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Streit

Oldtimerfans seit Jahren ausgesperrt

Den Denglinger Fans alter Maschinen bleibt der Gang zu den alten Geräten verwehrt. Sie hoffen auf Verständnis beim Besitzer.
von Walter Schiessl

Die Oldtimerfreunde stehen im Johannishof vor verschlossenen Türen. Foto: Walter Schießl
Die Oldtimerfreunde stehen im Johannishof vor verschlossenen Türen. Foto: Walter Schießl

Pfatter.Bei den Denglinger Oldtimerfreunden sitzt der Grant tief, denn sie können seit nun fast schon fünf Jahren nicht an ihre alten Geräte, die sie im Gutshof von St. Johann eingelagert haben Der Hausbesitzer, der das Gebäude 2015 gekauft hatte, nun aber seit kurzer Zeit wieder loshaben will, lässt den Verein nicht zu den alten Leiterwägen, Pflügen und Mähgeräten, denn, so ließ er die Mannen um Vorsitzenden Hans Jeserer wissen, er habe den Gutshof vom Straubinger Kiesunternehmer Wolf samt allen Utensilien gekauft.

Die Oldtimerfreunde schmerzt die Situation gewaltig. „Wir dürfen nicht in die alte Scheune, in der unsere Gerätschaften deponiert sind“, sagt Hans Jeserer, seines Zeichens altgedienter FDP-Kreisrat. Er zählt mit dem Wörther Alteisensammler und Original Martin Stierstorfer zu den Chef-Manangern des Vereins, der sich seit fast 30 Jahren dem Sammeln alter Gefährte, Maschinen und bäuerlichen Dingen verschrieben hat. Die Oldtimerfreude hatten in diesen fast drei Jahrzehnten ein stattliches Lager angesammelt, für das sie Scheunen in Dengling, Mötzing und eben auch beim Johannishof nutzten.

Graf Lerchenfeld erlaubte die Lagerung

In der Scheune sind die alten Geräte der Oldtimerfreunde eingelagert. Foto: Walter Schießl
In der Scheune sind die alten Geräte der Oldtimerfreunde eingelagert. Foto: Walter Schießl

Die Geschichte des historischen, unter Denkmalschutz stehenden alten Gutshofs, der einst zusammen mit dem Jagdschloss St. Johann dem Grafen von Lerchenfeld gehörte, geht weit zurück. Das Haupthaus wurde vor über 800 Jahren errichtet. Nachdem es in späteren Jahren von den Lerchenfelds erworben worden war, erlaubte der Bundestagsabgeordnete Graf Philipp von und zu Lerchenfeld es den Oldtimerfreunden vor über zehn Jahren, in einer Scheune des Anwesens, das damals bereits leer stand, alte Gerätschaften einzulagern. „Da waren wir natürlich heilfroh“, sagt Hans Jeserer zur Mittelbayerischen Zeitung.

„Ich habe das ganze Areal so wie es da steht gekauft.“

Arek Wallot, Besitzer des Johannishofs

2010 verkaufte der Graf (er verstarb 2017) den Bauernhof an den Straubinger Kiesunternehmer Wolf. Dieser sicherte den Oldtimerfreunden zu, wann immer sie es wollten, könnten sie Zutritt zu den Geräten haben und natürlich mit ihnen machen, was sie wollten. Doch die Situation änderte sich 2015, als Arek Wallot, der in Regensburg-Haslbach Produktionsleiter einer Bäckerei ist, das Areal erwarb. Der Osteuropäer sagte, er habe vom Kiesunternehmer das ganze Anwesen samt des Inventars gekauft. Geredet, dass die Geräte den Oldtimerfreunden gehörten, sei mit ihm nicht worden, sagte Arek Wallot, der das ganze Gelände einzäunte.


              Die Oldtimerfreunde haben sich der Pflege alter Utensilien verschrieben. Foto: MZ-Archiv
Die Oldtimerfreunde haben sich der Pflege alter Utensilien verschrieben. Foto: MZ-Archiv

Die Oldtimerfreunde laufen seit drei Jahren schon Sturm, um die eingelagerten Dinge zurückzubekommen. Sie machten eine Aufstellung des Materials, dessen Wert sie mit 16 000 Euro bezifferten. Diese sandten sie h dem Anwalt des Hausbesitzers zu. Ein Hin und Her mit Wallot begann, es kam sogar zu einem Ortstermin mit dem Produktionsleiter, doch der Abtransport der Gerätschaften sei nicht möglich gewesen, sagte Hans Jeserer. Im Raum, in dem sie deponiert sind, war altes Holz gestapelt, so dass den Oldtimerfreunden der Zutritt und somit auch der Abtransport unmöglich geworden sei, wie er weiter erklärte.

Arek Wallot wiederum sagte zur Mittelbayerischen Zeitung, dass es für die Oldtimerfans ein Leichtes gewesen wäre, die Sachen abzutransportieren, doch offenbar wollten sie das nicht. „Das brennt uns auf den Nägeln“, sagt Hans Jeserer, der sich vom Verkauf des Gebäudes, den Arek Wallot anstrebt, aber noch nicht vollzogen ist, Hoffungen macht, die Gerätschaften wieder für die Oldtimerfreunde abtransportieren zu können. Vielleicht habe ein neuer Besitzer, der aber noch nicht gefunden ist, mehr Verständnis.

Denkmalschutz forderte viel

Nach dem Beginn der Sanierung stellte das Landratsamt 2016 den Umbau ein. Foto: lto
Nach dem Beginn der Sanierung stellte das Landratsamt 2016 den Umbau ein. Foto: lto

Der Osteuropäer will den alten Gutshof nach eigener Aussage wieder los werden, weil ihm der Denkmalschutz bei der Sanierung zu viele Vorgaben machte. Wallot hatte sich nach dem Erwerb des Areals mächtig ins Zeug gelegt, nachdem Archäologen und Bauforscher das ganze Gelände unter die Lupe genommen und eine Bestandsaufnahme gemacht hatten. Sie fanden sogar heraus, dass sich neben dem Haupthaus einmal eine Kapelle befunden haben muss. Die Umbauarbeiten begannen dann auch flott.

Der Gemeinderat hatte dem Abriss des alten Nebengebäudes zugestimmt und die Arbeiter brachen schnell eine Mauer aus dem Hauptgebäude heraus und begannen auch mit dessen Entkernung. Doch im Januar 2016 ließ das Landratsamt den Umbau einstellen, denn – so sagte die Pressesstelle – die erforderlichen denkmal- und baurechtlichen Genehmigungen hatten gefehlt. Bauherr Arek Wallot hat sich seitdem nicht mehr bemüht, den Umbau mit den Fachbehörden abzustimmen.

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