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Geschichte

Die Wirtschaft blühte im Markt spät auf

Heute ist Regenstauf ein bedeutender Standort. Die Ausstellung des Marktarchivs „Mittendrin und gut dabei“ beleuchtet die Entwicklung am Ort.
Von Sabine Norgall, MZ

Regenstauf.Es tut sich was im Regenstaufer Marktarchiv. Archivar Dr. Artur Dirmeier und die Ortsheimatpfleger Georg Gahr und Gerhard Kemmeter sichten das Archiv unter den verschiedensten Gesichtspunkten und tragen Material zu verschiedenen Themenkomplexen zusammen. Zu diesen gibt es immer wieder kleine Ausstellungen, die Einblicke in Arbeit geben. Später sollen die gesamten Recherchen in eine große Ausstellung im Kulturhaus münden.

Aktuell ist im Regenstaufer Rathaus die Ausstellung „Mittendrin und gut dabei, der Weg zum Wirtschaftsstandort Regenstauf“ zu sehen. Die zwei Ausstellungstafeln und die Vitrine, die vor dem Archiv im ersten Stock des Rathauses bestückt wurden, scheinen auf den ersten Blick überschaubar, vermitteln aber eine Menge Heimatgeschichte und Hintergrundwissen.

Später Aufbruch

Mit der beginnenden Industrialisierung war man im Markt relativ spät dran, erläuterte Ortsheimatpfleger Georg Gahr bei der Ausstellungseröffnung. Erst 1859, mit dem Bau der Bahnlinie Regensburg - Nürnberg, die damals über Schwandorf führte, bekam Regenstauf ein Massenverkehrsmittel. Der Bahnhof bot in seinem Umfeld genügend Platz zur Ansiedlung für Unternehmen. Die alten Fotos der Ausstellung dokumentieren dort unter anderem eine Ziegelei mit Bahnanschluss, eine Großschreinerei, eine Dachpappenfabrik und eine Produktionsanlage für Holzwolle für die Verpackung von Porzellan. Bei der Ausstellungseröffnung riefen Altbürgermeister Hans Zelzner und Bürgermeister Siegfried Böhringer Kindheitserinnerungen zu einigen dieser Betriebe ab. So holte Hans Zelzner für 90 Pfennige seinem Großvater jede Woche eine Flasche Heidelbeerwein aus der Fabrik von Dr. Pfannenstiel. Siegfried Böhringer erinnert sich noch gut an die Schilfbündel, die in Heimarbeit geschält und dann zu Schilfmatten verarbeitet wurden.

Nach der Zäsur durch Wirtschaftskrise, Währungsreform und die beiden Weltkriege siedelte sich in Regenstauf, vor allem auch aufgrund der verkehrsgünstigen Lage, wieder vermehrt Betriebe an. Ein Umstand, bei dem immer die Verdienste von Altbürgermeister Hans Zelzner erwähnt werden. Als neuer Gewerbestandort etablierte sich das Gebiet zu beiden Seiten der Bahnlinie in Richtung Regensburg.

Wirtschaftsarchiv notwendig

Gut 150 Jahre nach dem ersten Industrialisierungsaufschwung, so stellt es die Ausstellung dar, ist Regenstauf heute geprägt von modernen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Archivar Dr. Artur Dirmeier machte mit Blick auf die Ausstellung deutlich, dass alles, was nicht schriftlich überliefert sei, verloren gehe. Erst seit 1994 gebe es in Bayern überhaupt ein Wirtschaftsarchiv. Der Bestand alter Firmenarchiven sei bis vor wenigen Jahren oft dem Zufall überlassen gewesen. Diese Unterlagen fehlen oft auch in Regenstaufer Marktarchiv. Wie viele Mitarbeiter die ehemaligen Unternehmen beschäftigten oder wie die Arbeitsbedingungen waren, das lässt sich heute kaum mehr oder nur sehr mühsam zusammentragen. Dr. Dirmeier ermunterte dazu, frühzeitig in Kontakt mit den Betrieben zu bleiben und deren Unterlage für das Marktarchiv zu gewinnen.

Bürgermeister Böhringer forderte die Regenstaufer auf, bei Haushaltsauflösungen nicht zu schnell zu entsorgen. Oft behalte man nur die Bilder mit persönlichem Erinnerungswert. Für das Archiv seien es aber oft Aufnahmen von Häusern und Plätzen, die besonders interessant seien.

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