmung keine Schäden an, meint Bürgermeister Winter. Und wenn, könne man den Schaden ersetzen. „Wenn da wirklich mal das Wasser steht… Mein Gott…“, zeigt sich ein beteiligter Landwirt offen. „Der Boden ist unser wertvollstes Gut“, sagt ein anderer. „Wenn der Boden durch Erosion weg ist, ist auch unsere Grundlage weg.“

Die bisher eingeleiteten Maßnahmen zeigen Wirkung, freut sich Bürgermeister Winter. Starkregen richtete im vergangenen Jahr keine Schäden in seinen Dörfern an.

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