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Bei Kunden bleiben wenig Wünsche offen

Kurzumfrage zeigt: In Regenstauf gibt es ein breites Angebot. Der Gewerbeverband ist zufrieden. Nur am Nachwuchs mangelt es.
Von Martina Schaeffer, MZ

  • Eine Innenstadt mit zahlreichen Geschäften kennzeichnet den Markt Regenstauf. Fotos: Schaeffer
  • Der Vorsitzende des Gewerbeverbands, Thomas Liebl, ist insgesamt zufrieden mit der Entwicklung in Regenstauf.

Regenstauf.Ein Schuhgeschäft im erschwinglichen Preissektor wie zum Beispiel Deichmann wäre cool oder ein Imbiss wie Subway – die Regenstaufer und Besucher aus anderen Orten hätten durchaus noch Wünsche, was das Laden- und Verkaufsangebot im Markt anbetrifft. Doch die meisten zeigen sich bei einer Kurzumfrage insgesamt mit den Einkaufsmöglichkeiten weitgehend zufrieden. So wie auch der Vorsitzende des Gewerbeverbands, Thomas Liebl und sein Stellvertreter Ingo Lederer. Nur eine ältere Dame beklagt die weiten Wege innerorts bis zum nächsten Lebensmittelangebot: „Der Markt selber ist ausgestorben“, sagt sie.

Simone Grüll beispielsweise ist mit ihrem Töchterchen in der Regensburger Straße unterwegs. Sie kaufe nahezu ausschließlich in Regenstauf ein, erzählt sie – die junge Mutter hat kein Auto. Das Einkaufsangebot findet sie insgesamt gut, nur ein Geschäft mit etwas günstigeren Schuhen wäre für sie wünschenswert.

Ein Furzkissen gefunden

„Man findet alles vor Ort“, sagt auch die 23-jährige Nadine Ohl, die den Kinderwagen mit beiden Töchtern durch die Straßen schiebt. Auch sie erledigt fast alle Einkäufe zu Fuß. Nur einen Subway vermisst sie. „Das wäre in Regenstauf auch recht praktisch.“

Auch eine Dame aus Hainsacker ist in der Marktgemeinde fündig geworden. Sie wollte zwar eigentlich einen Umtausch erledigen und dann eine Sporthose kaufen. Doch dann ist sie an einem Furzkissen hängengeblieben und hat es gleich gekauft. Ihre Enkel hätten immer so eine Gaudi damit, sagt die 67-Jährige und lächelt verschmitzt. Doch, Regenstauf sei gut sortiert, betont sie. Der Rewe sei groß. „Man kriegt dort alles“, inklusive Punktekarte.

Ganz anders sieht das eine 65-Jährige, die ihren Namen ebenfalls nicht genannt sehen will. Sie hat selber einen Laden in Regenstauf. Lebensmittel findet sie im Innerort direkt nicht. „Die, die da waren, sind alle raus auf die grüne Wiese“, beklagt sie. Gerade für ältere Menschen sei das beschwerlich, besonders dann, wenn sie auch noch krank oder gebrechlich sind. Sie selbst geht ihre Wege immer zu Fuß, muss ihre Einkaufstaschen dann zurückschleppen. „Und wenn’st was vergisst, musst nochmal gehen.“

Kaum noch Leerstände

Sehr zufrieden mit der Regenstaufer Geschäftswelt zeigen sich die Vertreter des Gewerbeverbands. Es gebe momentan nur ganz wenig Leerstände, unterstreicht Thomas Liebl, selber seit 30 Jahren Mitglied und seit zwölf Jahren Vorsitzender in Regenstauf und auch Bezirksvorsitzender. Auch das Max-Center sei jetzt wiederbelebt, unterstreicht der Augenoptikermeister. Nur in der Bahnhofsstraße gebe es aktuell ein leerstehendes Geschäft. Alle anderen seien vermietet, zum Teil auch an Dienstleister wie Versicherung, Makler oder an die VHS.

„Wir arbeiten seit über 30 Jahren sehr gut mit den Marktgemeinderäten zusammen“, betont Liebl. „Wir schauen, dass wir eine attraktive Geschäftswelt haben.“ Ob Sportartikel, Fahrräder, Ski, Schuhe oder Mode – in Regenstauf gebe es fast alles außer wenige Babybedarfsartikel.

„Wir schauen, dass wir eine attraktive Geschäftswelt haben.“Thomas Liebl

„Wo man ein bissel Obacht geben muss“, sagt Liebl, sei bei der Jugend. Das Gewerbe müsse zeigen, „dass wir auch junge Leute haben wollen als Kunden“. Da hake es noch ein bisschen am Verständnis, an der Kommunikation. „Die Jungen wissen gar nicht, dass wir das bieten.“

auch Online-Handel

Dabei arbeiten viele Geschäfte in Regenstauf auch mit Online-Händlern zusammen. Liebl selbst ist einer der Pioniere auf diesem Gebiet, wurde zum größten Kontaktlinsen-Versender Europas. Und er kennt die Vor- und Nachteile gut. „Der Einzelhandel hat in den letzten Jahren gespürt, dass man im Internet sehr gut Preise und Lieferzeiten vergleichen kann.“

Insgesamt sieht er die Regenstaufer Geschäftswelt gut aufgestellt. Vieles sei zum Teil auch günstiger als in Regensburg. Der Grund: Die Mieten seien nicht so hoch und in den Geschäften arbeiten noch viele Inhaber selber mit, seien vor Ort für die Kunden Ansprechpartner. Kurz: Es gehe nicht alles nur schnell, schnell, schnell. „Wir fühlen uns mehr als Mitglieder der Gemeinde“, unterstreicht er das Familiäre.

Gewerbeflächen fehlen

Doch ein paar Probleme gibt es aus Sicht des Gewerbeverbands auch in Regenstauf: Es gebe zu wenig Gewerbeflächen in mittlerer Größe, sprich: zwischen 1000 und 3000 Quadratmetern Fläche. Die Krux dabei: Es seien zu wenig Tauschflächen da. Der Vorsitzende des Gewerbeverbands will das nicht als Kritik an die Verwaltung verstanden wissen. „Das ist eine Empfehlung, das sollte beobachtet werden.“

Auch die regionale Ausbildungssituation bereitet Sorgen. „Die Leute zieht es eher nach Regensburg“, beschreibt Liebl und er wirbt mit den Vorteilen einer Ausbildung am Land. „Lehrlinge sollten regional denken. Man verplempert nicht seine Zeit.“

„Meine Mitarbeiter kommen liebend gern raus.“ Firmeninhaber Ingo Lederer

Auch Ingo Lederer, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Stegerer Metallbau GmbH und Liebls Stellvertreter im Bund der Selbständigen, wie der Gewerbeverband seit 20 Jahren auch heißt, nennt viele Vorzüge des Arbeitens in der Marktgemeinde: Das sei ein optimaler Standort, zum Beispiel auch bezogen auf Anfahrtswege. „Meine Mitarbeiter kommen liebend gern raus.“

Von fünf auf 35 hat er die Zahl seiner in den letzten 15 Jahren aufgestockt und es könnten noch mehr sein, betont er. Allerdings hat auch er, wie viele andere Betriebe auch, zunehmend mit dem Fachkräftemangel am Markt zu kämpfen. Und vor weiterer Expansion steht deshalb die Frage: „Was ist nächstes Jahr, wenn du keine Leute mehr kriegst.“

Um die Mitarbeiter kümmern

Und so tun Liebl und Lederer selbst einiges, damit ihre Mitarbeiter sich wohlfühlen, wie sie betonen: ob Abo im Fitnessstudio, gemeinsamer Skiausflug, ob Zusatzrente oder Beteiligungsmodelle. „Ein Mitarbeiter, der gerne in die Arbeit geht und sich da wohlfühlt, ist einfach produktiver“, unterstreicht Lederer.

Das Regenstaufer Konzept „Leben findet Innenstadt“ begrüßen die beiden ausdrücklich. Auch das Thema Parkplätze sei kein großes. Hier gelte es allenfalls, ein Umdenken anzuregen: Anwohner oder Besucher, die sich länger aufhalten, sollten besser Parkplätze beim Friedhof und am Anger nutzen und die wenigen direkt im Ort besser Kurzzeitparkern überlassen.

Den Verkehr entzerren

Nur beim Thema Ortsdurchfahrt muss Liebl ein wenig mit dem Kopf schütteln. Er hat vor Jahrzehnten schon selbst dagegen demonstriert. Doch heute sieht er es gelassener: „Es ist nunmal so. Das ist die alte Salzstraße.“ Die sei zuerst da gewesen, dann kam erst der Ort. Die Situation sei zwar verbesserungsbedürftig, der Verkehrsfluss müsste besser koordiniert werden. „Aber es ist etwas im Gange“, sagt Liebl. „Und das befürworten wir natürlich.“ Er wünsche sich auch für die Zukunft einen starken Gewerbeverband, der – ein Netzwerker – gemeinsam mit Anwohnern und Mandatsträgern bei Problemen Abhilfe schafft. Und Lederer ergänzt: „Wir brauchen uns nicht großartig beschweren. Wir sind gut aufgestellt.“

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Das Gewerbe in Regenstauf

  • Gewerbe

  • Rund 860 Gewerbetreibende gibt es in Regenstauf. Allerdings ist diese Zahl etwas irreführend, denn private Betreiber von Sonnenkollektoren werden beispielsweise mitgezählt, erklärt der Vorsitzende des Gewerbeverbands, Thomas Liebl. Bereinigt bleiben um die 600 Gewerbetreibenden übrig.

  • Interessenvertretung

  • Der Gewerbeverband Regenstauf hat aktuell 80 Mitglieder. Die Zahl ist rückläufig, es waren schon einmal 100, schildert Liebl. Einer der Gründe dafür zum Beispiel: fehlende Firmennachfolger.

  • Vorsitz

  • Thomas Liebl führt den Gewerbeverband seit zwölf Jahren als Vorsitzender. Mitglied ist er seit 30 Jahren. Und er ist Vorsitzender des Bezirksverbands Oberpfalz.

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