mz_logo

Pielenhofen
Freitag, 21. September 2018 28° 3

Ausdauer

Ultraläufer sind zwei Tage unterwegs

125 Extremsportler wagen sich an den Jurasteig Nonstop Ultratrail. Sie müssen 239 Kilometer und 7900 Höhenmeter bewältigen.
Von Ralf Strasser, MZ

Über Stock und Stein, ständig bergauf oder bergab geht es auf 239 Kilometern beim Jurasteig Nonstop Ultratrail unter anderem auch durch den westlichen Landkreis.
Über Stock und Stein, ständig bergauf oder bergab geht es auf 239 Kilometern beim Jurasteig Nonstop Ultratrail unter anderem auch durch den westlichen Landkreis. Foto Börner

Pielenhofen.Der Jurasteig ist 239 Kilometer lang, landschaftlich ein Juwel und für Wanderer ein Genuss. Wälder, liebliche Auen, Felsen soweit das Auge reicht. Doch der Jurasteig steht auch für sportliche und mentale Höchstleistungen. Das nennt sich kurz und knapp JUNUT und steht für den Jurasteig Nonstop Ultratrail. Vom 8. bis 10. April nehmen 125 Ultraläufer die 239 Kilometer und 7900 Höhenmeter in Angriff. Sie haben dafür maximal 54 Stunden Zeit.

Einer der Teilnehmer ist Lech Tillack. 85 Kilogramm Muskelfleisch, kein Gramm Fett, durchtrainiert. Aber: „Ich bin kein Läufer“, meint Tillack (49) aus Laub bei Zeitlarn, „eher ein sportlicher Scanner. Von jedem ein wenig.“ Er ist mehr der Kraftsporttyp, hat im Judo und Karate geschnuppert, war Stadtmeister im Tanzen. Und trotzdem will er den anspruchsvollen und selektiven Singletrail von Dietfurt an der Altmühl über Schmidmühlen und wieder zurück laufen.

Der Trail ist hart, doch der Spaß kommt für die Teilnehmer nicht zu kurz.
Der Trail ist hart, doch der Spaß kommt für die Teilnehmer nicht zu kurz. Foto: Börner

Obwohl – 239 Kilometer rennt man nicht. „Ich werde ihn gehen“, meint er und wenn er gehen sagt, sind fünf bis sechs Kilometer die Stunde angesagt. Nonstop. Fast ohne Pause, zwei Tage und Nächte lang. Es ist die Neugierde nach dem Neuen, das ihn antreibt. Und das Ausloten des Machbaren. Da hat er Erfahrung. Der Fitness- und Krafttrainer beim ESV Regensburg hat schon diverse „Events“ absolviert, wie die „Braveheart-Battle“ oder das „Adventure Race“, beides Extremläufe, nichts für Gelegenheitsjogger. Jetzt soll es der JUNUT sein.

Fünfeinhalb Marathons am Stück

Zum sechsten Mal findet dieser Lauf statt, mit Teilnehmern, die der Cheforganisator Gerhard Börner aus dem mittelfränkischen Schwabach liebevoll als „Verrückte“ bezeichnet. 125 Läufer aus sieben Nationen gehen an den Start und auf eine Strecke, die der „normale“ Wanderer in zwölf Tagesetappen geht. Maximal 54 Stunden haben sie Zeit. Wer schließlich in Dietfurt wieder angekommen ist, der hat mehr als fünfeinhalb Marathons am Stück hinter sich, hat fast acht Kilometer Höhenmeter geschafft, hat gelitten, geflucht, Freude und Kameradschaft erlebt.

Die Schnellsten schaffen den JUNUT in 38 Stunden. Für Albert Ettner (55) ist das aber eine Illusion. Der Marathonmann aus Regensburg läuft den Trail schon zum dritten Mal. 51 Stunden hat er im letzten Jahr gebraucht. Immerhin, er ist angekommen, denn 2015 kamen in der „schnellen Gruppe“ von 108 Startern nur 33 ins Ziel. Es gibt noch eine kürzere Version, hier darf man zehn Stunden vom Zeitlimit abziehen, und die Strecke verläuft auf 170 Kilometer.

Albert Ettner
Albert Ettner Foto: Ettner

Für Ettner ist JUNUT eher ein Genusslauf. Eine Meinung, die beim Hobbysportler ein ungläubiges Kopfschütteln hervorruft. „Man läuft nicht gegen die Zeit, man läuft hier ein Abenteuer“, sagt Ettner. Hat man bei 239 Kilometer nonstop noch Zeit die Landschaft zu genießen? „Unbedingt, sonst würde ich das nicht machen“, erkärt er. Die Fitness ist da und die Frage, ob die Beine halten, stellt sich bei Lech Tillack nicht.

„Nur wer mental stark ist, schafft den Trail“, sagt Tillak. Das sieht auch Organisator Gerhard Börner so. „Vor allem während der zweiten Nacht bedarf es schon einer ausgeprägten mentalen Stärke, um nicht aufzugeben“, weiß er. Da höre man im Wald Geräusche, die nicht unbedingt beruhigen. Doch welche Motivation treibt den Sportler an, sich 40 bis 54 Stunden über Stock und Stein zu bewegen, einen guten Teil davon bei Dunkelheit. „Man sucht sich eben nach 30 Jahren Marathon andere Ziele“, fasst Ettner zusammen.

Gut zu wissen

  • Der Trail

    Der JUNUT ist eine Herausforderung für jeden Ultra-Läufer. Er verläuft auf dem durchgehend markierten Wanderweg Jurasteig im ständigen bergauf und bergab durch die Mittelgebirgslandschaft des Bayerischen Jura. Er liegt zum überwiegenden Teil in der Oberpfalz, tangiert aber auch Niederbayern. Start und Ziel ist in Dietfurt.

  • Die Strecke

    Der Jurasteig hat eine Gesamtlänge von 239 Kilometern, die von den Teilnehmern nonstop bewältigt wird. Insgesamt 7900 Höhenmeter sind dabei zu überwinden.Der Weg führt von Schönhofen und bis über Kallmünz hinaus auch durch den Landkreis Regensburg. Entlang der Strecke gibt es zwölf Versorgungspunkte.

  • Voraussetzung

    Grundsätzlich muss jeder Teilnehmer schon mindestens einen 100-Meilen-Lauf (160 Kilometer) erfolgreich beendet haben.

  • Teilnehmer

    Aus dem Landkreis Regensburg sind Albert Ettner aus Großberg, Wolfgang Gunsenheimer aus Brunn, Julian Nickl aus Lappersdorf und Lech Tillack aus Laub am Start.

Neben der Neugierde auf neue Herausforderungen schwingt natürlich der Respekt vor der langen Strecke mit. „Respekt ja, Angst nein“, betont Tillack. Auch wenn er als Training den Regenstaufer Schlossberg 20 Mal rauf und runter rennt, „die Ausdauer hat man, oder man hat sie nicht“, weiß der Ultra-Sportler aus Laub.

Die Erfahrung ist wichtig

„Man kann 240 Kilometer nicht speziell trainieren“, sagt Julian Nickl, der mit seinen jungen 26 Jahren aus dem Raster der Teilnehmer fällt. Der Lappersdorfer hat auch schon am Ironman Regensburg teilgenommen. Viele seiner Mitstreiter haben schon ein Alter erreicht, das man im Jargon mit „Erfahrung“ umschreiben kann. „Die ist schon wichtig“, meint Julian Nickl, vor allem im mentalen Bereich.“ Doch der Lappersdorfer Softwareentwickler bringt als Triathlet von der Fitness her alles mit, was man zum JUNUT braucht. Trotzdem: „Mir hat Gerhard Börner prophezeit, dass ich den Trail nicht schaffe, er hat das mit meinem Alter begründet.“ Nickl sieht das gelassen, für ihn ist der Trail eine Entspannung: „Ich freue mich drauf, wann hat man schon mal die Gelegenheit, beim Sport einen Sonnenaufgang zu erleben.“

Dennoch, den Ultratrail zu laufen, ohne sich mit der Strecke im Vorfeld zu beschäftigen, ist nicht ratsam. Den Jurasteig sollte man sich angeschaut haben. Albert Ettner kennt die Strecke. „Laufen Sie mal bei völliger Dunkelheit im Wald. Sie müssen ständig den Blick wechseln, damit sie den Trail nicht verlassen, nicht über Wurzeln und Äste stolpern und die Markierungen nicht übersehen.“ Ein Verlaufen ist also vorprogrammiert? Ettner lacht: „Absolut.“

Information: www.junut.de

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht