mz_logo

Gemeinden
Montag, 23. April 2018 22° 6

Finanzen

Kunden stocksauer auf Sparkasse

Nach der Schließung der Filiale gehen die Steinsberger auf die Barrikaden. Der Landrätin wird ein Armutszeugnis ausgestellt.
von Monika Bucher, MZ

In Steinsberg wurde die SB-Filiale der Sparkasse geschlossen, die Bürger trafen sich und protestierten dagegen. Foto: Bucher

Steinsberg.Im Regenstaufer Ortsteil Steinsberg brodelt es zur Zeit ganz gewaltig. Viele ältere aber auch jüngere Bürger fühlen sich davon überrumpelt, dass die Sparkasse die Selbstbedienungsfiliale in der Pfalzgrafenstraße 42 Anfang Oktober schloss und damit Briefkasten, Kontoauszugsdrucker und Geldautomat abgebaut wurden. Ärger herrschte auch darüber, dass zwar die Sparkasse ihre Kunden wegen einer Gebührenänderung angeschrieben hatte, aber mit keinem Wort die Schließung erwähnte. Die wurde erst im August mit einer winzigen Anzeige im gemeindlichen Mitteilungsblatt erwähnt, was viele sogar überlesen hatten.

Zu einem „Protesttreffen“ kamen nun neben rund 40 Bürgern auch parteiübergreifend der örtliche SPD-Vorsitzende Christian Engl, CSU-Vorsitzender Max Eigl und der ehemalige AfD-Direktkandidat Armin Bauer vom Kreisverband Regensburg und zeigten damit Solidariät. Gottfried Reiß, Vorsitzender des Vereins der Handwerksmeister, Ingenieure und Techniker, sprach die rechtliche Seite an. Die Sparkasse Regensburg sei eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Laut ihrer Satzung habe sie keine Gewinnoptimierungspflicht. Die Rentabilität sei also kein Grund für die Schließung.

„Für die Bürger wird nicht getan“

„Die Bürger im ländlichen Bereich haben einen Anspruch auf die wohnungsnahe Versorgung mit Bankgeschäften“, sagt Reiß. Von der Schließung betroffen seien Bürger aus der ganzen Umgebung, teilte Reiß mit. Die Sparkasse sei ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut. „Die Verwaltungsräte kassieren jedoch viel Geld und tun nichts für die Bürger, so wie es ihre Pflicht wäre.“ In einer Bitte um Hilfe an Vorstandsmitglied und Landrätin Tanja Schweiger, so Reiß, schob diese nur die Verantwortung dem Vorstandsvorsitzenden Franz-Xaver Lindl zu. „Dies ist ein rechtliches Armutszeugnis.“

„Die Verwaltungsräte kassieren jedoch viel Geld und tun nichts für die Bürger, so wie es ihre Pflicht wäre.“

Gottfried Reiß

Laut Marktrat Christian Engl teilte die Sparkasse bei einem Treffen zum Thema SB-Filiale-Erhalt mit MdB Peter Aumer und 3. Bürgermeister Josef Schindler in Regenstauf Anfang Oktober lediglich mit, dass die Schließung bereits beschlossene Sache sei. Engl regte nun den Wechsel zu einer anderen ortsansässigen Bank an, was auch dem Ziel diene, diese zu erhalten und eine weitere Schließung zu vermeiden.

2. Bürgermeister Hans Dechant betonte, dass die Gemeinde Regenstauf der Sparkasse angeboten hätte, die SB-Automaten mietfrei im Alten Schulhaus aufstellen zu dürfen. Das Gebäude werde demnächst auch barrierefrei umgebaut. Dies wurde abgelehnt. Aber er wolle weitere Gespräche anregen, sicherte er zu.

Viele Bürger meldeten sich engagiert zu Wort. „Nähe ist einfach“, heiße es in der Werbung im Schaufenster. Die Steinsberger, so war rundum zu hören, empfinden diesen Slogan jetzt als Hohn. Nicht alle könnten mit dem Bus fahren, mit Rollator oder Rollstuhl sei dies zu beschwerlich. In den Ferien oder an Samstagen und Sonntagen gebe es überhaupt keine Busverbindung nach Regenstauf, am Sonntag nicht einmal nach Regensburg.

„Wir fordern die Zusage ein“

Anita Michel wies auf eine Stellungnahme der Sparkasse vom Februar 2016 bezüglich geplanter Filialschließungen hin. Dort wird versichert, dass die Bargeldversorgung flächendeckend gewährleistet wird. „Dies ist eine Zusage, die fordern wir jetzt ein“, meinte sie. Es sollten sich auch andere betroffene Gemeinden melden, um sich gegenseitig zu unterstützen.

„Das ist ein Skandal.“

Heinrich Pangerl

Heinrich Pangerl nannte es einen „Angriff auf die Würde der alten Menschen“, ihm die Möglichkeit zu nehmen selbstständig Geld abzuheben und damit auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. „Das ist ein Skandal“, sagte er.

Mehr Nachrichten aus dem Kreis Regensburg lesen Sie hier.

Stimmen älterer Bürger

  • Brigitte Lauterbach:

    „Ich bin 85 Jahre und nur noch mit dem Rollator mobil. Ich muss jetzt warten, bis mein Sohn aus Nürnberg kommt und mir hilft.“

  • Elfriede Stuber:

    „Seit 60 Jahren, seit meiner Lehre, bin ich Kunde bei der Sparkasse, und jetzt kann ich nicht einmal mehr ortsnah Geld abheben.“

  • Rosa Engl:

    „Bis jetzt konnte man auch ohne fremde Hilfe und Auto seine Bankgeschäfte erledigen, das geht jetzt nicht mehr. Die älteren Leute kommen doch nicht mehr mit dem Online-Banking zurecht.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht