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Zuflucht

Brandschutz verzögert Flüchtlingsaufnahme

Bauordnungsvorschriften werden von Hausbesitzern oft unterschätzt. Vor dem Einzug von Asylbewerbern muss viel gemacht werden.
von Walter Schiessl, MZ

Im Wörther Rosenhof hat Besitzer Cemal Akkaya schon 50 000 Euro für den Brandschutz ausgegeben. Weitere 50 000 Euro folgen. Auf unserem Bild zeigt eine Frau aus Äthiopien auf die Beschilderung.
Im Wörther Rosenhof hat Besitzer Cemal Akkaya schon 50 000 Euro für den Brandschutz ausgegeben. Weitere 50 000 Euro folgen. Auf unserem Bild zeigt eine Frau aus Äthiopien auf die Beschilderung.Fotos: Schießl

Pfatter. Die Zahl der Asylbewerber steigt weiter – auch im Landkreis Regensburg. Gebäude, die das Landratsamt zu deren Unterbringung mieten oder gar erwerben kann, gibt es nicht allzu viele. Umso betrüblicher ist es, wenn sich die Einmietung verzögert – etwa durch die Installation von aufwendigem Brandschutz.

In der Gemeinde Pfatter gibt es diesen Fall. Thomas Stehr, Sohn eines Gastwirtsehepaars, hatte das Obergeschoss des Landgasthofs Fischer im Vorjahr dem Landratsamt zur Unterbringung von Asylbewerben angeboten. Bis zu 21 Flüchtlinge könnten in den Räumlichkeiten untergebracht werden. Die Stehrs und die Behördenvertreter waren sich auch schnell einig, nur der Brandschutz war noch „etwas zu verbessern“. Doch bis zur Umsetzung verstrich eine lange Zeit. Erst jetzt gab die Behörde ihr „o.k.“, die Asylbewerber werden nun aber bald einziehen können.

Um den ’Brandschutz zu gewährleisten, fand eine Begehung des Gebäudes mit der Bauabteilung des Landratsamtes sowie Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer statt. Es kommt nicht selten vor, dass die Einhaltung der Vorschriften von Hausbesitzern unterschätzt wird, war zu erfahren.

Das „Ja“ der Behörde

„Es waren in Pfatter aber keine allzu großen Veränderungen, die getätigt werden mussten“, erinnert sich Scheuerer, nur an der Außentüre musste das Schloss geändert werden, weiter waren eine Türe, die den Weg zum Gasthaus öffnet, zu erneuern und die Beschilderung zu verbessern. Rauchmelder hatte ohnehin jedes Zimmer bereits im Vorfeld erhalten. „Alles ist gemacht“, vermeldete Inhaberin Gabi Stehr, bei einem nachträglichem Termin habe man auch das „Placet“ der Kreisbehörde dann erhalten.

„Der Brandschutz ergibt sich aus der Bauordnung“, lässt Wolfgang Scheuerer wissen. Dafür, dass das Gesetz eingehalten wird, sorgt im Landkreis Regensburg das Landratsamt, dessen Bauabteilung die Räumlichkeiten im Falle großer Veränderungen abnimmt. Unter anderem ist vorgeschrieben, dass für jeden Beherbergungsraum mindestens zwei voneinander unabhängige Rettungswege vorhanden sein müssen. Sie dürfen jedoch innerhalb eines Geschosses über denselben notwendigen Flur führen.

Der erste Rettungsweg müsse für Beherbergungsräume, die nicht zu ebener Erde liegen, über eine Treppe führen, der zweite Rettungsweg über eine weitere Treppe oder eine Außentreppe. An den Abzweigungen an den Zugängen zu Treppenhäusern oder an den Ausgängen ins Freie ist durch Sicherheitszeichen auf die Ausgänge hinzuweisen. „Diese müssen beleuchtet sein“, heißt es in der Vorschrift.

Feuerhemmende, rauchdichte und selbstschließende Türen müssen vorhanden sein in Öffnungen von Treppenräumen, wird in der Bauordnung gefordert. Weiter müssten tragende Wände, Stützen und Decken müssen feuerbeständig oder feuerhemmend sein. „Die brandschutzrechtlichen Maßnahmen im Gasthof Fischer in Pfatter sind mittlerweile durchgeführt worden. Die Unterkunft kann somit mit Asylbewerbern belegt werden“, ließ Markus Roth, der Pressesprecher der Kreisbehörde, gestern verlauten. Ab wann es zu einer Belegung kommt, hänge von der Zuweisung der Asylbewerber durch die Regierung der Oberpfalz ab.

Große Investitionen erforderlich

In Wörth kann Cemal Akkaya, der Besitzer des Hotels Rosenhof, ein Lied vom Aufwand, die Veränderungen einzubauen, singen. „Gut 100 000 Euro muss ich in zehn Jahren investieren“, sagt der Gastronom, der das ganze Hotel an das Landratsamt zur Unterbringung von Asylbewerben vermietet hat. Denn es sei ja nicht damit getan, das Haus mit den Meldeanlagen und der Beschilderung auszustatten, es müsse zudem ein Vertrag mit einer Firma geschlossen werden, die eine jährliche Prüfung vornimmt. „Auch das kostet wieder Geld“, sagt Cemal Akkaya.

Die Pfatterer Wirtin Gabi Stehr sieht in der langen Zeitspanne auch etwas Gutes.- „Wir konnten unser Personal länger auf die Asylbewerber einstellen“, sagt die Gastronomin. Und das sei ja nicht schlecht, wenn man einige Themen schon vor dem Einzug erörtert habe.

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