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Polizei

„Mohamed G. war oben in der Hierarchie“

Einem Asylbewerber aus Pfatter wird das Einschleusen von Flüchtlingen vorgeworfen. Er soll alte Schiffe gekauft haben.
Von Walter Schiessl, MZ

1766 Flüchtlinge kamen von der Türkei nach Italien. Mohamed G. hatte die alten Kutter gekauft.
1766 Flüchtlinge kamen von der Türkei nach Italien. Mohamed G. hatte die alten Kutter gekauft. Foto: dpa

Pfatter.Der 35-jährige Syrer, der am Mittwochmorgen von der Bundespolizei in der Asylbewerberunterkunft verhaftet wurde, hat offenbar viel auf dem Kerbholz. Dem Araber wird von der Generalstaatsanwalt in Dresden vorgeworfen, schrottreife Schiffe geordert zu haben, mit denen an die 600 Flüchtlinge von Mersin in der Türkei nach Italien übersetzten. „Der Asylbewerber aus Pfatter hat es in Kauf genommen, dass die Flüchtlinge ihrem Schicksal überlassen wurden“, sagt der Pressesprecher, Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein. Der Vorwurf der Generalstaatsanwaltschaft lautet, gewerbsmäßige Einschleusungen von Ausländern begangen zu haben. Eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren sieht das Strafgesetz dafür vor. Der Syrer sitzt nun in der Justizvollzugsanstalt Dresden ein.

Mohamed G. gehörte mutmaßlich zu einer Bande, die aus fünf gleichzeitig in der Bundesrepublik verhafteten Asylbewerbern und zehn Türken bestand, die ebenfalls am Mittwochmorgen dingfest gemacht wurden. Gegen zehn weitere Türken laufen noch Ermittlungen, sagt der Oberstaatsanwalt.

„Man stößt wie bei einem Puzzlespiel auf Details!“

Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein

Ein Schlag gegen eine Schleusergruppe, bei dem fast eine ganze Bande ins Netz geht, gelingt den Strafverfolgern höchst selten. „Die Ermittlungen begannen mit Verhören der italienischen Polizei von Flüchtlingen, die auf dem Schiff bei Sizilien ankamen“, erzählt Wolfgang Klein von der Generalstaatsanwaltschaft. Nach und nach sei man wie bei einem Puzzlespiel auf Details gestoßen, bis man schließlich die Namen hatte. Der Gang wird vorgeworfen, im Dezember 2014 insgesamt drei Schiffe mit 1766 Flüchtlingen losgeschickt zu haben. Die Kutter waren in einem katastrophalen Zustand, an Bord herrschten allerschlimmste hygienische Verhältnisse, fanden die Strafverfolger heraus.

Jedes Mitglied der Schlepper-Bande hatte seinen Aufgabenbereich. „Der in Pfatter lebende Syrer war in einer Art Logistik eingesetzt, er kaufte die Schiffe für einen geringen Preis und heuerte dann die Besatzung an“, so Wolfgang Klein weiter. In der Hierarchie sei Mohamed G. somit weit oben gewesen. Er solle auch die Facebook-Profile, auf denen die Flüchtlinge angelockt wurden, erstellt haben. Jeder der Flüchtlinge, die überwiegend aus Syrien kamen, musste für die Überfahrt offenbar zwischen 4800 und 6000 US-Dollar in bar bezahlen, ehe er an Bord durfte. Der Pfatterer Asylbewerber dürfte bis zu seiner Verhaftung im Internet aktiv gewesen sein und soll weitere Flüchtlinge für Überfahrten auf maroden Schiffen geworben haben.

Bei den vier ebenfalls in der Bundesrepublik verhafteten Straftätern handelt es sich um Syrer. „Bei einem Mann ist die Identität noch offen“, lässt Wolfgang Klein wissen. Die Führung der Bande saß aber wohl in der Türkei, die in Deutschland dingfest gemachten Komplizen seien Beteiligte auf hohem Niveau gewesen.

Die Pfatterer, die am Mittwochmorgen den großen Polizeieinsatz, an dem auch die GSG9 beteiligt war, mitbekamen, konnten zunächst gar nicht glauben, dass Mohamed G. zu einer Schlepperbande gehört haben soll. Betrogen von Mohameds G. fühlen sich die anderen Asylbewerber.

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