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Konzept

Der Ort für Einkauf und Ratsch

Im Laden von Florian Gebhardt in Pielenhofen gibt es viel Regionales – und eine Portion Kommunikation kommt noch oben drauf.
Von Andrea Leopold

So sieht der Hofladen von Florian Gebhardt in Pielenhofen innen aus. Das Angebot stammt zu weiten Teilen aus der Region.Fotos: Andrea Leopold
So sieht der Hofladen von Florian Gebhardt in Pielenhofen innen aus. Das Angebot stammt zu weiten Teilen aus der Region.Fotos: Andrea Leopold

Pielenhofen.Viele kleine Läden in Bayern müssen schließen, weil sie keinen Nachfolger finden, die das Geschäft weiter betrieben. Die Leute spüren jedoch immer mehr, was dadurch verlorengeht. Deswegen gibt es eine neue Bewegung: Einwohner, Gemeinde und Bürgermeister wollen kleine Läden aufrechterhalten.

Für die Entwicklung der Dorfläden ist es enorm wichtig, dass die Politik unterstützt. In Pielenhofen steht der Gemeinderat geschlossen hinter dem Hofladen. Besitzer Florian Gebhardt freut sich darüber: „Vor einigen Jahren gab es die Geiz-ist-geil-Mentalität. Mittlerweile wird nicht nur der Preis beworben, sondern die Qualität.“ Man müsse sich mit seinen Produkten von der Masse absetzen und brauche ein Alleinstellungsmerkmal. Bei Gebhardt ist das die Kaffeerösterei. „Ich war 14 Jahre bei der Kaffeerösterei Rehorik in Regensburg. Zuerst habe ich Einzelhandelskaufmann gelernt. Dann wurde ich gefragt, ob ich den Röster unterstützen will. Am Schluss habe ich nur noch in der Rösterei gearbeitet“, erinnert sich der Hofladenbesitzer.

Kaffeeröster aus Leidenschaft

Das wichtigste Utensil für Florian Gebhardt ist die Kaffeemaschine.
Das wichtigste Utensil für Florian Gebhardt ist die Kaffeemaschine.

„Ich bin Kaffeetrinker“, bekennt Gebhardt. Ein schonend gerösteter Kaffee sei eben etwas anderes. Viele Leute bemerkten den Unterschied. Die Röstung dürfe nicht nur 60 Sekunden dauern, es müssten 18 bis 20 Minuten sein.

Das Konzept des Hofladens ist klar. „Wir haben uns im Vorfeld in vielen Läden umgeschaut. Die Kaffeerösterei ist mein Kernprodukt, die Regionalität das zweite und der Veranstaltungssaal das dritte Standbein“, erklärt der Unternehmer seinen Plan. „Wir dürfen hier Getränke ausschenken. Das war die Grundvoraussetzung für die Übernahme.“ Der Kundenstamm ist bunt gemischt – ältere Dorfbewohner, Berufstätige, die die langen Öffnungszeiten für den Feierabendeinkauf nutzen, Kinder, die ihr Taschengeld in Süßigkeiten investieren, Mütter mit Kleinkindern, denen der Weg in die Stadt zu mühsam ist. Die Kunden schätzen die kurzen Wege – viele kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Gerade die ältere Generation wolle selbstständig bleiben und einkaufen können. Gebhardt: „Es sind oft kleine Einkäufe, der Großeinkauf findet hier nicht statt.“

Das Programm des Klosterstadel-Jubiläums

  • Cupping:

    Samstag 16. März, 15 Uhr

  • Tortenzauber:

    Sonntag, 17. März und 24. März, 13 bis 17 Uhr

  • Musikkabarett Hubert Treml:

    Sonntag, 17. März, 17 Uhr

  • Kinderkino:

    Dienstag 19. März, 10 Uhr, Film: 14 Uhr

  • Tanzkurs:

    Freitag, 22. März und Dienstag, 26. März, 18 bis 21 Uhr

  • E-Biken:

    Samstag 23. März, 10 bis 14 Uhr

  • Konzert Heike Matthiesen:

    Freitag, 29. März, 19 Uhr

  • Tanz Café:

    30. März, 18 bis 21 Uhr

Es gebe Dorfläden, die nur Milch, Zucker und Mehl im Angebot hätten. Dies rechne sich jedoch nicht. Die Besitzer stünden oft 60, 70 Stunden im Laden. Um Erfolg zu haben müsste es eine Bevölkerungs- und eine Angebotsmischung geben. Unternehmensberater Wolfgang Gröll ist auf Dorfläden spezialisiert. Den „Stuttgarter Nachrichten“ sagte er, man müsse sich das Angebot wie ein menschliches Skelett vorstellen. „Alle Menschen tragen das gleiche Knochengerüst in sich und trotzdem sieht jeder anders aus.“

Das heiße, dass jeder Dorfladen Produkte anbieten müsse, die vor Ort gebraucht werden und zum Teil aus der Region kommen. Auch Gebhardt sieht das so: „Dorfladenbewegung sollte immer ein Mischkonzept aus Bäcker, Metzger und zum Beispiel einem Stehkaffee sein. Dann kann es auch als Treff angenommen werden.“

In den Klosterstadel kämen auch ein Seniorenclub mit Spielenachmittag und Neubewohner mit einer Mutter-Kind-Gruppe. Ganz wichtig sei, die regionalen Waren mit hereinzuholen. Was gibt es in der näheren Umgebung? Die Backwaren bezieht er von der Bäckerei Schwarzer Kipferl, Wurstwaren von Fannys Hofladen aus Bergmatting und der Fleischboutique Edenharder, Käse von Schwendner aus Beratzhausen, Gemüse von Espach in Sinzing. Hausgemachte Marmeladen runden das Angebot ab. Auch die Äpfel vom Obstbauern nebenan seien sehr beliebt. Exotischere Dinge gibt es durchaus auch zu, etwa die Straußennudeln von der Straußenfarm aus Münchsried. Als Direktimport beziehe man griechisches Öl.

Die Gemeinde hatte eine Umfrage bei den Einwohnern gestartet, ob sie einen Laden wollten. Alle Unternehmer wurden zuerst gefragt. Alle lehnten ab. „Ich kam durch Zufall zu dem Laden“, erzählt Ladenbesitzer Gebhardt. „Ich bin ja aus Pielenhofen. Da habe ich den Bürgermeister gefragt, ob ich zuhause eine Rösterei machen darf. Er hat gleich gesagt: ‚Du machst unseren Dorfladen!‘ Das hat sich dann alles so ergeben.“ Gebhardt hat ein Team aus mehreren Teilzeitkräften. Er selber springt hin und her. Bis Mittag ist er täglich da. Dann fährt er zum Rösten oder zum Einkaufen.

Pfiffige Ideen der Nahversorgung

Ob er gut leben kann von dem Dorfladen? Florian Gebhardt überlegt: „Ich bin erst im zweiten Jahr. Man wird sicher nicht reich damit. Die Herbst- und Wintermonate muss man überbrücken. Die Freisitze im Sommer reißen uns da raus!“ Gebhardt praktiziert das Prinzip des vorsichtigen Kaufmanns. Langsam vergrößern, nach und nach investieren. Es gebe schon Ideen für einen Ausbau, einen Lieferdienst zum Beispiel nach Duggendorf. Da gebe es noch keine Einkaufsmöglichkeit.

Seit dem Ladenstart kommt ein Messer- und Scherenschleifermeister zweimal im Jahr für eine Woche, einer der letzten in Deutschland. „Wir sind eine solche Wegwerfgesellschaft geworden. Die junge Generation im Gegensatz dazu kauft sich auch schon mal ein Messer für 50 Euro und lässt es schleifen“, meint der Unternehmer. Unternehmer und Gaststätten kämen da mit Hunderten von Messern zu ihm. Ein großes Event 2019 wird das zweijährige Jubiläum, das ab 16. März mit allerlei Programm gefeiert wird. „Wir wollen wieder in aller Munde kommen.“

Die Gemeinde unterstütze Gebhardt, man habe sich mit der Pachthöhe geeinigt. Das Genossenschaftsmodell wurde verworfen, weil Gebhardt selbstständig arbeiten wollte. „Ich bin dann halt mal 80 Stunden pro Woche da“, berichtet er. Gebhardt startet einen Appell: „Erhaltet eure Läden. Die Dorfkultur darf nicht verlorengehen!“ Nur so könne ein Dorfzentrum entstehen. Ein weiterer Punkt ist für Gebhardt, dass das Naabtal als Naherholungsgebiet wieder wichtiger werde. Dazu passt sein Motto: „Regional denken!“.

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