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Vergleich

Regenwasser muss gereinigt werden

Der Abwasserzweckverband muss Einleitstellen nachrüsten. Die zusätzlichen Kosten werden die Gebührenzahler belasten.
Von Sabine Norgall, MZ

 Unter der Flutbrücke an der R 21 leitet der Abwasserzweckverband bei großen Regenfällen Mischwasser und Oberflächenwasser, in den Regen ein. Die Regenwasserreinigung wird jetzt nachgerüstet.
Unter der Flutbrücke an der R 21 leitet der Abwasserzweckverband bei großen Regenfällen Mischwasser und Oberflächenwasser, in den Regen ein. Die Regenwasserreinigung wird jetzt nachgerüstet. Fotos: Norgall

Regenstauf.Dem Abwasserzweckverband stehen in den kommenden Jahren große Investitionen ins Haus. Aktuelles Beispiel dafür ist die Mischwassereinleitung in den Regen am Bahnweg, kurz die M 8. An den Mischwassereinleitungsstellen wird bei größeren Regenereignissen durch Oberflächenwasser stark verdünntes Abwasser, das der Kanal nicht mehr fassen kann, in den Regenfluss eingeleitet. Entlang des Regens gibt es 25 Einleitstellen. Diese wurden vom Landratsamt im Rahmen des Generalentwässerungsplans genehmigt.

Gegen diese Genehmigung klagte der 1. Anglerclub Regensburg, Besitzer des Fischwassers in diesem Bereich. Zunächst, erklärt der Geschäftsführer des Abwasserzweckverbands, Markus Scheuerer, wurde gegen alle Einleitstellen geklagt, später reduzierte sich die Klage auf acht. Für sieben dieser Einleitstellen wurde vor dem Verwaltungsgericht ein Vergleich geschlossen. Der Vergleich verkürzt die wasserrechtliche Genehmigung durch das Landratsamt von 20 auf fünf Jahre.

Was gehört zum Mischwasser?

Komplizierter liegt der Fall bei der M 8 am Bahnweg. Dort wird hinterhalb des Auffangbeckens für das Mischwasser, kurz vor der Einleitung in den Regen, zusätzlich in einem extra Rohr Regenwasser in das Abschlagrohr geleitet. Die Kläger vertraten die Ansicht, dass für dieses Regenwasser die Genehmigung für das Mischwasser nicht reicht. Für die Einleitung des Oberflächenwassers bedürfe es einer gesonderten Genehmigung.

Für Markus Scheuerer ist diese Forderung paradox. Mischwasser, so seine Auffassung, sage schon vom Namen her aus, dass es aus der Mischung von Schmutz und Regenwasser bestehe. Auch für den technischen Leiter Roland Hammerschmid, gab es an der Genehmigung des Landratsamtes zunächst keinen Zweifel: „Wir gingen davon aus, wenn wir Mischwasser einleiten dürfen, ist das bei Oberflächenwasser überhaupt kein Problem.“

Unter der B 85 lief das Oberflächenwasser früher direkt in den Regen.
Unter der B 85 lief das Oberflächenwasser früher direkt in den Regen. Foto: Norgall

Dabei war dem Abwasserzweckverband zunächst einmal gar nicht klar, wer alles Oberflächenwasser in diesen Bereich einleitete. Die ehemalige Gemeindeverbindungsstraße zur Autobahn wurde vom Markt gebaut, später vom Landkreis übernommen, jetzt ist der Abwasserzweckverband für die Wasserableitung zuständig. Den Vorwurf des Anglerclubs, der Abwasserzweckverband hätte für diese Wassereinleitung noch nie eine Genehmigung gehabt, konnte der Abwasserzweckverband vor Gericht nur teilweise entkräften. Tatsächlich, sagt Fritz Dechant, tauchte der eigentliche Genehmigungsbescheid bisher weder in den Akten des Abwasserzweckverbands noch beim Landratsamt auf. Was man allerdings fand, war die Quittung einer Rechnung über die Erteilung der Genehmigung.

Vor Gericht verglich man sich im April vergangenen Jahres. Der Vorsitzende des Abwasserzweckverbands, Fritz Dechant, gab dem Richter am Verwaltungsgericht sein persönliches Ehrenwort, dass für die M 8 ein gesondertes Regenrückhaltebecken gebaut wird.

An der Kreuzung zwischen dem Autobahnzubringer R 21 und dem Bahnweg soll das Reinigungsbecken für das Regenwasser gebaut werden.
An der Kreuzung zwischen dem Autobahnzubringer R 21 und dem Bahnweg soll das Reinigungsbecken für das Regenwasser gebaut werden.

Darin wird das Oberflächenwasser mit modernster Technologie von Schwebestoffen wie Sand und Kies, Staub oder Reifenabrieb gereinigt. Auch ein Notschieber wird eingebaut. Wie sinnvoll der ist, zeigte sich im Herbst vergangenen Jahres nach einem Ölunfall auf dem Eckert-Parkplatz. Dort, so die Vermutung, wurde an Lastwagen Öl umgeleitet oder abgezapft. Dabei gelangten, schätzt Dechant, zwischen fünf und zehn Liter Diesel in die Oberflächenwasserableitung und somit an die Einleitstelle in den Regen. Das Öl wurde mittels einer Ölsperre beseitigt. Mittlerweile hat das Unternehmen Eckert selbst eine Rückhaltung auf seinem Parkplatz gebaut.

25 Einleitstellen in den Regen

  • Generalentwässerungsplan

  • Der Generalentwässerungsplan für den Abwasserzweckverband Regental umfasst im Bereich des Regens 25 Mischwasserabschlagstellen, 22 davon im Markt Regenstauf, drei in Zeitlarn. Dieser Plan bedarf der Genehmigung durch das Landratsamt.

  • Mischwasser

  • Diese Bezeichnung umfasst das Schmutzwasser in den Kanälen und das Oberflächenwasser aus Regenereignissen, das gemeinsam über die Kanalisation abgeleitet wird. Mischwasserkanäle waren über Jahrzehnte gängige Form der Abwasserentsorgung.

  • Starkregen

  • Bei großen Regenereignissen kann im Mischwassersystem nicht das ganze Abwasser im Kanal und in den Auffangbecken abtransportiert werden. An den Einleitstellen muss stark verdünntes Schmutzwasser in den Regenfluss abgeschlagen werden.

  • Trennsystem

  • Neue Baugebiete dürfen nur noch im Trennsystem entwässert werden. Es gibt zwei parallele Kanäle. Das deutlich reduzierte Schmutzwasser fließt in die Kläranlage. Oberflächenwasser versickert vor Ort oder wird, mechanisch vorgereinigt, in den Regen eingeleitet.

Das Regenrückhaltebecken am Bahnweg bedeutet für den Abwasserzweckverband aktuell eine Investition von 300 000 Euro. Da sowohl Gemeinde als auch Landkreis, Freistaat und Bahn Oberflächenwasser von ihrem Gelände über die Leitung des Abwasserzweckverbands entsorgen, will man sie an den Kosten beteiligen. Sieben weitere Einleitstellen werden in Kürze nachgerüstet. Der finanzielle Bedarf liegt dort jeweils um die 50 000 Euro. Weitere 300 000 Euro wurden in Regenmesser investiert, die an allen Einleitstellen messen, welches Überlaufrohr bei welcher Regenmenge anspringt und woMillionen-Investitionen für Kanalbau eventuell Nachrüstbedarf steht. Für Abwasserzweckverbandsvorsitzenden Fritz Dechant und Geschäftsführer Markus Scheuerer ist klar: „Bei steigenden Kosten werden auch die Gebühren steigen müssen.“

In den neuen Schaltschränken werden die Regenmesser für die Einleitstellen gesteuert.
In den neuen Schaltschränken werden die Regenmesser für die Einleitstellen gesteuert. Foto: Norgall

Erweiterung wäre schwierigKläranlage: Suche nach einer Lösung

Fritz Dechant sieht noch ein weiteres Problem. Aktuell will er Holzheim an das Kanalsystem des AZV anschließen. Bei immer weiter steigenden Auflagen, sagt Dechant, könne es sich der AZV aber nicht mehr leisten, das Verbandsgebiet auszuweiten. Jedes neue Baugebiet innerhalb des Verbands bringe erhebliche Probleme mit sich.

Viel Verständnis hat Dechant für die ständig neuen Auflagen nicht. Selbst der Mischwasserkanal habe, ohne gesonderte Entsorgung des Regenwassers, für den Regenfluss eine enorme Verbesserung der Wasserqualität gebracht. Auch Roland Hammerschmid reagiert leicht frustriert: „Wir arbeiten, um es für die Umwelt immer besser zu machen und die anderen glauben, wir wollen was vertuschen.“

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