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Kriminalität

Syrischer Schleuser schockt Pfatterer

Der 35-jährige Asylbewerber, der von der GSG9 festgenommen wurde, galt als hilfsbereit und lebte völlig unauffällig.
Von Walter Schießl, MZ

30 Beamte der Bundespolizei und der GSG9 waren in Pfatter im Einsatz.
30 Beamte der Bundespolizei und der GSG9 waren in Pfatter im Einsatz. Foto: dpa

Pfatter.In der Gemeinde Pfatter (Landkreis Regensburg) wollte man es am Donnerstag noch gar nicht richtig glauben, dass ausgerechnet Mohamed G. zu einem Schleuserring gehören soll, der 1700 Syrer auf schrottreifen Schiffen über das Meer geschickt und ihrem Schicksal überlassen hatte. Der 35-Jährige hatte vor einem Jahr in der Bundesrepublik einen Asylantrag gestellt und seit sieben Monaten im Gasthof Fischer gelebt, der Asylbewerber beherbergt.

„Wir sind sprachlos“, sagte Wirtin Gabi Stehr, die sich um die Flüchtlinge kümmert, die im Anbau des Gasthofs Unterkunft gefunden haben. Mohamed G. habe sich permanent in Pfatter aufgehalten, habe vor Ort die Deutschkurse des Helferkreises besucht und sei zudem wegen seiner Hilfsbereitschaft im Ort sehr beliebt gewesen. Mohamed G. war alleine in Pfatter, er hatte keine Angehörigen und lebte in einem Einzelzimmer.

Hinter dieser Türe hatte Mohamed G. sieben Monate lang gelebt.
Hinter dieser Türe hatte Mohamed G. sieben Monate lang gelebt. Foto: Schießl

Am Mittwoch um sechs Uhr früh seien etwa 30 Beamte der Bundespolizei und der GSG9 vor dem Gasthof gewesen. „Es ging alles sehr schnell“, sagte die Wirtin. Sie holten Mohamed G. aus seinem Zimmer, verhörten ihn kurz, durchsuchten dieses und nahmen ihn und sein Gepäck mit. Der Syrer leistete keine Gegenwehr. Nachdem die anderen Asylbewerber gehört hatten, was man dem Mann vorwirft, seien einige wütend gewesen, weil er wohl zum Schleuserkreis gehört und den Flüchtlingen viel Geld abgenommen haben sollte.

Mohamed G. galt in Pfatter als überaus hilfsbereit, erzählt Gabi Stehr und erinnerte an einen Vorfall, der sich im Sommer bei der Donau abspielte. Dort hatte ein Frau aus Straubing einen Rucksack samt Ausweisen und Geld bei der Donau liegen gelassen. Mohamed, der zusammen mit einem anderen Syrer das Behältnis gefunden hatte, brachte es zu Gabi Stehr. Kein einziger Cent habe gefehlt.

Dass der Asylbewerber nun in die Schlepperbande verwickelt sein soll, will vielen Pfatterern nicht in den Kopf. Die Staatsanwaltschaft in Dresden wirft dem Schleuserring vor, 1700 Syrer auf schrottreifen Schiffen über das Meer geschickt zu haben. Die Überfahrt, bei der die Schlepper schnell von Bord gegangen waren, haben Ende 2014 stattgefunden. Von jedem der Flüchtlinge wurde ein Betrag zwischen 4500 und 6000 US-Dollar kassiert. Die Verhaftungen am Mittwoch morgen, die zeitgleich stattfanden, gingen in sechs Bundesländern über die Bühne.

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