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Engagement

Regenstauf hat vier neue Ehrenbürger

Höchste Auszeichnung für Johann Graf, Eberhard Krüger, Gerhard Wagner und Alois Weig. Ihr jahrelanger Einsatz wird gewürdigt.
Von Sabine Norgall, MZ

Bürgermeister Böhringer (Mitte) verlieh die Ehrenbürgerwürde an Johann Graf, Eberhard Krüger, Gerhard Wagner und Alois Weig (im Bild von links).
Bürgermeister Böhringer (Mitte) verlieh die Ehrenbürgerwürde an Johann Graf, Eberhard Krüger, Gerhard Wagner und Alois Weig (im Bild von links). Foto: Norgall

Regenstauf.„Ehrungen, das ist, wenn die Gerechtigkeit ihren liebenswürdigen Tag hat.“ Mit diesem Satz von Konrad Adenauer eröffnete Bürgermeister Siegfried Böhringer die Festsitzung des Regenstaufer Marktrats zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Johann Graf, Eberhard Krüger, Gerhard Wagner und Alois Weig. Alle vier Regenstaufer sind bereits Träger der goldenen Bürgermedaille des Markts, jetzt verlieh ihnen der Markt, auf einstimmigen Beschluss des Marktrats, die höchstmögliche gemeindliche Auszeichnung. Zwölf Regenstaufer wurden bisher mit dieser besonderen Auszeichnung gewürdigt. Mit dem 90-jährigen Altbürgermeister gab es aktuell aber nur noch einen lebenden Träger der Auszeichnung. Johann Zelzner ließ es sich, ebenso wie mehrere Träger der Regenstaufer Bürgermedaille, nicht nehmen, an der Festsitzung des Markts teilzunehmen. Nach dem Festakt am Montagabend gibt es jetzt wieder fünf Ehrenbürger in der Großgemeinde.

„Ehrenamt bedeutet immer mehr zu tun, als es seine Pflicht ist.“

Bürgermeister Siegfried Böhringer

Bürgermeister Siegfried Böhringer betonte in seiner Laudatio, dass alle Ehrenbürger „einen weit über die allgemeine Bürgerpflicht hinausgehenden besonderen Beitrag“ für das Gemeinwohl geleistet hätten und verwies dabei auf eine große Bandbreite: Soziales Engagement im Dienst am Nächsten, persönliche oder finanzielle Zuwendungen, wirtschaftliches Engagement durch die Bereitstellung eines Arbeitsplatzes oder auch die Einbringung in ein Ehrenamt. Böhringer betonte: „Ehrenamt bedeutet immer mehr zu tun, als es seine Pflicht ist.“ Alle Ehrungskandidaten hätten sich weit über ihre normale Bürgerpflicht hinaus in den Dienst der ehrenamtlichen örtlichen oder überörtlichen Politik oder für Verbandsaufgaben zur Verfügung gestellt. Sie hätten sich bei der Ausübung ihrer Mandate und Ämter um Bürgernähe und Ausgleich bemüht, um Verständnis und Vermittlung, um die gesellschaftliche und wirtschaftliche Weiterentwicklung. Menschen, die uneigennützig für die gesellschaftliche oder wirtschaftliche Weiterentwicklung ihre freie Zeit investierten und ihr Herz an eine Sache hängten, die dem Gemeinwohl und der Gemeinschaft diene, hätten es verdient, geehrt und ausgezeichnet zu werden.

„Es gibt keine Ehrung, die so genau durchdacht wird, wie die auf Gemeindeebene.“

Willi Hogger

Stellvertretender Landrat Willi Hogger betonte in seinem Grußwort: „Es gibt keine Ehrung, die so genau durchdacht wird, wie die auf Gemeindeebene. „Man kennt jeden und kann ihn genau durchleuchten.“ Auf höherer Ebene, so Hogger, schaue das oft schon ganz anders aus: „Jeder, der von einer Gemeinde geehrt wird, hat es auch verdient.“

Laudatio für Hans Graf

Über seinen Vater wuchs der ehemalige Bäckermeister Hans Graf schon früh in die kommunalpolitische Tätigkeit hinein. Hans Graf sen. reorganisierte 1946 die Regenstaufer SPD. 1956 siedelte die Familie nach Diesenbach über und eröffnete dort einen eigenen Bäckereibetrieb. Der Vater verstarb früh. 1966 wurde Hans Graf für die SPD in den Diesenbacher Gemeinderat, 1975 zum 1. Bürgermeister von Diesenbach gewählt. „Trotz intensivster Gegenbemühungen“, sagte Bürgermeister Böhringer bei der Laudatio schmunzelnd, wurde Diesenbach 1978 zu Regenstauf eingemeindet. Und diese Eingemeindung, gibt Hans Graf offen zu, erreicht bis heute nicht seine volle Zustimmung.

Hans Graf (Rechts) ist neuer Ehrenbürger des Markts.
Hans Graf (Rechts) ist neuer Ehrenbürger des Markts. Foto: Norgall

Von 1978 bis 2002 führte Hans Graf im Regenstaufer Marktrat die SPD-Fraktion. Böhringer würdigte: „Hans Graf war stets ein Politiker, der seine ehrenamtliche Verantwortung sehr ernst nah. Mit seiner langen kommunalpolitischen Erfahrung wurden seine Standpunkte, die er als Sprecher der Opposition einbrachte, akzeptiert und respektiert.“ Zusammen mit Altbürgermeister Johann Zelzner habe er maßgeblich am großen Aufschwung des Markts vom Armenhaus der Oberpfalz zum blühenden Gewerbestandort mitgewirkt. Anlässlich der Verleihung der Bürgermedaille formulierte Graf 2007: „Politik ist für mich nicht Ausgleich oder Hobby, da man mit Menschen umgeht, Entscheidungen zu treffen hat und Bürger gelegentlich auch enttäuschen muss.“ 42 Jahre gehörte Graf dem Kreisrat an und hatte in seiner Funktion als Sprecher der SPD-Fraktion ein gehöriges Wort mitzureden. Für Regenstauf und Diesenbach konnte er viel Positives bewirken, sagte Böhringer.

In seinen Dankesworten fragte Graf, ob man so eine Ehrung verdient habe. Der stellvertretende Landrat Willi Hogger widersprach dieser Fragestellung energisch: „Es gibt keine Ehrung, die so genau überdacht wird, wie die einer Gemeinde. Man kennt jeden und kann jeden durchleuchten.“ Alle Geehrten in Regenstauf hätten gezeigt, dass Politik auf Gemeindeebene nichts mit Parteipolitik zu tun habe.

Laudatio für Eberhard Krüger

Die großen und kleinen Sorgen der Regenstaufer Bürger, sie waren der Antrieb für das politische Engagement des „SPD-Urgesteins“ Eberhard Krüger. In ärmlichsten Verhältnissen lebte seine Familie, die aus Frankfurt an der Oder stammte, nach Kriegsende in Schneitweg. Hans Graf sen. verhalf der Familie zu einer Genossenschaftswohnung. Vielleicht schon damals, sagte Böhringer in seiner Laudatio, sei bei Eberhard Krüger Achtung und Interesse für das ehrenamtliche Engagement aufgekeimt.

Eberhard Krüger (rechts) bekam die Ehrenbürgerwürde verliehen.
Eberhard Krüger (rechts) bekam die Ehrenbürgerwürde verliehen. Foto: Norgall

Lange bevor er aktiv in die Politik eintrat, schloss sich Eberhard Krüger mit 15 Jahren seiner damals größten Liebe, dem Fußball, an. 1952 trat er dem TB bei, spielte als Libero und Ausputzer. 1966 wurde Krüger Mitglied der SPD, 1970 bis 2000 stand er für den Ortsvorsitz zur Verfügung. 1972 wurde er erstmals in den Marktrat gewählt. Sieben Amtsperioden, 42 Jahre lang, engagierte er sich dort: Böhringer erinnert an manche Sitzung: „Gekonnt, ja fast theatralisch verstand er es, die Sache immer auf den Punkt zu bringen und so mit seinen Anliegen Gehör zu finden.“ Zweimal kandidierte der Lokomotivbetriebsinspektor a.d. gegen Amtsinhaber Johann Zelzner um das Amt des Bürgermeisters. Mit 30 Prozent konnte er zumindest Achtungserfolge erzielen. 33 Jahre lang war Krüger Mitglied des Kreisrats.

Höhepunkt seiner politischen Laufbahn war es, als Eberhard Krüger als dienstältester Marktrat mit Siegfried Böhringer einen SPD-Bürgermeister vereidigen konnte. Auch ohne offizielles Amt, erzählte Böhringer, erscheine er auch heute noch alle paar Tage im Rathaus und engagiere sich nach wie vor für seine Mitbürger. Oft war es der kleine Dienstweg zum jeweiligen Sachbearbeiter im Rathaus, der kleine Probleme schnell gelöst habe und Hilfestellung brachte.

Als Hans Graf seine Dankesworte sprach, tat er das auf Wunsch Krügers auch für ihn. Besonders wollte Krüger für seine Person nichts herausstellen und beauftragte Graf mit den Worten: „Was für dich gilt, das gilt auch für mich.“

Laudatio für Gerhard Wagner

Mit Gerhard Wagner zeichnete der Marktrat eine Persönlichkeit aus, die sich „durch herausragenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einsatz weit über Regenstauf hinaus verdient gemacht hat.“ Wagner war schon in frühen Jahren als CSU-Ortsvorsitzender und Kreisrat in Regenstauf politisch aktiv. Mit der in Kooperation betriebenen Regental-Wohnbaugesellschaf schuf er Wohnraum. Seit 1961 ist er in der Geflügelbranche unterwegs. Er war Geschäftsführer der Brüterei Süd. 1985 legte er mit der Gründung der Wimex Agrarprodukte Import&Export GmbH in Regenstauf den Grundstein für die heutige Wimex-Gruppe mit über 30 Tochterunternehmen und über 500 Arbeitsplätzen. Verwaltungssitz blieb mit aktuell über 70 Mitarbeitern immer Regenstauf. Hier gehört das Unternehmen zu den wichtigsten Gewerbesteuerzahlern.

Gerd Wagner (rechts) freute sich über die Auszeichnung zum Ehrenbürger.
Gerd Wagner (rechts) freute sich über die Auszeichnung zum Ehrenbürger.

Nach der Wiedervereinigung nutze das Unternehmen in Sachsen die landwirtschaftlichen Großstrukturen. Futtermittelproduktion, Geflügelzucht, Obst- und Gemüseanbau, Energiegewinnung und Entwicklung von Informationstechnik für den Bereich Landwirtschaft gehören heute zu den Unternehmensfeldern. 240 Millionen Bruteier jährlich kommen aus rund 70 Farmen. Das Unternehmen zählt zu den wichtigsten europäischen Produzenten von Bruteiern und Eintagsküken.

Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft sah Böhringer als Anerkennung der Verdienste als herausragende Unternehmerpersönlichkeit mit gesellschaftlichem Engagement, die sich durch Bodenständigkeit und Mut zur Innovation auszeichne. Gerd Wagner zeigte sich „tief bewegt von dieser Ehrung“ und seiner „Karriere“ vom vor 55 Jahren „Zuagroaßten“ zum „Ehrenbürger dieser stolzen Gemeinde“. 16 Jahre war Wagner CSU-Vorsitzender. Er verwies auf den besonderen Umgangston der Politiker am Ort untereinander und sagte: „Eberhard, wir waren politische Feinde, aber bei Schafkopf und beim Bier waren wir immer Freunde.“ Wagner versicherte: „Der Name Regenstauf wird auch in Zukunft durch Wimex größte Bedeutung erhalten.“ Bürgermeister Siegfried Böhringer würdigte den Unternehmer als einen Mann, der immer zu seinem Wort stehe: „Wenn man mit ihm etwas ausgemacht hat, dann hat das immer gegolten. Da gab es nie ein Nachverhandeln.“

Laudatio für Alois Weig

Als Alois Weig 2007 die goldene Bürgermedaille verliehen wurde, sagte er für sich und seine Familie zu unserer Zeitung: „Hier sind wir daheim.“ Diese Aussage griff Bürgermeister Böhringer in seiner Laudatio auf, als er auf die Ansiedlung des Abteilungsdirektors Landwirtschaft bei der Regierung der Oberpfalz und dessen Familie im Jahr 1966 in Diesenbach zu sprechen kam.

Bürgermeister Böhringer verlieh die Ehrenbürgerwürde an Alois Weig.
Bürgermeister Böhringer verlieh die Ehrenbürgerwürde an Alois Weig. Foto: Norgall

Bereits 1972 kandidierte Alois Weig in Diesenbach für den Gemeinderat. 1978 ging Diesenbach im Zuge der Gebietsreform im neu gebildeten Markt Regenstauf auf. Rückblickend honorierte Böhringer die damalige Einstellung Weigs: „Dir war es wichtig, dass an der Eingemeindung alle Ortsteile ihren Anteil hatten und die Orte zu einer Gemeinschaft zusammenwuchsen, von der alle ihren Vorteil hatten.“ Dies habe besonders für die Gewerbeansiedlungen gegolten, mit denen Arbeitsplätze und Steuerkraft verfügbar wurden. 1978 bis 2002 war Alois Weig Fraktionssprecher der CSU im Marktrat. Von 1984 bis 2002 engagierte er sich als Kreisrat. Zusammen mit Hans Graf und Altbürgermeister Johann Zelzner habe er die Entwicklung des Markts in diesen Jahren entscheidend mitgestaltet, sagte Böhringer: „In dieser Zeit erfuhr der Markt Regenstauf seine größte wirtschaftliche Entwicklung.“ Der Schallschutz an der Autobahn sei für Weig immer noch ein großes Anliegen, das bisher nicht gelöst werden konnte. Eine ganz besondere Aufgabe übernahm Alois Weig 1973 mit dem Vorsitz des Kirchenbauvereins Diesenbach. Auch wenn manchmal für die Verwirklichung des Projekts Zweifel aufkamen, die Kirche wurde 1979 eingeweiht.

Hans Graf verriet in seinen Dankesworten ein „Geheimnis“ aus der aktiven Zeit von Johann Zelzner, Alois Weig und sich selbst. Viermal im Jahr habe man gemeinsam im Rathaus die Zukunft des Markts besprochen und die Weichen gestellt. Realistisch, menschlich und ehrlich sei es dabei zugegangen. Graf: „Auch wenn mancher die Gespräche nicht so gerne sah, wir haben gut für den Markt gewirtschaftet. Dabei ist viel Gutes herausgekommen.“

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