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Kunst

Er sieht Farben und Licht im Regen

Zu seinem 80. Geburtstags stellt Angelo Travi im Schloss Spindlhof aus. Der Bilderzyklus „Regen“ ist weder trist noch grau.
Von Sabine Norgall, MZ

 „Schnell noch die Brille weg.“ Ein bisschen Eitelkeit, sagt Angelo Travi, darf auch zum 80. Geburtstag noch sein. Viel Lebensfreude und -klugheit auch, wie sie sein Zyklus „Regen“ widerspiegelt.
„Schnell noch die Brille weg.“ Ein bisschen Eitelkeit, sagt Angelo Travi, darf auch zum 80. Geburtstag noch sein. Viel Lebensfreude und -klugheit auch, wie sie sein Zyklus „Regen“ widerspiegelt. Foto: Norgall

Regenstauf.„Eine Retrospektive meiner Werke könnt ihr machen, wenn ich tot bin.“ So lautete die lachende Antwort des Künstlers Angelo Travi, als seine Freunde, Georg Gahr vom KuKuMu und Regenstaufs Bürgermeister Siegfried Böhringer, ihn baten, doch anlässlich seines 80. Geburtstags, den er vor wenigen Tagen feierte, nochmals in Regenstauf auszustellen. Gahr und Böhringer hatten zunächst an ein „best off“, eine Zusammenstellung bestehender Werke, gedacht. Angelo Travi aber wollte nochmals etwas ganz Neues schaffen. „Mit der Energie eines Jungen“, so schildert es Georg Gahr, habe sich Travi ans Werk gemacht und ein Regenbild nach dem anderem gemalt. Und schließlich ist die Ausstellung doch so etwas wie ein „best off“ geworden, ein „best off“ eines langen Lebens, eines jahrzehntelangen künstlerischen Schaffens.

Die Bandbreite des Lebens

Als roter Faden vereint alle Bilder der Ausstellung das Thema Regen. In ihrer Verschiedenartigkeit spiegeln sie aber den Künstler in seiner Vielfalt wieder: Den Nachdenklichen, der einen Jugendlichen aus dem Fenster schauen lässt,

Ein nachdenkliches Gesicht am Fenster blickt in den Regenguss.
Ein nachdenkliches Gesicht am Fenster blickt in den Regenguss.Foto: Norgall

den Beobachter, der ein Liebespaar auf einer Bank abbildet oder über ein Kinderpaar schmunzelt, das sich vorsichtig in eine große Pfütze wagt.

Farben gibt es auch im Regen, man muss nur hinschauen, sagt Travi und hält sie exemplarisch mit den Kindern fest, die sich vorsichtig in die Pfütze wagen
Farben gibt es auch im Regen, man muss nur hinschauen, sagt Travi und hält sie exemplarisch mit den Kindern fest, die sich vorsichtig in die Pfütze wagen.Foto: Norgall

Lebensfreude pur spiegelt der Junge wieder, der in die Pfütze springt.
Lebensfreude pur spiegelt der Junge wieder, der in die Pfütze springt. Foto: Norgall

Bei einem Paar, das sich im nassen Pflaster widerspiegelt, machte es ihm Spaß, mit den Farben zu spielen. Bei den Schwalben, die sich vor einem kräftigen Regenguss unter ein südlich anmutendes Hausdach ducken, wurden Erinnerungen an seine Heimat wach. Und natürlich gehört bei Angelo Travi auch ein (sehr keuscher) Frauenakt in diesen Bilderzyklus, einfach deshalb, weil für ihn der weibliche Körper ein schönes Motiv ist.

Weiblicher Akt im Regen.
Weiblicher Akt im Regen. Foto: Norgall

Travi spiegelt in seinen Motiven die Bandbreite des Lebens wieder: Die stillen, die lustigen, die traurigen und die nachdenklichen Momente.

Das Regenmotiv, sagt Travi im Gespräch mit der MZ, habe es deshalb gewählt, weil es nicht abgegriffen sei. Ständigen Wiederholungen langweilen ihn mit seiner Lebenserfahrung von acht Jahrzehnten. Deshalb machen ihm die Regensburgmotive, die er immer wieder als Auftragsarbeiten malt, nur noch bedingt Freude. „Wenn man etwas täglich sieht, gewöhnt an sich daran, die Schönheit fällt einem gar nicht mehr auf“, sagt Travi und ergänzt augenzwinkernd: „Das ist wie in einer Ehe.“

„Kunst ist auch Handwerk“

Travi sieht die Kunst, das Malen, zunächst einmal als Handwerk, das man beherrschen müsse. Erst wenn diese Grundlage stimme, komme die Begabung ins Spiel.

Perfektes Handwerk, die Regentropfen auf den Seerosenblättern.
Perfektes Handwerk, die Regentropfen auf den Seerosenblättern. Foto: Norgall

Abstrakte Malerei, das seien nicht ein paar Striche auf der Leinwand, sondern im eigentlichen Wortsinn das Abstrahieren, das Herausziehen eines Motivs. Zunächst einmal, sagt er, habe er einfach angefangen, den Regenzyklus zu malen. Dann habe er seine Freude an diesem Thema entdeckt: „Die Leute meinen immer, im Regen ist alles grau. Aber die Farben bleiben da, mann muss sie nur sehen.“

Der 80. ist eine Zahl

Der 80. Geburtstag, sagt Angelo Travi, sei für ihn nur eine Zahl. Er könne nicht stillsitzen, müsse seine Bilder auf die Leinwand bringen und der Umgang mit den Schülern in seinem Atelier erhalte ihn jung: „Ich habe Leute, die müsste ich erschießen, damit sie wegbleiben.“ Heute, gestikuliert Travi ausdrucksvoll, werde ein Maler immer nach seinem Stil gefragt: „Ich habe keinen Stil, ich male immer so, dass es zum Motiv passt. Der Stil ändert sich so wie man selbst. Man wird reifer, man ändert seine Meinungen und auch den Stil seiner Malerei.“

Daten zur Ausstellung

  • Geboren bei Bregamo

  • Angelo Travi wurde 1935 in Casirate d’Adda in der Nähe von Bergamo auf dem Bauernhof seiner Großeltern geboren. Er entstammt einer Künstlerfamilie, die seit dem 16. Jahrhundert in Oberitalien ansässig ist und immer wieder (teilweise mit einem Abstand von fast 100 Jahren) bedeutende Künstler hervorbrachte.

  • Ein freier Geist

  • Der Maler ist Mitglied der Künstlergruppe „Neuer lombardischer Realismus“, lässt sich aber hinsichtlich seines Malstils nicht festlegen.

  • Kunst liegt in der Familie

  • Drei weitere Brüder sind neben Angelo Travi künstlerisch tätig. Mehrmals stellte der in Regensburg lebende Maler schon in Regenstauf aus, einmal auch gemeinsam mit seinen Brüdern.

  • Zu Hause in Regensburg

  • In Regensburg lebt der Künstler mit seiner Familie schon seit über 50 Jahren, hier malt er und unterrichtet auch heute noch viele Schüler.

  • Die Vernissage

  • Vernissage im Schloss Spindlhof ist heute, Freitag, um 19 Uhr.

  • Die Ausstellungszeiten

  • Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr und am Samstag von 8 bis 12 Uhr zu sehen.

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