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Das Flussbad: Beliebt wie vor 50 Jahren

Viele Badegäste halten dem Valentinsbad seit einem halben Jahrhundert die Treue. Regenstauf investierte in die Naherholung.
Von Sabine Norgall, MZ

Das Valentinsbad in Regenstauf ist ein ganz besonderer Ort für die Naherholung. Viele Stammgäste halten ihm seit Jahrzehnten die Treue und sind sich sicher, für sich den schönsten Badeplatz gefunden zu haben. Eindrücke von dem malerischen Flussbad fing Sabine Norgall mit der Kamera ein.

Regenstauf.Das Flussbad am Regen, das Valentinsbad in Regenstauf, ist, was die Naherholung angeht, eine besondere Perle. Es ist so schön, dass dieser Bericht, ginge es nach den Badegästen, die dort seit Jahrzehnten Sommer für Sommer zu Hause sind, am besten nicht erscheinen sollte. Familiär geht es zu, man kennen sich, und mehr Besucher anzulocken, so die oft geäußerte Meinung, „des braucht’s wirklich nicht“.

Dabei geben selbst Stammgäste schmunzelnd zu, dass selbst dann, wenn der Parkplatz längst überfüllt ist und sich die Autos oben an der Straße nach Nittenau Stoßstange an Stoßstange reihen, es trotzdem nicht eng wird auf der großen Liegewiese. Und wer schon mal an einem heißen Sommertag in einem Freibad gerade noch einen Stehplatz im Becken bekam, der weiß es zu schätzen, im Fluss mit viel Freiraum zu schwimmen.

Stammplätze werden verteidigt

Nur ein paar Stammplätze unter den großen Bäumen sollte der ortsfremde Besucher nur dann aufsuchen, wenn er mit der „psychologischen Kriegsführung“ mancher alteingesessenen Regenstaufer zurecht kommt. Herbert Rieder, der dem Valentinsbad seit über einem halben Jahrhundert die Treue hält, hat manches beobachtet. Mal werden „Eindringlinge“ mit Decken und Stühlen so eingekreist, dass sie irgendwann entnervt aufgeben, mal werden an einem beliebten Baum Schilder angebracht: „Vorsicht Zecken“.

Herbert Rieder kennt keinen schöneren Badeplatz als das Valentinsbad.
Herbert Rieder kennt keinen schöneren Badeplatz als das Valentinsbad.

Lachend schildert Rieder eine Beobachtung dieses Sommers, als sich drei junge Frauen am Ufer unterhielten: „Da sind ja Fische drin, da geh ich nicht rein.“ Als Rieder Maria Gruber, die den Badeplatz seit Jahrzehnten schätzt, diese Geschichte erzählt, antwortet sie spontan: „Hättest g’sagt, die Fisch sind besonders bissig und sie sollen ja nicht reingehen.“

Maria Gruber und Herbert Rieder erinnern sich gut an die 60er Jahre, als sie erstmals ins Valentinsbad, benannt nach dem Wirt dem Badeinsel und Gaststätte gehörten, kamen.

Eine Luftaufnahme aus den 60er Jahren. Die heute geschätzten Baumgruppen wurden erst später gepflanzt.
Eine Luftaufnahme aus den 60er Jahren. Die heute geschätzten Baumgruppen wurden erst später gepflanzt.

Damals sei „halb Regensburg“ nach Regenstauf gekommen, viele mit dem Rad. Auf der Wiese wurde nicht wie heute Beachvolleyball sondern Fußball gespielt. Schuhe, sagt Herbert Rieder, waren wegen der Verletzungsgefahr verboten. Dafür sei manch einer auf dem unebenen Gelände umgeknickt oder hätte sich schmerzhaft die Zehen angehauen.

Wassertiefe bis drei Meter

Kinder, die noch nicht sicher schwimmen können, kann man heute wie damals nicht unbeaufsichtigt lassen. Bis zu drei Meter tief kann das Wasser im Bereich des Badeplatzes sein. Sandbänke und Wasserlöcher verändern sich im Flusslauf immer wieder. Die Wassertiefe garantiert das Wehr, das bei der Eichmühle in Regenstauf den Fluss aufstaut. Ambitionierte Schwimmer schwimmen gegen die Strömung, in diesem Sommer ist sie aufgrund des niedrigen Wasserstands kaum mehr zu spüren. Am Badeplatz führt ein bequemer Einstieg ins Wasser, man schwimmt mit der Strömung und verlässt den Fluss in der Sandbucht.

Wer nicht mehr schwimmen will, beobachtet in der kleinen Sandbucht die Fische, baut Burgen oder Kanäle.
Wer nicht mehr schwimmen will, beobachtet in der kleinen Sandbucht die Fische, baut Burgen oder Kanäle.

Wer gerne eine längere Strecke schwimmt, geht am Fluss aufwärts bis nach Fiedelhof. Dort wo der Ellbach in den Regen mündet (heuer bringt er seit drei Wochen keinen Tropfen Wasser mehr), geht man über angeschwemmten Sand bequem ins Wasser. Dann, sagt Herbert Rieder, sind es rund 600 Meter bis hinunter zum Badeplatz (eine knappe halbe Stunde, wenn man es gemütlich angeht). Natürlich ist das nur was für sichere Schwimmer, aber hier ein Tipp. In Flussrichtung rechts gibt es fast durchgehend eine Sandbank. Wer die Strecke nicht schwimmen will, kann sie auch zu Fuß zurücklegen.

Geschichte des Bads

  • Benannt nach dem Wirt

  • Seinen Namen verdankt das Valentinsbad seinem ehemaligen Besitzer, der zusammen mit seiner Frau in den 60er Jahren die einfache Gaststätte in seinem Wohnhaus direkt am Badeplatz und das Tanzcafé oben an der Straße betrieb.

  • Zwischenspiel als Regentalbad

  • Auch wenn es zwischenzeitlich unter „Regentalbad“ firmierte, kehrte man in Regenstauf gerne wieder zur vertrauten Bezeichnung zurück.

  • Die KIrche erbte

  • Durch einen Erbgang kamen Grundstück und Gebäude in den Besitz des bischöflichen Stuhls.

  • Verpachtet an den Markt

  • 1987 erwarb der Markt Gaststätte und Freifläche im Erbbaurecht.

  • Ausbau in mehreren Schritten

  • Altbürgermeister Johann Zelzner erinnert sich, dass der heutige Ausbauzustand mit Restaurant, Umkleiden und Toiletten in mehreren Schritten erfolgte.

  • Seit sich die in den 90er-Jahren neu gestaltete Anlage so attraktiv präsentiert, hat die Zahl der Besucher wieder deutlich zugenommen.

  • Gewässergüte Klasse II

  • In den 70er- und 80er Jahren war die Zahl der Badegäste zurückgegangen, auch wegen der schlechten Wasserqualität des Regens in diesen Jahren.

  • Nachdem der Abwasserzweckverband das Regental kanalisiert hatte, erinnert sich Altbürgermeister Zelzner, war die Zeit für ein attraktives Freibad am Ort gekommen.

Die Fluss- und Seebäder in der Region

In den 70er- und 80er Jahren wurde es still um das Flussbad. Die Wasserqualität des Regens hatte sich sehr verschlechtert. Heute, wo das ganze Regental an das Kanalnetz angeschlossen ist, ist das Badevergnügen bei einer Wassergüteklasse II wieder fast ungetrübt. Selbst bei 27 Grad Wassertemperatur, die der Regen heuer schon erreichte, gibt es kaum Blasen auf dem Wasser. Herbert Rieder hat eine schlüssige Erklärung: „Es hat seit Wochen nicht geregnet. Es wird nichts von den Feldern in den Fluss gespült.“ (Aktuelle Wassertemperatur am Freitag, 11 Uhr, gemessen am Pegel Marienthal: 25 Grad).

Mit kostenlosen Parkplätzen, Umkleiden, Toiletten, Duschen und nicht zu vergessen dem Restaurant steht der Naherholung nichts im Weg. Verbesserungsvorschläge wie mehr Bäume, einen zweiten Einstieg oder eine größere Badebucht gibt es immer wieder. Christine Meller aus Laub, die seit Jahrzehnten an fast jedem schönen Tag ins Valentinsbad kommt, sieht die Wünsche mehr als mögliche Anregungen: „Die Regenstaufer jammern hier manchmal auf hohem Niveau.“

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