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Natur

Schreckt das Feuerwerk den Storch?

Als das Spektakel in Regenstauf begann, flohen die Altvögel aus dem Horst. Im Internet war die Sorge um den Nachwuchs groß.
Von Sabine Norgall, MZ

Wunderbare Lichteffekte zauberte das Feuerwerk. Doch im Netz gab es nicht nur Beifall. Viele sorgten sich um die Jungstörche, die in unmittelbarer Nachbarschaft in ihrem Horst saßen.
Wunderbare Lichteffekte zauberte das Feuerwerk. Doch im Netz gab es nicht nur Beifall. Viele sorgten sich um die Jungstörche, die in unmittelbarer Nachbarschaft in ihrem Horst saßen. Foto: Straubinger

Regenstauf.Die letzten Raketen des Abschlussfeuerwerks beim Regenstaufer Festival am Fluss waren noch kaum verglüht, da setzte im Internet, in der Facebook-Gruppe „Du bist ein echter Regenstaufer, wenn“ eine rege Diskussion ein. Inhalt: Hätte der Markt Regenstauf in unmittelbarer Nähe zu dem Storchennest auf ein Feuerwerk verzichten müssen, um die Jungstörche nicht zu erschrecken? Auch ein möglicher Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz wurde thematisiert.

Den ersten Eintrag gab es schon am Nachmittag vor dem Feuerwerk, als gewarnt wurde: „Das Nest ist etwa 50 Meter Luftlinie von dem Spektakel entfernt. Fliegen können die zwei Kleinen auch noch nicht. Wenn die sich erschrecken..., den Rest kann man sich denken?“

Was folgte, waren Einträge, dass die Gemeinde, als Ausrichter des Feuerwerks, im Vorfeld nicht genug über die möglichen Folgen auf die Tierwelt nachgedacht habe, beziehungsweise den Tierschutz nicht berücksichtigt habe. Schließlich meldeten sich auch Nutzer, die nicht nur um das Wohl der Tiere besorgt waren zu Wort. Auch Bewohner der Wassergasse oder der Bergstraße, war in dem Zusammenhang nachzulesen, hätten drei Tage unter der Dauerbeschallung gelitten. Bei künftigen Festen, so eine oft vertretene Meinung, sollte man doch besser auf laute Böller und Raketen verzichten, um die Störche nicht zu erschrecken. Zitiert wurde unter anderem eine „Expertenaussage“, die belegen soll, „dass Explosionen und Lichtblitze bei Störchen zu enormen psychischen Probleme führen können“.

Doch auch viele andere Gruppenmitglieder, die die Diskussion eher staunend und ungläubig verfolgten, sagten ihre Meinung dazu. Tenor vieler Antworten: Ja, habt ihr denn sonst kein Problem?

Nachgefragt bei den Experten

Ob sich die Jungstörche erschrocken haben weiß keiner. Nach dem Festival machten sie jedoch mit ihren Flugübungen weiter.
Ob sich die Jungstörche erschrocken haben weiß keiner. Nach dem Festival machten sie jedoch mit ihren Flugübungen weiter. Foto: Straubinger

Was, so steht es in einem Diskussionsbeitrag, mache denn der Storch, wenn es blitzt und donnert, erschreckt er sich dann auch? Die Antworten gehen, man hat es schon geahnt, ins Detail. Kurz zusammengefasst: Blitz und Donner kennt der Storch, Raketen und Böller nicht. Bevor der Administrator die Diskussion schloss, brachte ein Gruppenmitglied folgende Idee ins Gespräch: Es gibt in Regenstauf die Experten von der Vogelstation, die müssten doch wissen, was der Storch toleriert und was nicht und ab wann es für den Nachwuchs gefährlich wird.

„Kein Jungtier ist in Panik runtergesprungen.“

Christopf Bauer, Geschäftsführer LBV-Vogelstation

Diese Anregung griff unsere Zeitung auf und fragte bei Christoph Bauer, Leiter der örtlichen Bezirksgeschäftsstelle des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), nach. Christoph Bauer zum Thema: „Nachdem, was uns bekannt ist, sind beide Jungen wohlbehalten und keines ist in Panik runtergesprungen.“ Mit den Auswirkungen eines Feuerwerks auf Störche, sagte Bauer, habe man wenig Erfahrung. Auch die Storchenexpertin des Landesbunds für Vogelschutz, Oda Wieding in Hilpoltstein, konnte dazu, auf Nachfrage Bauers, nicht weiterhelfen. Die Besorgnis über das Wohlergehen der Vögel versteht Bauer: „Der Storch ist nun mal ein Sympathieträger.“

Vögel tolerieren Lärm

Christoph Bauer, Leiter der LBV-Bezirksgeschäftsstelle in Regenstauf, gab Entwarnung.
Christoph Bauer, Leiter der LBV-Bezirksgeschäftsstelle in Regenstauf, gab Entwarnung. Foto: Norgall

Grundsätzlich, sagte Bauer, reagierten Vögel kaum panisch auf Lärm. Zu Panikreaktionen käme es eher dann, wenn ihre Fluchtdistanz unterschritten würde. Wie sehr die Störche als Kulturfolger die Nähe zum Menschen suchten, sagt Bauer, könne man auch daran sehen, dass sich in Bayern die Storchennester oft auf den Rathausdächern fänden – gelegentlich auch in unmittelbarer Nähe zur dort angebrachten Feuerwehrsirene.

Storchenschutz im Markt

  • Verordnungen des Markts

  • Der Schutz der Störche wird im Markt Regenstauf durch besondere Verordnungen unterstützt.

  • Auflagen in der Brutzeit

  • Während der Brutzeit der Störche gilt in den Regenauen eine Anleinpflicht für Hunde. An den Zugängen zu den Regenauen sind Hinweisschilder angebracht.

  • Bedrohte Tierart

  • In seinem Mitteilungsblatt veröffentlicht der Markt Regenstauf dazu immer wieder entsprechende Hinweise.

  • Nach den Bestimmungen des Naturschutzrechts zählt der Weißstorch zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. Es ist deshalb verboten, diese Vogelart an ihrer Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätte durch aufsuchen, fotografieren, filmen oder ähnliche Handlungen (z. B. freies Laufenlassen von Hunden im Nahrungsbiotop) zu stören.

  • Geldstrafen sind möglich

  • Das Bundesnaturschutzgesetz legt ferner fest, dass derjenige ordnungswidrig handelt, der vorsätzlich oder

  • fahrlässig die Vorschriften missachtet. Hohe Geldstrafen sind möglich.

Dass Blitz und Donner den Störchen schaden könnten, sagt Bauer, befürchte man in der Regenstaufer Vogelstation nicht. Allerdings habe man in den vergangenen Wochen gelegentlich besorgt in Richtung Horst geblickt, wenn plötzlich heftige Sturmböen auftraten, während die Jungstörche am Nestrand ihre Flugküste erprobten. Da, sagt Bauer, könne es schon mal sein, dass es einen Jungstorch aus dem Nest weht.

Die Storchenfamilie in Regenstauf wird sich in jedem Fall bald trenne. Der Familienverband löst sich in der Regel zwei Woche nach dem Flüggewerden der Jungen auf - der Vogelzug beginnt dann.

„Es wird Gespräche geben, ob man für die Zukunft Lösungen finden kann, die den angesprochenen Belangen noch mehr Rechnung tragen“.

Hans Fichtl, Pressesprecher des Landratsamts

Wie die Pressestelle des Landratsamts mitteilt, wurde laut Auskunft des Gewerbeaufsichtsamtes das Feuerwerk vom ausführenden Pyrotechniker beim Gewerbeaufsichtsamt angezeigt. Die Anzeige wurde dort überprüft. Im Anschluss daran wurde die geprüfte Anzeige an den Pyrotechniker, den Markt Regenstauf und das Landratsamt übersandt. Vom fachlichen Naturschutz des Landratsamtes aus wurden gegen das Stattfinden des Feuerwerks keine Einwände erhoben.

Auch nach dem Feuerwerk ergab sich laut Pressesprecher Hans Fichtl keine Hinweise darauf, dass eine erhebliche Störung vorgelegen hätte, die den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit erfüllen würde. Ungeachtet dessen werde es aber Gespräche geben, ob man für die Zukunft Lösungen finden kann, die den angesprochenen Belangen noch mehr Rechnung tragen.

„Vielleicht will man in drei Jahren eine Lichtshow.“

Bürgermeister Siegfried Böhringer

Bürgermeister Siegfried Böhringer freute sich über die vielen begeisterten Stimmen über das Festival um Fluss und das Feuerwerk ganz speziell. Gut 2000 Besucher, sagt er, hätten nach Abschluss des Feuerwerks begeistert und andauernd geklatscht. Der Markt, sagt Böhringer, wolle an dem Feuerwerk als Festabschluss auch in Zukunft festhalten. Eine Anregung aus der Facebook-Diskussion aufgreifend schränkt er aber ein: „Wer weiß, was in drei Jahren beim nächsten Festival am Fluss ist, vielleicht will man dann lieber eine Lichtshow statt Feuerwerk.“

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