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Reise

Dieser Pielenhofener lebt in Indonesien

Matteo Bierschneider zog es nach dem Abitur aus der Heimat fort. Mittlerweile lebt und arbeitet er mit seiner Frau auf Bali.
Von Andrea Leopold

Matteo Bierschneider (Mitte) und seine Frau Ayu Masita (links) arbeiten auf den Reisfeldern mit, um zu testen, ob diese Arbeit auch als Aktivität für seine Kunden geeignet sein kann. Foto: Bierschneider
Matteo Bierschneider (Mitte) und seine Frau Ayu Masita (links) arbeiten auf den Reisfeldern mit, um zu testen, ob diese Arbeit auch als Aktivität für seine Kunden geeignet sein kann. Foto: Bierschneider

Pielenhofen.Matteo Bierschneider aus Pielenhofen hat 12150 Kilometer zurückgelegt, um am anderen Ende der Welt Arbeit und Familie zu finden.

In einem Vortrag in Pielenhofen am Samstag, 21. September, wird er davon um 19 Uhr im Klosterstadel Pielenhofen über seine Reise nach Indonesien erzählen. Bierschneider möchte über die Kultur und das Land, über die Reise mit allen Hindernissen, das Auswandern dorthin und auch den Weg zur eigenen Firma berichten. Nach Flores in den Osten des Landes brach er zuerst auf, der Name klingt schon verheißungsvoll. Er kommt aus dem Portugiesischen und bedeutet „Blumen“.

Nach dem Abi zog es ihn weg

Etwa eine Million Einwohner leben auf dieser wunderschönen „Blume“. Das Reisen lag Bierschneider schon lange im Blut. Nach dem Abi reiste er erstmal für ein halbes Jahr nach Chile und arbeitete dort als Reiseleiter. Als Student des nachhaltigen Tourismus in Nordrhein-Westfalen kam er für sechs Monate als Praktikant ins eher ländlich orientierte Flores und wurde dort ins kalte Wasser geworfen.

Matteo auf Sumatra mit den Einwohnern in traditioneller Tracht vor einem landestypischen Haus. Er meint, dass nachhaltige Erfahrungen in sozialen Beziehungen unter den Menschen gemacht werden. Foto: Bierschneider
Matteo auf Sumatra mit den Einwohnern in traditioneller Tracht vor einem landestypischen Haus. Er meint, dass nachhaltige Erfahrungen in sozialen Beziehungen unter den Menschen gemacht werden. Foto: Bierschneider

„Ich lebte da unter sehr einfachen Verhältnissen in einer Familie. Es gab kein fließendes warmes Wasser. Man sprach kein Englisch, so musste ich aus der Not heraus in zwei Monaten Indonesisch lernen“, erzählt er. 2014 kam er zurück nach Deutschland und beendete seine Bachelor-Arbeit zum Thema „Müllvermeidung in Flores“. Danach brach er zu einem dreijährigen Aufenthalt nach Bali auf, wo er zuvor seine Frau Ayu auf einer Touristenmesse kennengelernt hatte.

Anfang auf Bali war schwierig

Bierschneider: „Am Anfang war es schwierig, Fuß zu fassen, da ich keinerlei Kontakte hatte. Ich habe mir jeden Tag ein schönes Hemd angezogen und die ganzen 5-Sterne-Hotels abgeklappert, um Arbeit zu bekommen. Barkeeper und dergleichen geht für uns gut ausgebildete Ausländer nicht, die Hotelmanager kommen fast alle aus dem Ausland“. In seiner 2017 gegründeten Firma werde er deshalb keine Ausländer einstellen, nur Indonesier.

Wunderschöne Strände gibt es überall in Indonesien, hier einer auf Flores. Flores ist interessant für Taucher und Trekkingfans. Vor allem die Gegend um die Komodo Inseln, bekannt für die größten Echsen der Welt, und das Tauchen rund um Maumere ist beliebt. Foto: Bierschneider
Wunderschöne Strände gibt es überall in Indonesien, hier einer auf Flores. Flores ist interessant für Taucher und Trekkingfans. Vor allem die Gegend um die Komodo Inseln, bekannt für die größten Echsen der Welt, und das Tauchen rund um Maumere ist beliebt. Foto: Bierschneider

Matteo wurde als Drilling geboren. Seinem Vater war schon lange klar, dass sein Sohn ein Weltenbummler werden würde. „Eine ganz andere Welt hat sich vor uns aufgetan, als wir ihn in Chile und Bali besucht haben“, gibt Joe Bierschneider zu. „Ab und zu wurde uns schon mulmig, als er einmal über einem großen Krater mit dem Fallschirm abgesprungen ist“. Bei einer Besteigung eines hohen Berges in Bolivien ging es ihm wegen der Höhenkrankheit sehr schlecht. „Das Erdbeben in Chile war auch ein Aufreger“, erzählt der Vater. Außerdem hatte der Sohn einen Unfall mit seinem Surfbrett und brach sich bei einem Lkw- Unfall das rechte Handgelenk. Die Eltern haben jedoch die Auslandsaufenthalte immer unterstützt.

Matteo Bierschneiders Arbeitsgebiet in Indonesien ist das nachhaltige Reisen. Ist das nicht ein Widerspruch an sich? Jein – findet der Reisende und Unternehmer. Zuerst hatte er eine leichte Identitätskrise, da aus seiner Sicht Tourismus per se nicht nachhaltig sein könne. Er fragte sich, ob man negative Auswirkungen auf die Umwelt ersetzen könne durch wirtschaftlichen Vorteil für die Bevölkerung.

Bierschneiders Firma befasst sich mit verantwortlichem Tourismus

Der Kelimutu auf Flores ist ein Vulkan mit dreifarbigen Seen im Krater. In Indonesien gibt es 150 aktiven Vulkane. Zu den schlimmsten Vulkanausbrüchen zählt der des Tambora auf Sumbawa im Jahr 1815. Als Folge des Ausbruchs blieb in Europa 1816 der Sommer aus. Foto: Bierschneider
Der Kelimutu auf Flores ist ein Vulkan mit dreifarbigen Seen im Krater. In Indonesien gibt es 150 aktiven Vulkane. Zu den schlimmsten Vulkanausbrüchen zählt der des Tambora auf Sumbawa im Jahr 1815. Als Folge des Ausbruchs blieb in Europa 1816 der Sommer aus. Foto: Bierschneider

Seine Firma hat sich diesen verantwortlichen Tourismus nun zum Ziel gesetzt: Die Emissionen sollen ausgeglichen werden, indem er zum Beispiel Ausgleichszahlungen für Umweltschutzorganisationen organisiere. Die CO2-Ausstöße der Inlandsflüge werden gemessen und neue Bäume zum Ausgleich gepflanzt. Das Geld solle auf die heimische Bevölkerung verteilt werden. Die sogenannte Sickerrate solle so gering wie möglich ausfallen. Ein Chinese lasse durchschnittlich nur 60 Cent pro Tag im Land, da alles in China gebucht würde.

Das Konzept Bierschneiders sind dagegen umweltfreundliche Hotels in einheimischer Hand oder auch sogenannte Home Stays, wo man bei Gastfamilien lebt. Da Müll ein großes Problem sei, bekommen die Reisenden eine wiederverwertbare Flasche ohne anfallendes Plastik. Sein Anliegen sei immer die Entwicklungsarbeit gewesen und vor allem Hilfe vor Ort.

Auf Bali gibt es auch Buddhisten und großartige Tempelanlagen. Die Religionen leben gleichberechtigt nebeneinander her. In Bali lebt die Mehrheit der Bevölkerung den Hindu-Glauben. Java ist mehrheitlich muslimisch; Flores hat eine Christenrate von 91 Prozent. Foto: Bierschneider
Auf Bali gibt es auch Buddhisten und großartige Tempelanlagen. Die Religionen leben gleichberechtigt nebeneinander her. In Bali lebt die Mehrheit der Bevölkerung den Hindu-Glauben. Java ist mehrheitlich muslimisch; Flores hat eine Christenrate von 91 Prozent. Foto: Bierschneider

Die Familie seiner Frau habe den exotischen Bayern akzeptiert. Das Ideal mütterlicherseits sei er zuerst nicht gewesen, erzählt der Weltenbummler, da er zu der Zeit mit dem Studium noch nicht fertig war. Die Tante von Ayu habe schon in der Botschaft in Bonn gearbeitet, die Familie durfte deshalb schon mal nach Deutschland reisen. „Ich hatte nie geglaubt, einen Deutschen zu heiraten“, lacht Ayu. „Deutsche Männer machen aber deutlich mehr im Haushalt und mit den Kindern“, meint die Indonesierin.

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