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Konzert

Trotzdem zeigt Erzählmusical

Die Gruppe führt „Amazing Grace“ auf. Sie startet mit der Premiere am 10. Mai im Klosterstadel. Die Proben laufen.
Von Andrea Leopold

Die Erzähler Steffie Gruber und Erich Zink gestalten die Rahmenhandlung der Sklavengeschichte. Foto: Leopold
Die Erzähler Steffie Gruber und Erich Zink gestalten die Rahmenhandlung der Sklavengeschichte. Foto: Leopold

Pielenhofen.Die bekannte Gruppe Trotzdem hat sich heuer eine große Aufgabe gestellt. Sie wird ein Musical aufführen, das mit dem Titel „Amazing Grace“ einen der bekanntesten Gospelsongs der Welt darstellt.

Den Text zu „Amazing Grace“ schrieb 1773 der britische Sklavenkapitän John Newton, dessen bewegende Geschichte im Musical erzählt wird: John Newton hat eine kurze Kindheit. Früh verliert er seine Mutter. Die Stiefmutter hasst ihn, steckt ihn ins Heim. Das verwahrloste Heimkind wird Schiffsjunge, desertiert jedoch später von der Marine, um seine geliebte Polly Maria wiederzusehen. Er entgeht knapp dem Galgen und wird Sklavenspediteur in Westafrika.

Warum die vornehme Polly ihn trotzdem heiratet, wie John Newton zum Pfarrer der anglikanischen Kirche wurde, was ihn zum Gegner der Sklaverei machte und wie er letztendlich deren Abschaffung mit seinem Freund William Wilberforce 1807 im Londoner Parlament durchsetzte – all das wird in Gospels und Balladen besungen.

Die Gruppe Trotzdem hat unter der Leitung von Marianne Gruber im Jahr 1996 mit drei Gitarren und sieben Sängerinnen und Sängern angefangen. Mittlerweile ist der Chor auf 22 Sängerinnen und drei Sänger angewachsen. An Instrumenten verfügen sie über ein Keyboard, zwei Querflöten, zwei Sopranflöten, eine Altflöte, eine Geige, drei Gitarristen, eine Klarinette und einen Schlagzeuger. Einmal in der Woche, am Dienstag um 20 Uhr, wird im Bürgerhaus Pielenhofen geprobt.

Ein Stück mit vielen Soli

Die Wandlung vom rücksichtslosen Kapitän eines Sklavenschiffes zum frommen Gospeltexter und Gegner der Sklaverei bietet sich für die große Chorgruppe bestens an. Viele Soloparts finden sich in dem Stück. Zwei Sprecher auf der Bühne führen in die Rahmenhandlung ein und betten die Songs in den Kontext. Daneben sorgen visuelle Bildimpressionen auf der Leinwand für authentische Stimmung aus der Zeit der Sklaverei.

Die Gruppe Trotzdem singt bei Familiengottesdiensten, Erstkommunionen und Firmungen. In den letzten Jahren trat der erfolgreiche Chor mehrmals in ihrer Partnergemeinde Crecý la Chapelle und Meaux in Frankreich auf. Ende Mai ist ebenfalls ein Konzert zur 800-Jahr-Feier der Kathedrale in Frankreich geplant.

Das Lied „Amazing Grace“ sangen nach dem 11. September 2001 Christen, Muslime und Juden gemeinsam bei der Trauerfeier für die New Yorker Terroropfer. Martin Luther King machte es 1963 neben „We shall overcome“ zur Hymne der Bürgerrechtsbewegung. Schriftstellerin Harriet Beecher-Stowe zitierte es 1852 in ihrem Roman „Onkel Toms Hütte“, denn: Die berührende Melodie komponierten unbekannte schwarze Farmarbeiter. Wie die Gruppe Trotzdem auf ihren ungewöhnlichen Namen kam, entstand aus einem Gedicht von Mutter Teresa:
„Das Gute, das du tust wird morgen vergessen sein: Tue trotzdem Gutes. Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar: Sei trotzdem ehrlich und offen. Gib der Welt dein Bestes und sie schlagen dir die Zähne aus: Gib der Welt trotzdem dein Bestes“ (Auszug aus einem Text von Mutter Theresa).

Premiere ist am 10. Mai

Als John Newton 1807 starb, war der Sklavenhandel auf englischem Boden bereits einige Monate verboten. Der Mann, der an versklavten Menschen viele Verbrechen beging, wurde zu einem ihrer prominenten Fürsprecher, und das bis über den Tod hinaus. Auch seine Grabinschrift erinnert an „Amazing Grace“: „Hier ruht John Newton, früher einmal ein Ungläubiger und Wüstling, ein Diener der Sklaven in Afrika, wurde durch die reiche Gnade unseres Herrn und Retters Jesus Christus begnadigt.“

Die Premiere des Erzählmusicals findet am 10. Mai um 19.30 Uhr im Kultursaal Pielenhofen statt. Im Klosterstadel ist vor und nach dem Konzert für Essen und Trinken gesorgt.

Der Eintritt ist frei. Freiwillige Spenden, die sehr willkommen sind, kommen der Krankenpflege des Bruder-Konrad-Vereins zugute.

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