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Umwelt

Neue Sicht auf die Polder

Die Flutpolder schienen vom Tisch, nun stehen sie wieder zur Debatte: Der Landkreis holte jetzt einen Fachmann nach Pfatter.
Von Petra Schmid

Die Flutpolder im Landkreis Regensburg sorgten seit Jahren immer wieder für Proteste – wie hier in Barbing im Sommer 2015. Foto: Andreas Gebert/dpa
Die Flutpolder im Landkreis Regensburg sorgten seit Jahren immer wieder für Proteste – wie hier in Barbing im Sommer 2015. Foto: Andreas Gebert/dpa

Pfatter.Die geplanten Flutpolder Eltheim und Wörthhof erregen die Gemüter der Bürger in den betroffenen Regionen. Der Landkreis Regensburg lud nun zu einer Bürgerinformationsveranstaltung in den Saal des Landgasthofs Fischer ein. Die Plätze reichten nicht aus, um alle Interessierten unterzubringen. Etliche hatten sich Stühle dazugestellt, um den Ausführungen von Prof. Dr. Ing. Andreas Malcherek folgen zu können. Der Experte erläuterte die ersten Ergebnisse des vorgelegten Grundwasser-Modells. Dabei verwies er mehrfach darauf, dass das Gutachten seiner Ansicht nach unvollständig sei und deshalb auch nicht abschließend von ihm bewertet werden könne.

Koch macht seinem Ärger Luft

Zuvor hatte Harald Hillebrand hervorgehoben, dass das Interesse der Bürger sehr groß sei, denn bereits um 18.15 Uhr seien die ersten Gäste gekommen, obwohl der Beginn der Veranstaltung erst für 19 Uhr anberaumt gewesen sei. Im Anschluss betonte Bürgermeister Jürgen Koch, dass er und die Bürger enttäuscht seien, dass das Thema Polder nicht vom Tisch ist. Das bei den Koalitionsverhandlungen umgesetzte Wahlversprechen „Weg mit den Poldern“ habe nur kurz für Freude gesorgt. Man stelle sich nun die Frage, ob für Politiker Verträge keinen Wert hätten und ob man die Einhaltung nur vom Bürger fordere, kritisierte er.

Prof. Dr. Ing. Andreas Malcherek forderte in der Debatte einen neuen Begriff zu prägen: die „Hochwassergerechtigkeit“. Foto: Petra Schmid
Prof. Dr. Ing. Andreas Malcherek forderte in der Debatte einen neuen Begriff zu prägen: die „Hochwassergerechtigkeit“. Foto: Petra Schmid

Die Region sei unter anderem mit Autobahnausbau, Mero-Leitung, Grundwasserproblemen und Kiesabbau wohl noch nicht geplagt genug, fragte er provokant. „Was will man uns denn noch zumuten“, fragte der Rathauschef weiter. Man solle die Millionen Euro nicht für Flutpolder investieren, sondern dort, wo das Hochwasser entstehe, forderte Koch. Nach der Abstimmung des Kreistages für die Resolution (die MZ berichtete) müsse man weiter zusammenhalten, appellierte der Bürgermeister .

Landrätin Tanja Schweiger stieß ins gleiche Horn und bat mehrfach darum, weiterhin geschlossen hinter der Sache zu stehen. Zuvor hatte sie eingeräumt, dass es ihr schwerfalle die richtigen Worte zu finden, wenn sie in die Gesichter derjenigen schaue, die sich schon seit vielen Jahren engagieren würden. Sie bleibe dabei, dass schon im Sommer genug Informationen vorgelegen hätten, auf deren Grundlage man den Bürgern die Notwendigkeit der Polder nicht vermitteln könne.

Alle Berichte über die Flutpolder finden Sie in unserem Dossier!

Großer Aufwand, kaum Nutzen

Die Landrätin übergab das Wort an den Experten Prof. Malcherek. Dieser hob hervor, dass man davon ausgehen müsse, dass die Hochwassersituation sich tatsächlich verschärfe. Als Ursache nannte er hier den Klimawandel und den Flächenverbrauch. „Wir müssen uns um das Hochwasser und um das Grundwasser mehr kümmern“, forderte der Fachmann. Man müsse einen neuen Begriff prägen und zwar sei dies die „Hochwassergerechtigkeit“. Denn für ihn sei die entscheidende Frage, was ist gerechtfertigt in Bezug auf die minimale Reduzierung der Hochwasserstände, die man durch die geplanten Flutpolder erzielen könne. Die Wasserstands-Reduktion liege mit Polder in Deggendorf bei rund zehn Zentimetern, in Vilshofen bei rund drei Zentimetern und in Passau sei sie nicht mehr messbar.

Streit

Polder: Appell an Niederbayern

Die Poldergegner aus dem Landkreis Regensburg beklagen Versäumnisse in Niederbayern beim Hochwasserschutz.

Er verwies darauf, dass die Polder an etwa vier Tagen in 100 Jahren geflutet werden müssten, aber dauerhaft errichtet seien. Auch die Auswirkungen auf den Grundwasserstand seien dauerhaft, hob Malcherek hervor. Mehrmals betonte er, dass die vorgestellten Berechnungen dem Gutachten entnommen seien und nicht von ihm stammen würden. Auch mit Alternativen für die Polder beschäftigte er sich. Man sei dabei, die Möglichkeit, die Hochwasserproblematik mittels eines Staustufenmanagements in den Griff zu bekommen, näher zu untersuchen.

Die Ausführungen wurden interessiert verfolgt, die Nachfragen waren allerdings gering. Unter anderem wurde von einem Bürger angesprochen, ob man hier Kosten und Nutzen schon einmal abgewogen habe. Markus Hörner von der IG Flutpolder forderte, dass die Wasserwirtschaft einen umfassenden Untersuchungsplan zur Klärung der Kosten- und Nutzenfrage aufstellen müsse. Er sei froh, dass Prof. Malcherek das Thema beleuchtet habe, sagte er abschließend.

Mehr Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

So geht es weiter

  • Resolution:

    Einstimmig stimmte der Kreistag Regensburg einer Resolution in Sachen Hochwasserschutz zu. Das dreiseitige Schreiben wurde auf Initiative der Interessengemeinschaft Flutpolder in den Kreistag eingebracht und wird von den Fraktionen getragen.

  • Argumente:

    In dem Schreiben wird betont, dass die Donauanlieger seit dem Hochwasserschutz an der Donau und dem Bau des Rhein-Main-Donaukanals mit deutlich erhöhten Grundwasserständen und verbundenen Konsequenzen leben müssten.

  • Hilfe:

    Das Schreiben soll sowohl an die Staatskanzlei nach München zu Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gesandt werden als auch an Umweltminister Thorsten Glauber und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (beide Freie Wähler), hieß es im Kreistag.

  • Vorschlag:

    Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer schlug vor, Umweltminister Thorsten Glauber einzuladen, damit er mit den Bürgern hier vor Ort in Dialog treten könne. Denn nur so könne man die Menschen einbinden, die betroffen seien.

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