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Gesellschaft

„Voglmeier Ratzn“ gründen einen Verein

Schon vor vielen Jahren nannte sich die Pfatterer Dorfjugend nach dem legendären Wirtshaus. Bald soll es einen Verein geben.
Von Hans Biederer, MZ

Traditionell stellen die „Voglmeier Ratzn“ seit vielen Jahren den Maibaum in Pfatter auf. Foto: Biederer
Traditionell stellen die „Voglmeier Ratzn“ seit vielen Jahren den Maibaum in Pfatter auf. Foto: Biederer

Pfatter.Wenn in Pfatter die Rede von den „Voglmeier Ratzn“ ist, weiß jeder alteingesessene Bürger, dass hier nicht von Tieren die Rede ist, sondern von der Pfatterer Dorfjugend. Der Namen leitet sich ab von dem ehemaligen Dorfwirtshaus, in dem jetzt der Pfarr- und Gemeindesaal untergebracht ist. Beim ersten Treffen der Jugendlichen in einem Zimmer der Gaststube lief ihnen eine Ratte über den Weg – und so war der Name geboren.

Erinnerungen an die Anfangsjahre

Das ehemalige Voglmeier-Wirthaus am Markplatz soll auch dem neuen Jugendverein seinen Namen geben. Foto: Biederer
Das ehemalige Voglmeier-Wirthaus am Markplatz soll auch dem neuen Jugendverein seinen Namen geben. Foto: Biederer

Stellvertretender Bürgermeister Christoph Ebner, Gründungsmitglied der l „Voglmeier Ratzn“ im Jahr 1990, erinnert sich noch sehr gut an die Anfangsjahre: „Zu jener Zeit gab es in Gmünd schon den Beatschuppen als Jugendtreff. In Pfatter gab es die „Bäz-Gruppe“ von Sepp Schwimmbeck, der sich meine Altersgeneration aber nicht angeschlossen hat. Da in unserem Kreis auch Armin Karl war, der Enkel der letzten Wirtshauspächterin, konnten wir die Räumlichkeiten im Voglmeier-Saal nutzen, um uns dort zu treffen“, erzählt Christoph Ebner. Die bis zu 15 Jugendlichen organisierten bereits ein Jahr später ein Johannifeuer am Donaudamm. „Wir haben nach vielen Jahren Pause diese Tradition von der Katholischen Landjugend aufgegriffen. Ebenso stellten wir 1992 in Pfatter nach langer Zeit wieder einen Maibaum auf“, erzählt Ebner. Als das Voglmeier-Wirtshaus verkauft und renoviert wurde, fand die Jugendgruppe ihre Heimat im Rathaus.

Das alte Voglmeier-Wirtshaus

  • Historie:

    Wie Ortsheimatpfleger Theo Herwicht weiß, brauten bis zum Jahr 1880 die Familien Weinzierl, Haimerl, Schmalhofer und Zach in dem Gebäude dunklen Gerstensaft. 1883 entstand dort eine Gaststätte. Die ersten Pächter waren Adalbert und Theres Aumer aus Frengkofen. Einen Besitzerwechsel gab es 1914, als das Gebäude von der Brauerei Dietl aus Straubing erworben wurde. Bernhard Voglmeier war es, der dem Gasthaus 1914 als Pächter seinen bis heute bleibenden Namen verlieh. „Als letzte Wirtsleute haben Willi und Ottilie Stögmüller, eine Voglmeier-Tochter, das Wirtshaus von 1970 bis 1988 betrieben. Seitdem wurde das Gebäude viele Jahre nicht mehr genutzt.

  • Investor:

    Nachdem es lange Jahre verwaist war und zu verfallen drohte, wurde es von einem Investor gekauft.

  • Renovierung:

    Das Gebäude wurde von Grund auf renoviert und umgebaut. Heute prägt es am Rande des ehemaligen. Im Obergeschoss befinden sich Wohnungen, im Untergeschoss befindet sich der Pfarr- und Gemeindesaal, der „Voglmeier-Saal“. Seit Oktober 2014 wird er für Veranstaltungen genutzt.

Die ehemaligen „Voglmeier Ratzn“ sind längst erwachsen. Der Mitgliederwechsel vollzieht sich fließend. Während sich Ältere zurückziehen, schließen sich immer wieder Jüngere der Gruppe an. Sie wollen nun einen Verein gründen.

Initiatorin ist die Jugendbeauftragte Jasmin Handwerker. Im Gespräch mit unserem Medienhaus verriet die 27-Jährige ihre Beweggründe. „Die Idee eines Vereins gab es schon seit mehreren Generationen. Bereits vor zehn Jahren, als ich selbst noch den Jugendtreff besucht habe, wurde dies diskutiert. Ende letzten Jahres saß ich mit einigen Jugendlichen im Jugendtreff zusammen und habe von der damaligen Zeit erzählt. Auch den Gedanken einer Vereinsgründung hatte ich hier vorgebracht. Alle Anwesenden waren sich sofort einig, dies umsetzen zu wollen“, so die Jugendbeauftragte.

Primäres Ziel: Das Maibaumaufstellen

Primäres Ziel sei zunächst die Weiterführung des Maibaumaufstellens. Hier spielt auch die rechtliche und versicherungstechnische Absicherung eine Rolle. „Für mich als Jugendbeauftragte ist außerdem von großer Bedeutung, dass wieder mehr Jüngeren aufgenommen werden. Zudem hoffe ich, dass durch den Verein ein generationsübergreifender Zusammenhalt geschaffen wird“, sagt Handwerker

„Ursprünglich war der Plan, die Gründungsversammlung im Voglmeier-Saal abzuhalten und damit im alten Voglmeier-Wirtshaus: Zum einen wegen der Tradition und zum anderen weil die Einladung an alle Jugendlichen ab 14 Jahren geht und wir diese nicht unbedingt in ein Wirtshaus einladen wollten. Die Nutzung des Saals wurde uns aber leider von der Gemeinde untersagt“, bedauert die Jugendbeauftragte. „Wo wir unseren Vereinssitz haben werden, wissen wir noch nicht“. Gründungsmitglied und 2. Bürgermeister Christoph Ebner findet die Idee der Jugendlichen, sich vereinsmäßig zu strukturieren, sehr gut. „So bleiben viele alte Traditionen im Ort erhalten, wenn sich die Jugend darum annimmt.“

Gründungsversammlung: Samstag um 18 Uhr im Landgasthof Fischer. Eingeladen sind Jugendliche ab 14 Jahren sowie alle „alten Voglmeier Ratzn“.

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