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Jubiläum

Klosterstadel war Kulturtreff

Hofladenbesitzer Gebhardt stellte ein ungewöhnliches Programm zusammen. Die Jubiläumsfeier ging über zwei Wochen.
Von Andrea Leopold

Hubert Treml verfremdete Grimms Märchen musikalisch in seinem Sinne. Mal poetisch, mal als purer Nonsens daherkommend. Fotos: Leopold
Hubert Treml verfremdete Grimms Märchen musikalisch in seinem Sinne. Mal poetisch, mal als purer Nonsens daherkommend. Fotos: Leopold

Pielenhofen.Feiern wie die Feste fallen – ganz so spontan war das 14-tägige Jubiläum im Klosterstadel nicht. Sehr viel Planung und Vorbereitung im Vorfeld erforderte es von Florian Gebhardt, dem Hofladenbetreiber im Stadel, und dem Projektkoordinator Ernst Karosser. Zusammen haben sie ein Programm auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen konnte:

Den Anfang machte eine einer Kaffeeverkostung, bei der neben den beliebten Kaffeeröstungen des Fachmanns Gebhardt auch der hochpreisige „Katzenkaffee“ Kopi Luwak verkostet werden konnte: Sein Produktionsprozess ist zwar unappetitlich, aber an seinem Ende steht der teuerste Kaffee der Welt. „Bei der Kaffeeverkostung haben wir gar nicht alle Leute untergebracht“, erzählt Gebhardt, „es war eine neue Erfahrung und eine Bereicherung. Dabei habe ich viel Neues gelernt und es stand ein großer Aufwand im Hintergrund.“

Ziel: Das Naabtal neu beleben

„Die Mundpropaganda war sehr wichtig. Wir haben vor, das Fest alle zwei Jahre zu machen, um die Region – das Naabtal – wieder neu zu bespielen. Unser Plan war, jede Generation anzusprechen“, erzählt Karosser. Das Kinderkino war durch die örtlichen Kindergärten gut gefüllt. Die lieben Kleinen wurden auch mit Popcorn versorgt. Am Nachmittag schaute der ansässige Seniorenclub – die „Silberpfeile“ – den Film „Grüner wirds nicht, sagte der Gärtner und flog davon“. Der Renner der Veranstaltung war der Sonntags-Kuchenverkauf. Nach 1,5 Stunden seien, so Gebhardt, alle Torten restlos ausverkauft gewesen. Am zweiten Sonntag war man gewappnet und arbeitete mit Bergers Hofladen aus Pirkensee zusammen. Diese steuerten an dem Tag 15 Torten bei, die alle verkauft wurden.

Gebhardt zieht Bilanz: „Die Konzerte waren gut besucht. Hubert Treml ist in der Gegend sehr bekannt. Bei Matthiesen hätten noch mehr Leute kommen können. Sie kam extra aus Frankfurt.“ Die Zuschauer seien durch die Bank begeistert gewesen. Einzelmusiker mit klassischer Gitarre, das sei schon sehr speziell. „Wir wollen für alle Leute etwas dabeihaben. Ein Quer-Beet-Programm und damit unsere klasse Räumlichkeiten nutzen“, informiert Karosser, „wir wollen von der Bratwurst-Kultur weg und auch am Land ein interessantes Programm bieten“.

Aufwand und Wirkung haben sich aus Veranstalter-Sicht die Balance gehalten. Die Cappuccino Tanzband habe bereits wegen der guten Akustik im Saal nach der Möglichkeit von Tonstudioaufnahmen im Stadel nachgefragt. Das sei auch Kultur! Die Tanzfläche sei immer gut gefüllt gewesen, den Leuten und den Musikern habe es viel Spaß gemacht, findet Karosser. Die Cappuccinos wollen die Tanzcafés der 50-er Jahre wiederbeleben. Weniger gut besucht war die Tanzübung von Ansgar Schabbel, da es am Ort bereits eine Tanzschule gebe, wie man erst hinterher erfahren habe. Gebhardt: „Wir suchen da noch einen Kontakt zu der Tanzschule“.

Die Leute zusammenbringen

Der Hofladenbesitzer hat das Jubiläum nicht aus kaufmännischer Sicht gesehen, sondern als Werbemaßnahme und als kulturelle Teilhabe. Deshalb war auch der Eintritt in die Kinos frei, die Torten sehr günstig im Verkauf. „Wir wollten die Leute zusammenbringen“, resümiert Gebhardt, „das Naabtal nützen, deshalb haben wir auch Kallmünzer Künstler in die Ausstellung geladen. Karosser: „Der Treffpunkt waren die Tortensonntage, da kamen die Bürger draußen zusammen“.

Beim Netzwerktreffen haben sich hauptsächlich die Lieferanten untereinander getroffen, neue Kontakte sind entstanden. Es ging auch um Rückmeldung für die Produzenten. Warum der Bauer immer nur Raps anbaut, wurde gefragt. Ein Landwirt gab zum Nachdenken die Antwort: „Wenn wir keinen Raps anbauen würden, gäbe es gar keine Bienen mehr“.

Karosser und Gebhardt wollen in Zukunft gerne das Naabtal mehr zusammenbringen. Eine Phalanx bilden, z.B. ein Bildhauersymposium von Kallmünz nach Mariaort entlang der Naab organisieren, wo die Künstler ihre Skulpturen ausstellen. Karosser: „Es ging uns darum, eine belebte Ausstellung zu machen. Weitaus mehr Besucher haben die Ausstellung gesehen als sonst so. Die Kinder sind sehr vorsichtig um die Kunstwerke herumgestrichen und haben sich die Bilder angeschaut.“ Bei normalen Ausstellungen in Regensburg seien an manchen Tagen nur etwa zehn Leute da.

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