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Natur

Ein Zaun schützt Brachvögel

1982 war die Art „Vogel des Jahres“. Heute ist der Bestand gefährdet. Helfer bemühen sich bei Wörth um das Überleben.
von Jonas Schriefer

Seltener Anblick: Eine Gruppe Brachvögel auf einer Wiese. Die langen Schnäbel helfen den Vögeln bei ihrer Nahrungssuche.Foto: ANDREAS HARTL (LBV-Bildarchiv)
Seltener Anblick: Eine Gruppe Brachvögel auf einer Wiese. Die langen Schnäbel helfen den Vögeln bei ihrer Nahrungssuche.Foto: ANDREAS HARTL (LBV-Bildarchiv)

Pfatter.Am Samstag startet der Landesbund für Vogelschutz (LBV) Regensburg seine jährliche Aktion zum Schutz der im Donautal heimischen Großen Brachvögeln. In den Naturschutzgebieten Stöcklwörth und Gmünder Au werden von freiwilligen Helfern zwei jeweils ungefähr 20 Hektar große Areale mit einem Elektrozaun abgesteckt.

Das Projekt wird von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung Oberpfalz geleitet und zum Teil finanziert. Ein Zaun für Vögel mag vielleicht merkwürdig klingen, erfüllt aber seinen Zweck: Denn Brachvögel sind Wiesenbrüter und ohne den Zaun sind die Nester ihren Fressfeinden schutzlos ausgeliefert.

Helfer bauen einen Elektrozaun im Brutgebiet auf. Foto: W. Nerb (LBV-Bildarchiv)
Helfer bauen einen Elektrozaun im Brutgebiet auf. Foto: W. Nerb (LBV-Bildarchiv)

Wegen Nesträubern, dem Verschwinden ihrer natürlichen Lebensräume und anderen Bedrohungen sind die Vögel mittlerweile ein seltener Anblick geworden.

Die bis zu 60 cm großen, zur Familie der Schnepfenvögel gehörenden Tiere, leben in Feuchtwiesen und Mooren. Während der Brutzeit bevorzugen sie großflächiges, offenes und gut überschaubares Gelände. Im Winter fliegen die Zugvögel an Küsten in wärmere Gebiete, meist nach Süd- und Westeuropa.

Vom Ausserben bedroht

Der Brachvogel ist stark gefährdet. Doch lange blieben die Alarmglocken der Vogelschützer still. Der stellvertretende Vorsitzende des LBV, Hajo Drießle, erinnert sich: „Weil die Vögel bis zu 30 Jahre alt werden, haben wir lange nicht bemerkt, dass sie aussterben“, berichtet er. Erst durch genauere Beobachtungen von anderen LBV-Mitgliedern wurde klar, dass die Tiere bedroht sind.

Verbreitung und Verhalten der Brachvögel

  • Vorhaben:

    Der Zaun soll die Vögel in erster Linie vor Fressfeinden schützen. Zusätzlich findet eine sogenannte „Staffelmahd“ statt. Bei diesem Verfahren, wird nicht eine gesamte Wiese auf ein mal gemäht, sondern stückweise. „Die Brachvögel leiden unter einer intensiven Landwirtschaft, da arbeiten wir mit Landwirten auch zusammen“, erklärt Christoph Bauer. Ziel der Maßnahmen ist eine langfristige Reproduktionsrate von mindestens 0,4 bis 0,6 Jungvögeln pro Brutpaar. Dann würde der Bestand der Großen Brachvögel auch auf lange Sicht erhalten bleiben.

  • Bilanz:

    Seit 2011 umzäunen die Vogelschützer nun schon die Brutplätze der Wiesenbrüter. Mit Erfolg: Aus Statistiken des LBV geht hervor, dass durch diese Methode von 2011-2017 in den Donauauen 72 Jungvögel flügge, also flugfähig, gworden sind. „Wir haben mittlerweile im Schnitt 1,75 Jungvögel pro Brutpaar im Jahr“, erzählt Hajo Drießle. Ohne die Unterstützung des LBV ging diese Zahl vorher oft gen 0. Auch wenn nicht alle Brachvögel nach ihrer Winterreise wieder in die heimischen Brutgebiete zurrückkehren, hofft Drießle, dass die Population weiterhin wachsen wird.

Obwohl nach Informationen des LBV in Bayern noch knapp 500 Brutpaare heimisch sind, ist das Problem der Brachvögel enorm: „Sie schaffen es meist nicht, dass die Jungvögel heranwachsen“, erklärt Drießle. Mittlerweile werden sie nach der Roten Liste für Brutvögel in die Kategorie 1 eingestuft, also „vom Aussterben bedroht“. Um auch in den Wintermonaten ein Auge auf seine Schützlinge zu haben, nutzt der LBV neuste Technik: „Einige ausgewählte Brachvögel werden besendert.

„Sie schaffen es meist nicht, dass die Jungvögel heranwachsen.“

Hajo Drießle, LBV

So können wir ihre Flugroute nachverfolgen“, erklärt Christoph Bauer, Leiter der Bezirksgeschäftsstelle Oberpfalz. Beim „Besendern“ werden die Vögel mit einem kleinen Rucksack, der einen solarbetriebenen Sender enthält, bestückt.

So kann der LBV live die Reise der Vögel nach Spanien, Portugal und Marokko mitverfolgen und mehr Informationen über das Leben der Tiere gewinnen. Die Datensammlung hat auch zum Ziel, Zuggefährdungen und Todesursachen der Vögel zu erkennen und vorzubeugen. Bis 2023, dem Ende der Laufzeit des Projektes, sollen insgesamt 30 Vögel aus Bayern mit dem Hightech-Solarrucksacken ausgestattet sein.

Brachvogel hat viele Feinde

Der gefährlichste Fressfeind des Brachvogels ist heutzutage der Fuchs. Der LBV hat eine Theorie für den Grund in dieser Region: „Wir nehmen an, dass durch den Donauausbau das Gebiet trockener geworden ist. Dadurch haben sich nun Mäuse angesiedelt und der Fuchs hat deshalb sein Revier dorthin ausgeweitet“, vermutet der stellvertretende Vorsitzende. Sicher ist, dass der Fuchs und andere Wildtiere, wie zum Beispiel Marder und Wildschweine, den Bestand der Brachvögel hier stark gefährden.

Auch die Natur meinte es nicht immer gut mit den Bodenbrütern. 2013 vernichtete ein Hochwasser einen Großteil der Brut. Nur sechs Jungvögel konnten gerettet werden. 2017 sorgte eine zweiwöchige Kältewelle im April dafür, das es keinen Nachwuchs im Stöcklwörth gab.

„Wir sperren damit auch die Hunde der Spaziergänger aus, die dort oft ohne Leine herumlaufen. Denn wenn die Hunde zu nahe kommen, flüchten die Altvögel vom Nest.“

Hajo Drießle, LBV

Doch nicht nur Fressfeinde und Naturereignisse sind der Grund, weshalb die Brachvögel vom Aussterben bedroht sind. Der Elektrozaun hat noch einen weiteren Grund: „Wir sperren damit auch die Hunde der Spaziergänger aus, die dort oft ohne Leine herumlaufen. Denn wenn die Hunde zu nahe kommen, flüchten die Altvögel vom Nest“, mahnt Drießle.

Eigentlich herrscht in den Naturschutzgebieten Stöcklwörth und Gmünder Au, in denen das Habitat der Vögel ist, Leinenpflicht für Hunde. Viele Besitzer lassen ihre Vierbeiner trotzdem frei über die Wiesen rennen und gefährden damit – wenn auch nicht absichtlich – den Nachwuchs der Brachvögel.

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