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Erde

Tollkühn durch die Vulkanwolken

Naturforscher Rudolf Geipel war auf abenteuerlichem Trip durch Schwefel und glutheiße Lava. Der Regenstaufer berichtet.
Von Martina Schaeffer, MZ

  • Rudolf Geipel, passionierter Hobby-Mineraloge und Geologe aus Regenstauf, war im Vulkan-Paradies auf Kamtschatka und weiß von seinen Abenteuern spannend zu erzählen. Fotos: Geipel
  • Rotglühend fließt die Lava den Vulkankegel hinunter.
  • Ein weiter Blick in das Auge des Vulkans

Regenstauf.Rudolf Geipel liebt die Herausforderung, den Nervenkitzel, das, was gefährlich ist. Der frisch pensionierte Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik, passionierte Mineraloge und Geologe und begeisterte Forscher in Sachen Radioaktivität aus Regenstauf, geht gerne auf Tour, vor allem in die Extreme.

Er ist kreuz und quer durch die Welt gereist, auf steile Gipfel geklettert oder in die Niederungen gefährdeter Demokratien wie Armenien oder Georgien gestiegen. In Kamtschatka stand er einem mächtigen Braunbären vis-à-vis. Und: Von alldem kann der 65-Jährige ganze Bände spannend erzählen.

Am Donnerstag, 22.1., wird Geipel bei einem Vortrag in Regenstauf eine brandheiße Thematik durchleuchten: Er wird von seinen Abenteuern mit Vulkanen erzählen und davon, was es unter anderem auch in Deutschland mit diesem geologischen Phänomen auf sich hat.

Vulkanleichen gesehen

Denn auch hierzulande gibt es noch Vulkanismus, hält der Pädagoge Skeptikern entgegen, beispielsweise in der Eifel oder im Vogtland, im Eger-Domazlice-Graben. Immer wieder fänden hier „Schwarmbeben“ statt, die Erde im ganzen Gebiet erbebt über vier, fünf, sechs Wochen.

Und Geipel ist sich sehr sicher: Auch in Deutschland wird irgendwann ein Vulkan ausbrechen. Alles nur eine Frage der Zeit, sagt er. Und die etwa 5000 Jahre, mit denen er bis zur Eruption rechnet, sind aus erdgeschichtlicher Sicht nicht mehr als ein Hauch.

Vulkane, die Krater mit ihrem brodelnden Innenleben faszinieren Geipel, der selbst aus der Rhön, ebenfalls Vulkangebiet, stammt, schon seit langem. Mit seinen Schülern war er mal am Vesuv in Italien, hat in Pompeji die Vulkanleichen gesehen.

Im Vulkan-Paradies

Und damals ist sein Wunsch geboren: „Es wäre doch schön, mal einen ausbrechenden Vulkan aus der Nähe zu sehen.“ Es hat ein wenig gedauert, doch 2010 hat Geipel das wahr gemacht. Er hat eine Tour durch Kamtschatka, die russische Halbinsel, organisiert und ist dort hoch auf die Vulkankrater gestiegen. „29 Vulkane sind hier dauernd aktiv“, erzählt Geipel begeistert. Er befand sich quasi im Vulkan-Paradies. Sein Forscherherz schlug deutlich höher. Das spiegeln seine Schilderungen, die selbst auch heute noch voller Glut und Verve sind.

In Kamtschatka hat er einen Vulkanausbruch live erlebt, aus gerade mal zehn, 15 Kilometer Entfernung. Er konnte sehen, wie die rotglühende Lava den Berg hinunterfloss, hat erlebt, wie Gesteine von der Größe eines Einfamilienhauses weit durch die Luft geschleudert wurden. Das war an der Kljutschewskaja Sopka.

Am Karymski ist er mit dem Hubschrauber durch eine zwei Kilometer hohe Aschewolke geflogen. Und während seine Begleiter laut über die Tollkühnheit des Piloten schimpften, hat er sich klammheimlich ins Fäustchen gelacht. Denn: Geipel hatte den Piloten selbst dazu angestiftet. „Ich wollte erleben, wie das ist“, erzählt der 65-Jährige, verschmitzt wie ein frisch aus der Erde gekrochener Kobold.

„Man muss Angst haben“

Doch, räumt er ein, Angst kenne er schon. „Man muss Angst haben, damit man sich der Gefahr auch bewusst ist, sie richtig einschätzen kann.“ Und es gehöre auch eine gehörige Portion Mut dazu, wenn man schon kurz vor dem Gipfel sei, dann doch wieder umzukehren, weil Gefahr im Anmarsch ist, weil ein Sturm aufzieht oder Blitzeis den felsigen Stein überzieht.

All dies hat Geipel selbst erlebt. Und auch dieses: Dem Gorely, einem weiteren Vulkan auf Kamtschatka, hat er direkt vom Kraterrand aus in das heiße Auge geblickt. Genau in dem Moment, als dieser eine riesengroße, weiße Schwefelwolke ausspuckte. Geipel und seine Begleiter trugen Mundschutz, die Dämpfe aus Schwefelsäure und Wasserstoff, von der Konzentration ohnehin eher schwach, konnten ihnen nichts anhaben.

Geipel hat den Besuch nicht eine Minute bereut, obwohl es ihm an dem Tag eher schlecht ging. Doch er sagt: „Es war einfach traumhaft, diese ganze Sache zu sehen.“ Er ist noch heute tief beeindruckt. Er hat einen Blick in die Entstehung der Erde erhascht. „Man sieht, wie großartig die Natur ist – und der Mensch wird ganz, ganz klein daneben.“ Das prägt: „Man sieht viele Dinge ganz anders.“

Viele Bilder mitgebracht

Rudolf Geipel hat von seinen Reisen viele Bilder mitgebracht: Der ebenfalls passionierte Fotograf hat seine Olympus-Kamera stets griffbereit, die Zahl seiner Fotos geht in die Zigtausende. Seine Erlebnisse, untermauert durch seine Forschung, seine Recherchen zum Thema wird Geipel bei seinem Vortrag in Regenstauf am Donnerstag schildern.

Der Vortrag beginnt am Donnerstag, 22. Januar, um 19.30 Uhr in Toms Kulturbühne im Thomas-Wiser-Haus in Regenstauf. Der Eintritt ist frei, Spenden werden aber erbeten. Der Erlös geht komplett an den Förderverein Wiser-Haus und kommt den Kindern zugute.

Faszinierende Vulkane

  • Kljutschewskaja Sopka

  • Der höchste aktive Vulkan Eurasiens liegt auf der Halbinsel Kamtschatka in Russland. Laut Rudolf Geipel maß er bei seinem Besuch 4750 Meter, variiert aber durch die stetigen Ausbrüche. Der etwa 8000 Jahre alte Vulkan zählt zum Pazifischen Feuerring. Er ist der höchste Vulkan der dicht beieinander stehenden zwölf Stratovulkane, die die Klutschewskaja-Gruppe bilden. Sie erreicht ihre außerordentliche Höhe, weil sie aus dem Hang eines großen, älteren Vulkans emporgewachsen ist. Auf dieser Basis türmte sie einen gut 3000 Meter hohen, fast perfekten Kegel auf.

  • Gorely

  • Der aktive Vulkan liegt ebenfalls auf der Halbinsel Kamtschatka in Russland. Entstanden ist der Gorely vor etwa 38 000 Jahren, als bei einem großen Vulkanausbruch 100 Kubikkilometer Tephra gefördert wurden. In der großen Caldera – das ist ein ursprünglich großer, eingebrochener Krater – wuchsen fünf Stratovulkane heran, die zum Gorely verschmolzen. Heute gibt es elf Hauptkrater im Gipfelbereich und 30 Nebelkegel auf der Flanke des Vulkans.

  • Karymski

  • Die Karymskaja Sopka ist der aktivste Vulkan Kamtschatkas. Er bildet das Zentrum einer Caldera von fünf Kilometern Durchmesser. Seit 1996 spuckt er ständig Lava und Asche. Die Ausbrüche werden seit 1771 beobachtet, die Radiokohlenstoffdatierung zeigt aber, dass die Aktivität schon seit etwa 500 Jahren anhält. Zuvor scheint der Vulkan 2300 Jahre lang ruhig gewesen zu sein. Der Karymski ist von vielen Vulkanen umgeben. Seine Asche wird gewöhnlich in 2000 bis 3000 Meter Höhe geblasen, aber auch 10 000 Meter sind möglich, wo sie eine Gefahr für Flugzeuge wird. Quelle: Wikipedia

Vulkanen auf der Spur

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