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Kindergarten

Pielenhofens Mäusekinder im Winterwind

Die Kälte ist eine Herausforderung für den Pielenhofener Waldkindergarten. Mit Kakao und Schwedenfeuer klappt es.
Von Andrea Leopold

Wie riecht der Winter? Erforschen und Entdecken sind wichtig im Waldkindergarten in Pielenhofen. Fotos: Andrea Leopold
Wie riecht der Winter? Erforschen und Entdecken sind wichtig im Waldkindergarten in Pielenhofen. Fotos: Andrea Leopold

Pielenhofen.Man muss suchen, um die Kindergruppe im Wald zu finden. Bevor man die bunte Schar sieht, hört man schon das fröhliche Quietschen und Rufen. Versteckt zwischen den Bäumen tut sich das Basislager auf. Auf einem offenen Platz haben sich die Kleinen auf Baumstämmen im Kreis versammelt. Zur Isolierung sitzen sie auf einer Kunststoffunterlage. Zwei offene Schwedenöfen flackern lustig vor sich hin. Ab und zu werfen die Kinder selber Holz in das offene Feuer. Ronja Räubertochter hätte ihre Freude an dieser Art des Kindergartens. Gerade wird Kakao im Topf auf dem offenen Feuer gekocht.

Es gibt zwei gemütliche Bauwägen, die von den Eltern der Kinder ausgebaut wurden. Darin wird es dank guter Isolierung und des Gasofens sehr schnell warm. Die Kinder können sich aufwärmen und darin basteln, Bücher lesen und spielen. Auch die Terrasse davor lädt zum Spielen ein.
Es gibt zwei gemütliche Bauwägen, die von den Eltern der Kinder ausgebaut wurden. Darin wird es dank guter Isolierung und des Gasofens sehr schnell warm. Die Kinder können sich aufwärmen und darin basteln, Bücher lesen und spielen. Auch die Terrasse davor lädt zum Spielen ein.

Die Kindern teilen das Heißgetränk mit dem Schöpflöffel aus. Manche graben mit Schaufeln den Schnee um und bauen Fantasiegebilde daraus. Ein Mädchen greift verträumt nach oben zu den Eiszapfen, die von den Bäumen hängen. Die Wangen und die Nasen sind rot gefärbt. Beim Ausatmen sieht man den Hauch.

Wunderbarer Arbeitsplatz

Philipp erzählt: „Ich finde am besten, dass wir so schön Schlittenfahren können. Am liebsten spiele ich mit den Jungs im Lager. Mit Seilen und Holz haben wir was aufgebaut. Ganz alleine!“ Nils erzählt: „Mir gefallen die Veranda und der Feuerplatz am besten. Im Sommer müssen wir lange T-Shirts haben, damit die Zecken nicht drankommen. Der Lorenz hat schon einmal elf Zecken gehabt!“

Die Schwedenfeuer brennen den ganzen Vormittag. Die Kinder dürfen selber nachschüren. Der Umgang mit Werkzeug wie Messer, Säge und Beil ist ein wichtiger Bereich der Erziehung. Manche Kinder helfen auch beim Holzspalten mit. Das Lernen ergibt sich aus den Tätigkeiten.
Die Schwedenfeuer brennen den ganzen Vormittag. Die Kinder dürfen selber nachschüren. Der Umgang mit Werkzeug wie Messer, Säge und Beil ist ein wichtiger Bereich der Erziehung. Manche Kinder helfen auch beim Holzspalten mit. Das Lernen ergibt sich aus den Tätigkeiten.

Es fällt auf, dass die Kinder gesunde Pausenbrote dabei haben. In den Boxen liegen geschnittene Äpfel, Bananen, Karotten und Trockenobst.

Leiterin Anke Wolfram berichtet: „Ein Teil unseres Konzepts ist, dass wir großen Wert auf die Ernährung legen. Wir geben da Tipps, was man gemäß der Jahreszeit mitgeben sollte. Zum Beispiel Trockenobst im Winter, das gibt Energie. Im Sommer zur Wespenzeit muss man aufpassen. Die Kinder machen sich gegenseitig darauf aufmerksam, wenn jemand etwas dabei hat, was nicht erwünscht ist.“ Im Waldkindergarten sind bis zu 35 Kinder. Es werden Kleingruppen gebildet und Themen gesucht, die die Kinder interessieren. Wolfram: „Wir gehen vom Kind aus. Die Kinder können sich aussuchen, was sie machen wollen. In der Früh geht es los mit einer kleinen Wanderung, da kann man dann ankommen und sich unterhalten, da werden schon Pläne geschmiedet.“ Um Viertel nach 12 Uhr machen sie sich auf den Weg nach unten. Manche Kinder bleiben bis 14 Uhr.

„Auch wenn man sich manchmal überwinden muss – es gibt keinen schöneren Arbeitsplatz“, schwärmt die Leiterin. „Es gibt Tage, an denen die Sonne scheint und Schnee liegt und alles glitzert. Dann strahlen alle. Man kann sich nicht mehr vorstellen in Räumen zu arbeiten.“ Wolfram erzählt von einem EU-Projekt, das im März beginne: Erzieher aus Polen, die am Burnout-Syndrom leiden, besuchen den Waldkindergarten. Dort sollen sie neue Wege und Chancen in ihrer Arbeit entdecken. Auf diese Weise soll Resilienz, also psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern und Erziehern gefördert werden.

Brotzeit ist sehr wichtig. Wer Energie durch die Kälte verbraucht, muss „nachtanken“ in Form eines belebenden Heißgetränkes wie Kakao, den die Kinder selber am offenen Feuer zubereitet haben. Nahrung, die wärmt, wie Trockenfrüchte, sind gerne gesehen.
Brotzeit ist sehr wichtig. Wer Energie durch die Kälte verbraucht, muss „nachtanken“ in Form eines belebenden Heißgetränkes wie Kakao, den die Kinder selber am offenen Feuer zubereitet haben. Nahrung, die wärmt, wie Trockenfrüchte, sind gerne gesehen.

Selber Holz hacken mit dem Beil

Das Konzept des Kindergartens gehe klar „vom Kind aus“, sagt Wolfram. Jüngere Kinder würden ernst genommen werden, man mute ihnen Herausforderungen zu. So lernten die Kinder, Verantwortung zu übernehmen und aus eigenem Antrieb tätig zu werden. Kinder wollten und könnten das, meint Wolfram. Jedes Vorhaben, zum Beispiel das Kaba-Kochen, müssten sie planen: „Was brauchen wir dazu? Kakao und Honig. Wer kann was mitbringen?“. Im Basislager haben sie sogar ein Kochbuch kreiert, sogar Käsespatzen gab es schon. „Kochen am Lagerfeuer“ hieß das Projekt.

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Alle Arbeiten, die im Tagesablauf anfallen, sollen geübt werden. Der Natur mit allen Sinnen zu begegnen, sei Schwerpunkt der Arbeit: Wie riecht der Sommer, wie riecht der Winter? Das sei eine ganzheitliche Erfahrung. Das entdeckende und erforschende Lernen sei wichtig. Wenn ein Fest ansteht, müssen die Kinder entscheiden: „Was soll es zu Essen und Trinken geben, was wollen wir spielen?“ Im Nachgang reden sie darüber, warum Pläne wichtig sind und warum es einen Morgenkreis gibt.

Mein Freund der Baum: Die Natur ist Schwerpunkt des pädagogischen Konzeptes. Erforschendes und entdeckendes Lernen vom wichtigsten Lehrmeister gehört zum Konzept des Waldkindergartens. Resilienzfördernde Erfahrungen stärken das Kind und lassen es „mutiger“ werden.
Mein Freund der Baum: Die Natur ist Schwerpunkt des pädagogischen Konzeptes. Erforschendes und entdeckendes Lernen vom wichtigsten Lehrmeister gehört zum Konzept des Waldkindergartens. Resilienzfördernde Erfahrungen stärken das Kind und lassen es „mutiger“ werden.

In einem alten Bauwagen gibt es Werkzeug und Bastelmaterialien. Der Umgang mit Werkzeug ist wichtig. Die Kinder dürfen Messer, Säge und Beil zum Holzhacken benutzen. Wolfram hat nach ihrer Erzieherinnen-Ausbildung eine psychomotorische und waldpädagogische Zusatz-Ausbildung absolviert. Darüber hat sie ein Buch geschrieben: „Naturraumpädagogik in Theorie und Praxis“. Für Besucher sei man aufgeschlossen, sagt sie: „Von Anfang an hat der Wald ja keine Türen, alle dürfen kommen und schauen.“

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